Corona-Krise 

Wiedereröffnung fordert Museen in Offenbach heraus – nicht nur in Sachen Hygiene

Der Ausstellungsbesuch wird wohl ein einsameres Erlebnis als bisher: Die Museen in Offenbach, wie hier das Deutsche Ledermuseum, arbeiten an einer baldigen Wiedereröffnung. Foto: Alina Stellwagen/ DLM
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Der Ausstellungsbesuch wird wohl ein einsameres Erlebnis als bisher: Die Museen in Offenbach, wie hier das Deutsche Ledermuseum,

Noch sind die Museen in Offenbach geschlossen. Das soll sich bald ändern. Besucher erwartet wegen Corona viel Ungewohntes. 

Offenbach – Für viele Museumsleute und Kulturpolitiker kann es gar nicht schnell genug gehen: In Frankfurt und einigen anderen Städten werden die Museen in dieser Woche schon wieder für Besucher geöffnet. In den drei Häusern in Offenbach – dem Deutschen Ledermuseum, dem Klingspor-Museum und dem Haus der Stadtgeschichte – lässt die Wiedereröffnung auf sich warten. Dort laufen zurzeit noch die Vorbereitungen; sie sollen nach Vorstellung der Stadt in den nächsten Tagen abgeschlossen sein. Es werde momentan an neuen Hygienekonzepten gearbeitet, erklärt Jürgen Eichenauer, Direktor des Hauses der Stadtgeschichte. Allerdings: Notwendiges Material wie etwa Plexiglas sei bisher nicht geliefert worden. Ein festes Datum, wann die Museen ihre Türen öffnen können, gebe es nicht.

Den Eifer, in Zeiten des grassierenden Coronavirus möglichst schnell wieder Besucher ins Haus zu holen, sieht Inez Florschütz, Direktorin des Deutschen Ledermuseums, ohnehin eher skeptisch; man solle die Öffnung nicht überstürzen: „Meine Position generell ist, dass alle sehr vorsichtig sein sollten und alles gut vorbereitet werden muss.“ Ob es der richtige Zeitpunkt für eine Wiedereröffnung ist? Das sei die „große Frage“, findet Eichenauer. Ihre Beantwortung sieht er in der Verantwortung des Landes. Außerdem müsse jeder und jede einzelne entscheiden, welchen Gefahren er oder sie sich durch Freizeitaktivitäten aussetzt.

Ein Besuch im Museum wird zukünftig auf jeden Fall ein neues Erlebnis sein: Plexiglasscheiben als Spritzschutz an der Kasse, Aushänge mit Verhaltensvorschriften, Markierungen auf dem Boden, Aufsichtspersonal mit Atemschutzmasken. Aufpasser, die Besucher in Räumen zählen oder Menschen ermahnen, die zu nahe zusammenstehen, Führungen und Workshops – wenn überhaupt – nur in Kleinstgruppen. Besucher, die sich um ein Exponat versammeln oder die ohne Schutzvorkehrungen an Mitmach-Stationen aktiv sind – das wird es auf absehbare Zeit wohl nicht mehr geben.

Im Deutschen Ledermuseum muss ein Raum komplett geschlossen bleiben, sagt Inez Florschütz. Unter dem Titel „Das ist Leder! Von A bis Z“ konnte man dort Lederproben anfassen – in Coronazeiten eine potenzielle Gefahrenquelle.

Im Klingspor-Museum sieht Direktor Stefan Soltek die Lage etwas gelassener. Flächen und Material, das von Besuchern genutzt wird, sollen nach der Nutzung gründlich gereinigt werden. Mit einem großen Besucherandrang rechnet er ohnehin nicht, und er vertraut auf die Vernunft der Besucher, die sich idealerweise an die bekannten Verhaltensvorschriften halten.

Nicht klar ist bisher, welche Folgen die Einhaltung dieser neuen Regeln, vor allem einer maximalen Besucher- und Teilnehmerzahl, für Museen haben könnte. Problematisch sind dabei nicht nur mögliche dauerhafte Einnahmeverluste. Für viele Museen sind gerade auch die Besucherzahlen ein Maßstab, um sich selbst oder den Bezug von öffentlichem Geld zu legitimieren.

Da die Pandemie wohl kaum in kurzer Zeit abgehakt sein wird, müssen sich die Museumsleiterinnen und Direktoren, die Kuratorinnen und Ausstellungsmacher etwas einfallen lassen; neue Konzepte müssen her. Die Zukunft des Museumsmachens ist vor einigen Wochen plötzlich angebrochen: Seit dem Anfang der Coronakrise häufen sich Angebote zum Thema Kunst und Kultur im Internet. Hier ein „Instagram“-Post, dort eine „Youtube“-Führung durch die Ausstellung oder gleich eine „Zoom“-Konferenz mit Künstlern.

Wie kann man das Internet zukünftig stärker nutzen, um die klassische Institution des Museums den neuen Umständen auf moderne Weise anzupassen? Am Deutschen Ledermuseum gibt es einige, bisher aber eher diffuse Ideen: Das Haus wolle noch stärker zweigleisig fahren. Auch die für den Herbst geplante Eröffnung der Ausstellung „Tierisch schön?“ soll in der virtuellen und in der realen Welt zu erleben sein. Dennoch: Ein Museum sei vor allem ein Ort des echten Erlebens – selbst in Zeiten der digitalen Kulturangebote, findet Florschütz: „Der Trumpf des Museums sind die Objekte und ihre Authentizität. Es ist ein anderes Gefühl, durch eine Ausstellung zu gehen, als sie im Internet anzuschauen. Es ist eine reale Begegnung.“

Von Lisa Berins

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