Mit Strumpfstoff Akkorde meistern

Musiklehrer Peter Ganther erfindet Griff-Hilfe für seine Gitarrenschüler

Peter Ganther kennt die Herausforderungen, denen begegnet, wer Gitarre spielen lernt. 
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Peter Ganther kennt die Herausforderungen, denen begegnet, wer Gitarre spielen lernt. 

Wenn man es positiv sehen möchte, haben die aktuellen Kontaktbeschränkungen auch ihr Gutes: Wer gerne ein Instrument – beispielsweise Gitarre – lernen möchte, hat dieser Tage viel Zeit dazu. 

Offenbach – Dass man sich dabei von schwierigen Akkord-Griffen nicht abschrecken zu lassen braucht, weiß Peter Ganther. Seit 20 Jahren gibt er in seiner Musikschule „MyGuitarWay“ an der Geleitsstraße Gitarrenunterricht. Nun hat er eine Griffhilfe erfunden, mit der er Anfängern am Saiteninstrument das Leben erleichtern will.

„Es gibt eine bestimmte Art von Akkorden, die sogenannten Barré-Akkorde“, erklärt der 53-Jährige. „Barré bedeutet übersetzt ‚verriegelt‘, dabei muss man einen Finger über alle sechs Saiten legen und mit den übrigen den Akkord greifen.“ An diesem Punkt sei die Abbrecherrate bei Schülern am höchsten. „Diese Griffe sind echt schwierig zu spielen“, weiß Ganther. „Das Problem ist nicht nur die fehlende Kraft in der Hand eines Anfängers, sondern auch die kleinen Falten im Finger.“ Wenn auf Höhe eines Fingergelenks eine Saite hindurchrutsche, erzeuge sie ein unangenehmes Schepper-Geräusch. „Ein Barré-Akkord ist immer eine potenzielle Fehlerquelle.“ Obwohl er selbst nun schon seit 40 Jahren Gitarre spielt, kann Ganther sich noch gut daran erinnern, wie schwierig es für ihn am Anfang war, diese Akkorde zu meistern.

Dass es seinen Schülern genauso geht, kann er Tag für Tag beobachten. „Irgendwann fragte mich einmal eine Schülerin: Mensch, gibt es denn nichts, was man sich da über den Finger ziehen kann?“ Ganthers Inspiration war sofort geweckt. „Ich habe zu ihr gesagt: Noch nicht!“

Ab diesem Zeitpunkt begann der Lehrer darüber nachzudenken, wie man das verbreitete Griff-Problem lösen könnte. Fünf Jahre hat es gedauert, bis die Idee zum fertigen Produkt geworden ist. Das Resultat heißt „EasyGripIt“ (Auf Deutsch ungefähr: „Greif es einfach“). „Das gibt es in zwei Größen, einmal für Kinder oder Menschen mit schlankeren Fingern, und einmal für Menschen mit größeren Händen.“ Das Stoffröhrchen, das man sich beim Spielen über den Zeigefinger zieht, bestehe aus dem Material, aus dem üblicherweise Stützstrümpfe gefertigt werden. „Der Stoff ist so beschaffen, dass er nicht ausleiert.“ Ein hauchdünner Echtleder-Besatz verstärke zudem die Griff-Festigkeit und verhindere, dass die Saiten durch Falten in den Fingern rutschten.

„Die Beweglichkeit wird beim Spielen nicht eingeschränkt – denn in einem Song kommen ja nicht ausschließlich Barré-Akkorde vor.“ Durch die Dehnbarkeit des Stoffes könne man den Finger nach wie vor ganz normal biegen. „Weil man weniger Kraft aufbringen muss, beugt es auch der alten Gitarristenkrankheit vor, der Sehnenscheidenentzündung.“ Ein halbes Jahr lang habe er seine Schüler das Hilfsmittel testen lassen und sie regelmäßig um konstruktive Kritik gebeten. Zu seiner Freude habe er festgestellt, dass sie allesamt sehr angetan gewesen seien.

Das „EasyGripIt“ bekommt man im Musikhaus André, Frankfurter Straße 28, zu kaufen. Wer will, kann es auch bei Peter Ganther direkt bestellen.

Der Preis liegt bei 11,90 Euro pro Griffhilfe. „Wir haben uns dabei an dem Preis für einen Satz neuer Saiten orientiert“, so Ganther. Seine Wunschvorstellung ist es, dass, wer im Musikhaus seine erste Gitarre kauft, auch gleich seine Erfindung dazu mitnehmen kann. Denn keinem Gitarren-, Banjo- oder Ukulele-Schüler bleibt‘s erspart: Der erste Barré-Griff kommt früher oder später auf jeden Fall...

Infos: my-guitar-way.com/easygripit

VON MARIAN MEIDEL

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