Hölderlin-Ausstellung

Not macht erfinderisch: Museum in Offenbach plant virtuelle Ausstellung

Kuratorin Julia Cloot und Museumsleiter Stefan Soltek wollen die Werke nun digital präsentieren. 
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Kuratorin Julia Cloot und Museumsleiter Stefan Soltek wollen die Werke nun digital präsentieren. 

Eigentlich wollte das Klingspormuseum seine neue Ausstellung eröffnen, doch wegen der Corona-Krise muss das Haus in der Herrnstraße bis mindestens 20. April geschlossen bleiben. Nun denkt der Museumsleiter, eine digitale Führung zu erarbeiten.

Offenbach – Es ist eine vertrackte Situation: Eigentlich wollte das Klingspormuseum heute seine neue Ausstellung eröffnen, doch wegen der Corona-Krise muss das Haus in der Herrnstraße bis mindestens 20. April geschlossen bleiben. 

Dabei haben Museumsleiter Stefan Soltek und Julia Cloot, Kuratorin des Kulturfonds Frankfurt Rhein-Main, doch so viel Liebe und Arbeit in die Schau gesteckt, die da heißt: „Wahrlich! Es ist ein Himmelsvorgenuß. Buch- und Schriftkunst zu Friedrich Hölderlin“. Um die ausgestellten Werke dennoch der Öffentlichkeit zugänglich machen zu können schlägt das Museum nun neue Pfade ein.

„Seit wir Klarheit haben, dass wir die Ausstellung nicht im normalen Sinne zeigen können, habe ich die Idee, eine digitale Führung per Video zu machen“, berichtet Soltek. „Wir sind gerade dabei zu überlegen, wie wir etwas produzieren können, das zumindest visuell imstande ist, einen Einblick zu gewähren.“ Er beabsichtige, wenigstens Fotos und kurze Filme von den Objekten auf die Homepage des Museums zu stellen.

Auch auf einen Podcast, also eine Serie von Audioaufnahmen, dürfen sich alle freuen, die die Ausstellung gerne besucht hätten. „Ich habe mir vorgenommen, auf Facebook in loser Folge ein paar Gedichte und Textstellen aus den entsprechenden Ausgaben vorzulesen“, so Soltek. „Irgendetwas muss uns schließlich gelingen, dass man das Erlebnis Hölderlin auch von Zuhause aus genießen kann.“

Außerdem hofft er, dass die aktuell geltende Museumssperre nach dem 20. April auch tatsächlich endet. Da die Hölderlin-Schau noch bis 11. Juni im Klingspor aufgebaut ist, hätten Interessierte so vielleicht noch genug Zeit für einen Besuch.

Den Roman „Hyperion“ hat Robert Schwarz zu eindrucksvoller Buchkunst adaptiert.

Aber was gibt es dort überhaupt zu bestaunen? „Eine Mehrzahl von bild-, schrift- und buchkünstlerischen Einlassungen zu Leben und Werk des Dichters Friedrich Hölderlin“, antwortet Soltek. Eine zentrale Position – durchaus auch räumlich gemeint – nehmen dabei Werke des 1951 geborenen Künstlers Robert Schwarz ein. „Dessen buchkünstlerische Arbeit hat sich Ende der 80er, Anfang der 90er Jahre ganz intensiv mit Hölderlin befasst.“

Acht Werke hat Schwarz dessen Dramenfragment „Der Tod des Empedokles“ gewidmet. Einige davon sind im Hauptraum des Klingspormuseums zu sehen. Eines hängt in Form großer, loser Seiten von der Decke. Feinsäuberlich aufgereiht, ziehen sich die imposanten Blätter durch den Raum – ein echter Blickfang. Ein weiteres liegt daneben in einer Vitrine – und sieht dabei nicht weniger spektakulär aus. „Das ist ein Holzeinband mit Geweberücken, Er ist mit verschiedenen Materialien überzogen und beinhaltet unterschiedliche Papiere, die selbstständig bedruckt, aber auch als Ganzes bestempelt sind“, führt Soltek aus. „Es handelt sich aber nicht nur um Papier, sondern auch um Fallschirmseide.“ Die Bänder, die am Einband hingen, stammten ebenfalls von einem Fallschirm. Als schelmische Bezugnahme auf den Inhalt von „Empedokles“ deutet Soltek die Wahl des Materials. „Die Geschichte des Empedokles endet der Legende nach schließlich mit einem Sprung in den Ätna – das heißt, man kann sich wünschen, Empedokles hätte einen Fallschirm gehabt.“

Aber Schwarz ist nicht der einzige Künstler, dessen Hölderlin-Adaptionen die Ausstellung bereichern. Auch Werke von Petra Ober, Corinna Krebber, Till Verclas und anderen sind zu sehen. Jeder von ihnen nähert sich dem Leben und Werk des faszinierenden Lyrikers auf höchst individuelle und originelle Art. Davon kann sich in Kürze jeder auf der Internetseite des Museums selbst überzeugen.

Infos im Internet

klingspor-museum.de

Von Marian Mendel

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