„Kleiner geht es nicht“

Biotonne in Offenbach: Das müssen Sie wissen

+
Daran lässt sich nichts mehr ändern: DIe Offenbacher trennen ab 1. April 2014 Bio- von Restmüll.

Offenbach - Bei der Entsorgung von Biomüll sind die Hessen bundesweit Spitze. 65 Prozent wanderten 2012 in die Biotonne. Ab April sammeln die Offenbacher mit. Der Stadtbetrieb ist zuversichtlich, viele sind verunsichert, einzelne Eigenheim-Besitzer stinksauer, da sie dann höhere Gebühren zahlen. Von Martin Kuhn

So einfach ist es auf Papier: Die EU-Abfallrahmenrichtlinie (AbfRRL) formuliert das Ziel. Das Kreislaufwirtschaftsgesetz (KrWG) setzt die AbfRRL in deutsches Recht um. Heißt für den Bürger: Spätestens zum 1. Januar 2015 ist Bio- vom Restmüll zu trennen. Für viele gehört das Ganze zwar in letztgenanntes Tonnenformat gepresst – ändert aber nichts: Die Biotonne kommt. In Offenbach sogar neun Monate früher. Was für viele noch mit einem großen Fragezeichen versehen ist, ärgert andere schon maßlos, so Jürgen Christoffer.

Lesen Sie dazu auch:

 Eigenbetrieb setzt auf Abfallberatung

Sein Beispiel steht sicher stellvertretend für nicht wenige Ein-Familien-Haushalte in Offenbach. Bislang kommt Christoffer mit einer 80-Liter-Restmülltonne gut zurecht. Mit der Anschlusspflicht, die lediglich bei eigenem Komposthaufen entfällt, steigert er sein Abfallvolumen um 50 Prozent: 60 Liter Restmüll, 60 Liter Biomüll. „Wie man mit größeren Müllaufnahmevermögen den Bürger animieren will, besser Müll zu trennen oder gar Müll zu vermeiden, erschließt sich mir nicht“, so der Offenbacher.

„Die Kleinen sind die Dummen“

Zudem wundert’s ihn, dass Ein-Familien-Haushalte künftig zwar mehr zahlen müssen, das Gesamtgebührenaufkommen aber nach Aussage des Stadtdienstleisters nicht steigen werde. Jürgen Christoffer: „Ein solches Nullsummenspiel bedeutet doch, dass sich die Verursacher großer Müllmengen auf eine Reduzierung der Müllgebühren freuen dürfen. Ich kann nicht nachvollziehen, warum kleine Haushalte große Müllverursacher subventionieren sollten. Für mich zeigt sich wieder einmal, dass die Kleinen die Dummen sind.“

Das sitzt. Und weckt offiziellen Widerspruch, obwohl ESO-Sprecher Oliver Gaksch sehr wohl weiß, dass es für einige Haushalte teurer wird: „Das haben wir seit Beginn unserer Kommunikation offen dargelegt.“ Den Verantwortlichen sei klar gewesen, dass vor allem für kleinere Haushalte mit geringer Müllmenge eine Lösung zu finden ist, „die für die Bürger keine all zu große Gebührenerhöhung sowie für ESO und Offenbach logistisch machbar und wirtschaftlich finanzierbar ist“.

Heißt: Mit Einführung der Biotonne zum 1. April gibt es eine verkleinerte Restmülltonne mit dann 60 Liter Volumen – kleiner geht es nicht. Warum? Gaksch: „Die Abfallbehälter müssen mit den gängigen Müllfahrzeugen beziehungsweise mit deren Greifarmen kompatibel sein.“ Zudem müsse die Standsicherheit gegeben sein; Einsätze für geringeres Volumen verlagern den Schwerpunkt in die Höhe. Das ist nach Ansicht der Fachleute zu unsicher.

Rhein-Main: Hier liegt der Müll am Straßenrand

Rhein-Main: Hier liegt der Müll am Straßenrand

Oliver Gaksch akzeptiert die Rechnung des Lesers, hat allerdings ein Gegenbeispiel parat: „Der Verteilerschlüssel ändert sich. So kann sich die Gebühr für Bioabfall- und Restabfalltonne für ein Einfamilienhaus um knapp zehn Prozent reduzieren. Es ist also nicht so, dass Kleinhaushalte generell mehr zahlen müssen. Es ist abhängig von Bewohnerzahl, Trennverhalten, Mindestvolumen und vielen mehr.“

Wegweiser durch Offenbacher Abfallgebühren: T = Teilservice (Kunde stellt die Tonne raus), V = Vollservice (Müllmann holt die Tonne); E = wöchentliche,, Z = zweiwöchentliche Entleerung. Der Stadtdienstleister hat Änderungen mit der Biotonne an einigen Beispielen durchgerechnet. Vollständig ist das hier nicht darstellbar. (Grafik vergrößern)

Dass das Gesamtgebührenvolumen in Offenbach stabil bleibt, sei nicht selbstverständlich, erinnert der Sprecher. Neben der Anschaffung dreier Fahrzeuge und neuer Biotonnen seien weitere Mitarbeiter einzustellen. Der ESO arbeite seit Jahren daran, Touren zu optimieren, Wege zu verkürzen, wirtschaftlich zu handeln und den Service dennoch auf gleichem Niveau zu halten – und zwar ohne Gebührenerhöhung. Ob das Jürgen Christoffer besänftigen wird, darf bezweifelt werden. Das eigene Portemonnaie ist sicher greifbarer als das Gesamtgebührenvolumen...

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare