Lagerplatz statt Baggerbiss

Neubau der Fröbelschule verzögert sich weiter

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Von Bauarbeiten für die Fröbelschule nichts zu sehen: Auf dem Gelände an der Mühlheimer Straße lagern zentnerweise Steine für den Bushaltestellen-Umbau.

Bildung sei das große Thema der Zeit, allein für die hiesigen Schulen investiere Offenbach Millionen, wird Bürgermeister und Kämmerer Peter Freier (CDU) nicht müde zu wiederholen.

Offenbach – Während einige Neu- oder Erweiterungsbauten von Schulen gut vorankommen, klemmt es bei einem Projekt offenkundig gewaltig: Von einem Start für den dringend benötigten Fröbelschulen-Neubau ist noch immer nichts zu sehen.

Laut Zeitplan der Stadt sollten seit August dort die Bagger rollen und das Gebäude mit integriertem Schwimmbad hochziehen. Doch immer noch dient das Areal an der Mühlheimer Straße als Materiallager: Zentnerweise stapeln sich dort etwa Steine für den barrierefreien Umbau von Bushaltestellen.

Anwohner berichten, dass dort vor Monaten die Gleise für S-Bahn-Arbeiten auf Betonschwellen montiert wurden. „Inzwischen sieht man da nur noch die Platten für die Bushaltestellen“, sagt ein Anwohner, der lieber anonym bleiben möchte. „Vor ein paar Jahren hieß es, auf dem Gelände könnten noch Bombenreste aus dem Zweiten Weltkrieg verborgen sein – da kann man doch so was nicht darauf unterbringen.“ Wegen damals ausstehender Kampfmittelsondierungen hatte das Regierungspräsidium im September 2015 die Ausweisung des Geländes als Zeltstadt für Asylsuchende gestoppt. Das Land wollte dort ein Ausweichquartier für das Erstaufnahmelager in Gießen vorhalten.

Fröbelschule in Offenbach: „Eigentlich müsste das Gelände ja längst freigeräumt sein“

„Eigentlich müsste das Gelände ja längst freigeräumt sein“, sagt Heike Habermann süffisant. Die SPD-Stadtverordnete fragt regelmäßig beim Magistrat nach, wann denn der Neubau der Fröbelschule beginne. Während Kämmerer Freier noch im Juni versprach, dass das Gelände „bald“ geräumt sei und die Arbeiten folglich beginnen könnten, hat er in der jüngsten Parlamentssitzung betont, es werde „zeitnah“ geräumt. Am Eröffnungstermin, dem Schuljahr 2020/21, hält Freier fest. Er werde sich in den entsprechenden Ausschüssen den Fragen der Stadtverordneten stellen und über das Vorhaben informieren, versprach er im Rathaus.

Allerdings wird’s für den anvisierten Termin knapp. Laut Habermann muss nämlich, noch ehe die Bauarbeiten starten können, das Parlament dem Projektvertrag mit der Gemeinnützigen Baugesellschaft (GBO) zustimmen – in diesem Jahr gibt es nur noch am 19. Dezember eine Sitzung. Dass selbst im Falle einer Abstimmung direkt in der Weihnachtswoche die Arbeiten an der Mühlheimer Straße losgehen, ist kaum glaubhaft. „Es kann zudem sein, dass der Projektvertrag noch vom Regierungspräsidium genehmigt werden muss“, gibt Habermann zu bedenken, „doch dazu gab es vom Magistrat bisher keine Auskunft.“

24,5-Millionen-Euro-Projekt Fröbelschule

Die Tansania-Koalition hatte 2016 beschlossen, dass die GBO für den Neubau zuständig sein soll und dies mit einem erheblichen Zeitvorteil fürs 24,5-Millionen-Euro-Projekt begründet: Die städtische Gesellschaft könne den Bau in 24 statt 36 Monaten erledigen. Für den ursprünglichen Zeitplan hätte aber spätestens im August dieses Jahres mit dem Bau begonnen werden müssen. „Gut sechs Monate des Zeitvorteils sind also schon dahin“, sagt Habermann.

Zudem gibt es seit Monaten widersprüchliche Aussagen über den Bau: Zu Jahresbeginn erklärte Freier, dass die Schule in Holzmodulbauweise errichtet werde; einige Monate darauf hieß es seitens der GBO, ein konventioneller Bau mit Klinkerfassade und Holzdach sei geplant. „Der aktuelle Stand wurde nicht im Stadtparlament kommuniziert“, sagt Habermann. Der Siegerentwurf des Planungswettbewerbs von 2017 sieht auf 10 000 Quadratmetern einen Schulbau mit 18 Klassenräumen, Cafeteria, Bewegungsraum und Lehrschwimmbecken vor.

Fröbelschule: Offenbach will aktualisierten Zeitplan vorlegen

Im Laufe dieser Woche, so heißt es von der Stadt, will die Kämmerei einen aktualisierten Zeitplan vorlegen. Dann wird sich zeigen, wann das Gelände geräumt wird. Sollte es erst nach Ende des Haltestellenumbaus so weit sein, ist der ursprüngliche Zeitvorteil vollends Geschichte: Erst Mitte 2020 sollen die letzten Bussteige barrierefrei gestaltet sein.

VON FRANK SOMMER

Bildung, Bildung und nochmals Bildung: Wie kaum zuvor investiert die Stadt in Schulen und Kitas. Aus dieser Nummer kommt Offenbach nicht raus – trotz des klammen Finanzsäckels, den selbst die Erhöhung der Grundsteuer B nicht auffüllen kann.

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