Mieterhöhungen in der Carl-Ulrich-Siedlung

„Wir halten es für anständig“

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In der Carl-Ulrich-Siedlung sollen die Mieten steigen. Zu teuer, finden Mieter. Angemessen, findet die Nassauische Heimstätte.  

Offenbach - Mieter kennen es, dieses diffuse Gefühl, wenn sie ein Schreiben des Vermieters im Briefkasten vorfinden. Bedeutet es doch meist nichts Gutes – Nachzahlungen etwa oder eine Mieterhöhung. Von Veronika Schade 

So erging es dieser Tage auch Mietern der Nassauischen Heimstätte (NH) in der Carl-Ulrich-Siedlung. Knapp 15 Prozent mehr Miete verlangt Hessens größte soziale Wohnungsbaugesellschaft ab April dieses Jahres von ihnen. Für die meisten Mieter der kleinflächigen Wohnungen sind das bis zu 43 Euro im Monat – keine unerhebliche Summe für Menschen mit geringem Einkommen. Deshalb wandte sich ein Bewohner der Sudetenstraße an die Redaktion sowie den Mieterbund Offenbach.

Von dort erhält er Rückendeckung. „Das Problem ist nicht die Erhöhung um 15 Prozent“, stellt Geschäftsführer Detlev Dieckhöfer klar. Dieser Rahmen sei „gerade noch so zulässig“, viele Vermieter würden ihre Einnahmen entsprechend erhöhen. Es gehe vielmehr darum, dass der neue Quadratmeterpreis bei 6,79 Euro liege – klar über der nach dem Offenbacher Mietspiegel ortsüblichen Miete. „Der Mittelwert beträgt dort 5,95 Euro pro Quadratmeter.“ Es handele sich um keine gute Wohnlage.

Keine Sanierung seit 14 Jahren

Da die letzte Sanierung bereits 14 Jahre zurückliege und die NH keine ersichtlichen Gründe für ihr „Mieterhöhungsverlangen“ angegeben habe, werde lediglich der Erhöhung auf besagten Mittelwert zugestimmt. „Die NH will als soziale Wohnungsbaugesellschaft mehr rausschlagen, als vernünftig, normal und anständig ist“, kritisiert Dieckhöfer. In der NH-Zentrale in Frankfurt sieht man das freilich anders. „Der Offenbacher Mietspiegel weist für die Lage und das Baujahr eine Spanne von 4,30 bis 7,70 Euro pro Quadratmeter aus, die Mieterhöhung liegt also noch deutlich unter der zulässigen Grenze“, sagt Pressesprecher Jens Duffner. Zudem handele es sich bei der Carl-Ulrich-Siedlung nicht um Sozialwohnungen, sondern um freifinanzierten Wohnraum.

Die Häuser seien 2001 für rund 30 Millionen Euro aufwändig saniert worden – unter anderem gibt es zusätzlich angebrachte Personenaufzüge, Zentralheizung und moderne Bäder. „Es ist eine beliebte Wohnsiedlung in einem Top-Zustand“, so Duffner. Die Miete von 6,79 Euro sei „mehr als angemessen“. Mit einem durchschnittlichen Mietpreis von 5,38 Euro pro Quadratmeter in Stadt und Kreis Offenbach zähle die NH zu den Wohnungsunternehmen, die preiswerten Wohnraum für eine breite Bevölkerungsschicht anbiete. „Alleine 2015 werden wir wieder rund fünf Millionen Euro in unsere Offenbacher Bestände investieren“, sagt der Pressesprecher. Konkrete Mieterhöhungen seien in Offenbach zunächst nicht vorgesehen, für die Zukunft jedoch nicht ausgeschlossen. „Wir halten das allerdings für sehr anständig“, hält er Dieckhöfer entgegen.

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