Kampf gegen Abfallflut

Müll-Ärger in Offenbach: Stadt will härter durchgreifen

Müllsammeln in Offenbach
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Immer häufiger packen Bürgerinnen und Bürger mit an, um die Stadt von Müll zu befreien.

In Offenbach sorgt die Vermüllung im öffentlichen Raum zunehmend für Ärger. Bürger stellen sich der Müllflut entgegen. Jetzt kündigt die Stadt an, härter durchzugreifen.

Offenbach – Hinweise auf ignorante Mitmenschen, die die Stadt vermüllen, ebben nicht ab; dazu kommen Klagen über eine Stadt, die nicht ausreichend gegen sie vorgehe. Doch dann gibt es auch Leute, die selbst anpacken und etwas verbessern wollen. Immer mehr machen sich mittlerweile in ihrer Freizeit auf, um einzusammeln, was andere wegwerfen – alleine, mit Vereinen oder auf Initiative eines städtischen Quartiersmanagements.

Aus eigenem Antrieb zog etwa der Offenbacher Ladies’ Circle 84 los, die örtliche Gruppierung einer weltweiten Vereinigung von Frauen zwischen 18 bis 45 Jahren. Ausgestattet mit Müllsäcken, Greifzangen und Handschuhen waren die Ladies am Lämmerspieler Weg und im nahen Wald unterwegs, um einen Beitrag für eine saubere Stadt zu leisten. „In kürzester Zeit kamen mehr als 20 Müllsäcke zusammen, zu den traurigen Fundstücken zählten Fernseher, Autoreifen, Stühle bis hin zu Einzelteilen von Kühlschränken“, berichten die engagierten Frauen.

Müll-Problem in Offenbach: Bürger unzufrieden – sie wollen selbst aktiv werden

Auch Irina Messer und eine Freundin streifen seit einigen Monaten regelmäßig durch Natur und auf Straßen und sammeln Müll, vor allem in Bieber. Nun wendet sie sich, unzufrieden mit gegenwärtigen Zuständen, mit einem Anliegen an unsere Zeitung. „Es gibt den Mängelmelder und das Ordnungsamt. Allerdings finde ich diese Methoden zu langwierig für eine Stadt, deren Bürger selbst aktiv werden könnten, damit sich jeder wohl fühlt und in einer sauberen Stadt leben kann“, schreibt Irina Messer und liefert gleich noch eine Verbesserungsidee mit.

Aus Frankfurt kennt sie die städtische Initiative „CleanFFM“. Dabei setzt Frankfurt auf zusätzliche Reinigungskräfte, sogenannte Sauberkeits-Botschafter, die im Stadtgebiet unterwegs sind, sowie auf verschiedene Aktionen und Events.

Offenbach: Müll-Ärger nimmt kein Ende – Viel zu wenig Mülleimer

Von einem weiteren Bestandteil ist Irina Messer begeistert: jede Menge Mülleimer, überall. Sie schickt ein Foto: „Es wurde das gesamte Mainufer entlang, wohl gemerkt auf beiden Seiten des Flusses, an jeder Straßenlaterne jeweils eine Restmülltonne mit einer Eisenkette befestigt“, schreibt sie. Das wäre auch was für Offenbach, findet die junge Frau. Denn: „Nicht mal auf der sehr frequentierten Hauptstraße in Bieber gibt es auch nur kleine Mülleimer, wie sie oft an Bushaltestellen vorzufinden sind, um etwa Coffee-to-go-Becher zu entsorgen.“

Beim Stadtservice der Stadtwerke ist man sich des zunehmenden Müll-Problems im öffentlichen Raum bewusst. Man begegne dem mit großem Engagement, auch in Absprache und Kooperation mit dem Ordnungsamt und der Stabsstelle Sauberes Offenbach, heißt es auf Anfrage. Getan wird mittlerweile einiges, um der Vermüllung Herr zu werden. Die Stadtservice-Mitarbeiter erhöhen dort, wo vermehrt Ablagerungen auftreten, die Reinigungsintervalle; wo notwendig, werden zudem die vorhandenen öffentlichen Mülleimer häufiger geleert oder durch größere ersetzt. Fürs Mainufer, wo sich gerade in der warmen Jahreszeit Besucher tummeln und Müll in Offenbach häuft, ist eine eigene Reinigungskolonne abgestellt.

Zudem werde die Stabsstelle an der Hafentreppe bald einen Abfallbehälter eigens für Pizzakartons aufstellen. Hinzu kommen weitere, bereits erprobte Maßnahmen wie Mängelmelder, Abfallberatung und Ausstattung von privaten Aktionen mit der entsprechenden Ausrüstung.

Müll-Problem in Offenbach: Harte Bußgelder drohen – Stadt will durchgreifen

All das greife allerdings nicht wie erhofft, räumt man bei den Stadtwerken ein. Darum soll in Zusammenarbeit mit der Stabsstelle Sauberes Offenbach und dem Ordnungsamt zusätzlich eine einschlägige Kampagne Abhilfe schaffen.

„In wenigen Wochen wird das ,Littering’, die Vermüllung des öffentlichen Raums, mit härteren Bußgeldern bestraft, gleichzeitig wird mit einer vielfältigen Infokampagne sowohl auf die Folgen von Littering als auch auf die drohenden Konsequenzen aufmerksam gemacht“, teilen die Stadtwerke mit. Die Aktion sei auf längere Zeit angelegt, eine so enge Zusammenarbeit zwischen Ordnungsamt und kommunalem Entsorger sei bisher noch nicht bekannt. Wann und wie die geplanten Aktionen starten können, hängt allerdings von der weiteren Entwicklung der Pandemie ab.

Eine Idee, die im Zuge einer solchen Infokampagne unabhängig von Corona umgesetzt werden könnte, kommt derweil von Leser Herrmann Reising. Er hat sich von einem Beispiel aus den USA inspirieren lassen und ein Anti-Müllsünder-Schild kurzerhand ins Deutsche übersetzt. Darauf zu lesen die spannende Frage, die Reising auch in Offenbach für angesagt hält: „Warum wirfst du hier mit Abfall um dich?“ Die Antwortmöglichkeiten: 1. „Ich bin zu faul“ 2. „Diese Stadt ist mir egal“ oder 3. „Ich denke, andere Leute werden dafür bezahlt“. Eins, zwei oder drei, ihr Müllsünder, was ist denn nun bei euch der Fall? (Lena Jochum)

Schikanen für die Müll-Abfuhr in Offenbach: oft kommen die Müllautos nicht um die Kurve und nicht in jede Straße. Jetzt wirbt die Stadt mit Flyern.

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