Hinweis von Händler

Irritationen um Mundschutz: Verteilten Stadtwerke nur bedingt geeignete Modelle?  

Irritationen um Mundschutz in Offenbach: Verteilten Stadtwerke nur bedingt geeignete Modelle?  

  • Irritationen um Mundschutz in Offenbach
  • Verteilten Stadtwerke nur bedingt geeignete Modelle? 
  • Händler gibt Hinweis

Offenbach – Seit das Coronavirus die Schlagzeilen beherrscht, steigt der Verkauf an Schutzmasken und Desinfektionsmittel. Die Nachfrage war gerade im März so hoch, dass ausgerechnet die, die solche Waren wirklich benötigen – medizinische Einrichtungen oder Pflegeheime und -dienste – kaum noch bedient werden konnten.

Die Stadt Offenbach hat daher versucht, diese Not zu lindern: Am 31. März rief Oberbürgermeister Felix Schwenke Firmen und Unternehmen dazu auf, Atemschutzmasken des Typs FFP2 oder FFP3 zu spenden oder abzutreten, damit diese Ärzten, Pflegern oder Sozialeinrichtungen zur Verfügung stehen. Die Stadtwerke sollten diese Aktion koordinieren.

Offenbach: Waffenhandel hat Schutzmasken im Sortiment

Da kaum Maskenspenden eingingen, wurde nach Kaufmöglichkeiten gesucht – auch bei Thomas Messer, der in der Stadt den Waffenhandel Messer betreibt und Schutzausrüstung im Angebot hat. „Diese Waren sind aktuell sehr gefragt“, sagt Messer, der dafür auch Zahlen parat hat: Hatte er Montag vergangener Woche noch rund 200.000 Schutzmasken des Typs N95 (die von der Filterwirkung den FFP2-Masken leicht überlegen sind), wurden innerhalb einer Woche rund 180.000 Stück verkauft.

Zum Ankauf von Masken durch die Stadtwerke bei Messer kam es dann aber nicht, der Preis sei zu hoch gewesen, wissen gut informierte Kreise bei der Stadt zu berichten. Rund 3 000 Masken unterschiedlicher Art konnten die Stadtwerke aus anderen Quellen beziehen.

Offenbach: Falsche Masken? Händler greift ein 

Als Bekannte, die in medizinischen Berufen tätig sind, Messer aber Bilder der von der Stadt erhaltenen Masken zeigten, wandte er sich an die Stadtwerke: Darauf waren nämlich auch FFP2-Masken mit Ventil zu sehen. „Und laut Empfehlung des zuständigen Bundesinstituts sollen Masken mit Ventil nicht im medizinischen Bereich verwendet werden“, sagt er.

Tatsächlich schreibt das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte, „Filtrierende Halbmasken (FFP)... mit Ventil filtern nur die eingeatmete Luft und sind daher nicht für den Fremdschutz ausgelegt.“ Medizinisches Personal mit Ventil-Masken wären also bei Corona-Patienten geschützt, aber wenn unklar ist, ob das Personal selbst infiziert ist, wären es die Patienten nicht.

Offenbach: Stadt verteilt unterschiedliche Masken

Messer betont, dass es ihm nicht um den entgangenen Auftrag, sondern um Bedenken wegen falscher Verwendung der Masken ging, als er sich an die Stadtwerke wandte und diese über die Ventil-Problematik informierte. Der für den Ankauf zuständige Mitarbeiter schrieb ihm jedoch lediglich, dass die Masken bereits verteilt seien. Und so wandte sich Thomas Messer an unsere Zeitung.

Auf Nachfrage bestätigen die Stadtwerke, dass die unterschiedlichen Masken „FFP3 oder FFP2 Masken mit und ohne Ventil, zuletzt nur noch ohne Ventil“ zum Selbstkostenpreis professionellen Interessenten wie Pflegedienste, Seniorenheim und Ärzte angeboten wurden. Diese hätten dann selbst ausgewählt, welchen Typ sie benötigen. Die fraglichen Masken mit Ventil hätten zudem nur einen Teil des Gesamtbestandes ausgemacht.

Welche Masken wen schützen, zeigt die Infografik des Portals Vergleich.org. Dass Masken mit Ventil zwar nicht das Umfeld schützen, aber dennoch von medizinischem Personal genutzt werden, ist auch festgehalten. 

„Darüber hinaus informiert das Stadtgesundheitsamt darüber, welche Masken für welchen Zweck geeignet sind“, schreiben die Stadtwerke und weiter: „Es obliegt nicht der Stadtwerke Unternehmensgruppe (...) die professionellen Fachkräfte im Umgang mit medizinischem Equipment zu unterweisen.“

Offenbach: Hinweis hätte ernster genommen werden können

Letztgenanntes kann sicherlich weder erwartet noch gefordert werden – allerdings hätte der Hinweis von Thomas Messer durchaus ernster genommen werden können. Denn dass längst nicht alle, die in medizinischen oder pflegerischen Berufen arbeiten, wissen, welcher Maskentyp unter welchen Gegebenheiten der richtige ist, das hat Messer in seinem Berufsalltag auch erfahren. Es gäbe da viel Verunsicherung und der Aufklärungsbedarf sei hoch.

Irritierend sind auch die Aussagen von offizieller Seite: So werden laut Bundesinstitut FFP2-Masken mit Ventil als Medizinprodukte im Arbeitsschutzbereich geführt, gleichzeitig wird aber darauf hingewiesen, dass ein Fremdschutz nicht gewährleistet ist – da kontaminierte Atemluft nach außen dringt. Bedenkt man dann noch die widersprüchlichen Aussagen etwa des Robert-Koch-Instituts zur Verwendung von Mund-Nasen-Masken für die Allgemeinheit, ist verständlich, dass sowohl bei Laien wie Fachpersonal Verunsicherung vorherrschen kann.

Offenbach: Masken in der Stadt Mangelware

Die Stadtwerke betonen, mit besten Absichten gehandelt zu haben: Ohne die Kaufaktion hätten Ärzte oder Pflegeeinrichtungen gar keine Masken erhalten, da die Beschaffung durch Hamsterkäufe und internale Aufkäufe extrem schwierig geworden sei. Außerdem seien die Masken nicht zugewiesen worden, sondern jeder habe sich den Typ aussuchen können, den man haben wollte. Thomas Messer dagegen warnt, dass durch Unwissenheit über die Nachteile von Masken mit Ventil mancher sich in trügerischer Sicherheit wägen könnte.

Abhilfe könnte mit Sicherheit mehr Aufklärung bieten: Die Bürger müssten noch mehr darüber informiert werden, dass medizinische Masken nicht im Alltag genutzt werden sollten und dass ein Aufkauf der Bestände soziale und medizinische Einrichtungen schädigt. Und alle, die in medizinischen und pflegerischen Berufen tätig sind, müssen über Vor- und Nachteile der jeweiligen Maskentypen aufgeklärt werden.

VON FRANK SOMMER

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Rubriklistenbild: © Symbolbild: Daniel Karmann/dpa

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