Wieder aufgepäppelt

Nach Renovierung: Kulturwaggon freut sich über neue Mitstreiter

An der neuen Theke im Waggon warten Lars Röttger und Agnes Christ gespannt auf weitere vielfältige Veranstaltungen. Foto: SCHMIDT
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An der neuen Theke im Waggon warten Lars Röttger und Agnes Christ gespannt auf weitere vielfältige Veranstaltungen.

Seit mittlerweile fast zwölf Jahren steht der in gedecktem ochsenblutrot gestrichene Güterwaggon schon an seinem Platz auf dem Kulturgleis am Mainufer.

Offenbach –  Auf dem Kulturgleis bietet er Wochenende für Wochenende auf kleinstem Raum Kunst, Kultur und Gesellschaft– und das alles für den schmalen Geldbeutel und mit erstklassigem Blick auf den vorbeifließenden Main. Obwohl der aus dem Jahr 1957 stammende Eisenbahnwagen im Inneren gerade einmal 20 Quadratmesser misst, bietet er dennoch genügend Raum für die verschiedensten Veranstaltungsformate und Ideen. 

 Von der gemütlichen Jam-Session bei geöffneter Waggontür mit Blick auf das am Ufer vorbeiziehende Leben über ausgefallene Theaterstücke und Konzerte bis hin zum Tango-Kurs. Die Bandbreite an Veranstaltungen in den vergangenen Jahren scheint schier unendlich.

Offenbach: Ein Kulturzentrum im Miniaturformat

Und auch wenn man es dem alten Güterwaggon von Außen vielleicht nicht ansehen mag, so ist das vergangene Jahrzehnt dennoch nicht ganz spurlos an dem Kulturzentrum im Miniaturformat vorbeigegangen. Aus diesem Grund standen vor kurzem einige Renovierungsarbeiten an, wie Agnes Christ, Vorsitzende des Betreibervereins „Soziale Plastik“, erzählt. 

Innerhalb von nur zwei Wochen hätten viele ehrenamtliche Helferinnen und Helfer dazu beigetragen, dass der Waggon eine neue Theke und Bühne sowie eine Erneuerung der Elektrik bekommt. Insgesamt habe die Renovierung annähernd 4000 Euro gekostet, „wobei die unzähligen Arbeitsstunden der Ehrenamtlichen da nicht eingerechnet sind“, gibt Christ zu bedenken. Da der Waggon jedoch eine bleibende und wichtige Kulturinstitution der Stadt sei, gehöre dieser eben von Zeit zu Zeit „auch ein bisschen neugemacht“, begründet sie die Renovierung.

Am Wochenende stellt der am Mainufer gelegene Waggon einen beliebten Anlaufpunkt für Kunst und Kultur dar. Foto: POPA, popaphoto.de

Auch Vereinsmitglied Lars Röttger hat tatkräftig beim Umbau geholfen und dafür gesorgt, dass die neue Theke übersichtlich gestaltet ist und sich passegenau einfügt. Um fristgerecht innerhalb von zwei Wochen mit allem fertig zu werden, hat er dafür an manchen Tagen auch mal bis elf Uhr abends geschuftet. Doch da ihm der Waggon schlichtweg am Herzen liegt, ist dem manchmal auch als DJ tätigem Röttger das der Aufwand allemal wert gewesen. „Bei Partys ist das einfach eine unvergleichliche Atmosphäre, mit dem Blick aus der geöffneten Waggontür auf den Main“, schwärmt er.

Offenbach: In Kontakt mit der Außenwelt

Da es sich durch diese Öffnung zum Flussufer um keinen vollständig abgeschlossenen Raum handele, stünden sowohl Künstler als auch das Publikum stets im Kontakt mit der Außenwelt. Und obgleich es sich um einen sehr kleinen Veranstaltungsort handele, verfüge er dank des hölzernen Daches dennoch über eine angenehme Akustik. „Nur wenn man schon einmal hier gewesen ist, weiß man, was das Besondere an diesem Ort ist“, so sein Fazit.

Doch nicht nur die Umbauarbeiten an diesem besonderen Ort sind ehrenamtlich geleistet wurden, vielmehr beruht der gesamte Betrieb des Waggons auf freiwilligem und unbezahltem Engagement. Sinnbildlich dafür standen seit Beginn des Projektes wohl kaum jemand anderes als Georg Klein und Torsten Kauke. Mit bis zu 150 Veranstaltungen pro Jahr haben die beiden in den vergangenen Jahren viel Zeit und Herzblut in das Programm des Kulturwaggons gesteckt und standen dazu noch regelmäßig hinter der Theke, um Getränke zu verkaufen. Doch wie Christ berichtet, wollen sich die beiden fortan stärker auf andere Projekte konzentrieren und werden dementsprechend weniger Zeit als bisher in den Waggon stecken können.

Offenbach: Eine Einladung an alle Kulturinteressierten

Daher stellt der Umbau gleichzeitig auch eine Einladung an alle Kulturinteressierten dar, sich zukünftig mit in die alltägliche Arbeit einzubringen. Denn nach wie vor gelte das Prinzip, dass jede Person sich in die Gestaltung dessen, was in und um den Waggon herum passiert, einbringen könne. Dabei sollte man sich jedoch nicht von der Größe in die Irre führen lassen. 

Denn wie Christ betont, „unterscheidet sich unsere Arbeit nicht sonderlich von der in anderen Kulturzentren“. Und da ein Kulturzentrum insbesondere vom Einfallsreichtum aller am Projekt Beteiligten lebt, zeigen sich Christ und Röttger zuversichtlich, dass es auch weiterhin möglichst viele und vielfältige Veranstaltungen im Waggon geben wird.

VON JOEL SCHMIDT

Kunst, Kulinarik, Musik und Performance gehörten zum Programm der Nacht der Museen, die in Frankfurt und Offenbach rund 35.000 Besucher anlockte.

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