Gerüche, Ratten und Feinstaub

Müllsortieranlage: Anwohnern stinkt’s gewaltig

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Offenbach - Dass die Anwohner rund um die ESO-Müllsortieranlage an der Daimlerstraße mit ihrer Wohnsituation nicht zufrieden sind, ist nicht neu. Schon mit der Errichtung 2006 begann der Protest. Von Ronny Paul

Und noch immer seien Gestank und Ungeziefer unzumutbar, die Feinstaubwerte zu hoch, beklagen sich die Betroffenen.

Ihnen stinkt es gewaltig: Fotos, die der Redaktion vorliegen, zeigen, wie Essensreste, Plastik, Papier, alte Autobatterien und anderer Abfall augenscheinlich unsortiert gelagert werden. Anlieger Günter Keller vermutet gar, dass Vorschriften nicht eingehalten werden. Die Momentaufnahmen stellen für ihn ein leider schon gewohntes Bild dar: „Wenn Essensreste vom Wochenmarkt auf dem Hof zwischenlagern, wundert es mich nicht, dass uns Ungeziefer den ganzen Sommer über plagt. Ganz zu schweigen vom unerträglichen Gestank.“ Am meisten ärgern ihn ständig offen stehende Türen: „Da verstehe ich zwar die Arbeiter, denn bei dem Gestank könnte ich auch nicht arbeiten. Doch das alles zieht in unsere Richtung.“

„Müll wird nicht vorschriftsgemäß gelagert“

Bilder aus dem Privatarchiv eines Anwohners: Diese sollen die Zustände in der ESO-Sortieranlage an der Daimlerstraße dokumentieren.

Keller hat alles in Augenschein genommen und ist überzeugt: „Der Müll wird nicht vorschriftsgemäß gelagert und stapelt sich bis zur Lagerdecke.“ Gestattet sei eine Lagerung nur bis zur Fensterkante. Die Brandgefahr sei so um ein Vielfaches höher. Ständig beobachte er, wie an Wochenenden Lkw randvoll mit Müll auf dem Hof stünden. Dies und der Waschschlamm der auf dem Hof gesäuberten Müllwagen, verstärke den Gestank in der Luft massiv, wie er sagt.

Noch vor vier Jahren hatte Oberbürgermeister Horst Schneider angesichts des Ärgers in der Nachbarschaft Hoffnung geschürt: „Der Standort muss nicht auf ewig bleiben“, sagte er damals. Doch trotz der immer wieder vorgetragenen Beschwerden, kam es bislang nicht zu einem Umzug. Die Verlagerung etwa auf das alte Allessa-Gelände sei finanziell nicht zu stemmen.

Milan Dujin lebt seit Jahren mit dem Geruch sowie dem Krach und den Abgasen des Verkehrs auf der Bieberer Straße, vom Fluglärm ganz zu schweigen. Er ärgert sich: „Meine Kinder können bei der Luftfäule nicht normal im Garten spielen.“ Dem Gesundheitsamt legte er ein Glas mit etwa 30 Fliegen vor, die er allein an einem Vormittag in seinem Garten gesammelt hatte: „Die waren nicht beeindruckt. Dennoch wollten sie mit der ESO reden.“ Das war vor zwei Jahren.

Ein Rattenproblem hat Silvio Tramontana im Lager seiner kleinen Autowerkstatt an der Bieberer Straße. Obwohl er dort offensichtlich nichts Essbares aufbewahrt, plagen ihn die Nager seit seinem Einzug vor fünf Monaten: „Mein Hund Tyson fängt regelmäßig Ratten“, ärgert er sich ebenso wie sein Nachbar Yasar Yorali, der die toten Tiere ständig vor seiner Kellertür einsammeln müsse.

ESO erstaunt über neuerlichen Vorwürfe

ESO-Sprecher Oliver Gaksch reagiert erstaunt auf die neuerlichen Vorwürfe. Man stehe in engem Kontakt mit den Anwohnern, sagt er. In jüngster Zeit seien keine Beschwerden an ihn herangetragen. Die Rattenplage sei ein allgemeines Problem in der Stadt. Und er geht davon aus, dass die Nager nicht nur wegen der ESO-Anlage vermehrt auftauchen. „Wir zeigen darüber hinaus viel Engagement in der Schädlingsbekämpfung.“

Gaksch betont weiterhin: „Wir haben eine moderne, geschlossene Anlage, bei der Türen nur im Bedarfsfall geöffnet werden.“ Das erhöhte Feinstaubaufkommen komme auch durch das umliegende Gewerbe und die Bieberer Straße zustande, meint er. Dabei hatte Markus Eichberger, Leiter der Stadtentwicklung, schon vor vier Jahren eine über den Grenzwerten liegende Geruchsbelastung festgestellt.

Gaksch wehrt sich jedoch gegen Vorwürfe, Richtlinien würden nicht eingehalten: „Wir parken übers Wochenende keine beladenen Fahrzeuge auf dem Gelände. Der Müll wird ordnungsgemäß gelagert.“ Dennoch habe er Verständnis für die Anlieger: „Schön ist ein Wertverlust bei einer Immobilie natürlich nicht.“ Den Familien ist das nur ein schwacher Trost. „Bei den Behörden rennt man immer vor Mauern. Die Anlage wird wohl bleiben“, ist Keller kurz davor zu resignieren.

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