Höchste Zeit zum Handeln

Altenplan: Nachholbedarf bei Unterstützung für Senioren

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Auf dem Gelände der AWO im Hainbachtal gibt es ein vielfältiges Angebot für Senioren. Allerdings nutzen nach Ansicht der Stadt zu wenig ältere Menschen die Teilhabemöglichkeiten. Der nun vorgestellte Bedarfsplan schlägt vor, dass mit einer Koordinierungsstelle besser über alle Angebote in Offenbach informiert wird.

Offenbach - Offenbachs Bevölkerung wird ständig älter. Das hat nun auch die Stadt erkannt und den „Bedarfsplan für ältere Menschen in Offenbach“ aus dem Jahr 2003 fortgeschrieben. Von Steffen Müller 

Schwerpunkte sind die Themen „Versorgung älterer Menschen mit Behinderung“ und „Wohnen und Stadtgestaltung für Ältere.“
Rund 21.700 Menschen in Offenbach sind älter als 64 Jahre. Damit stieg der Anteil dieser Altersgruppe an der Gesamtbevölkerung zwischen 2000 und 2016 um 16 Prozent. Nun hat die Stadt die Notwendigkeit erkannt, die Situation der älteren Generation in Offenbach grundlegend zu analysieren und Maßnahmen gegen Armut, Isolation und Hilflosigkeit im Alter erarbeitet.

„Der Altenplan ist nicht nur ein theoretisches Werk, sondern ein kurzfristiger und mittelfristiger Maßnahmenkatalog“, sagt Sozialdezernent Peter Schneider bei der Vorstellung des 115 Seiten langen Berichts, der auch über umfangreiche statistische Daten verfügt. Für die Kommunale Altenplanerin Heide Weinrich war es höchste Zeit, dass der Altenplan von 2003 fortgeschrieben wurde. Der erste Bedarfsplan wurde 2009 lediglich um ein Konzept erweitert, das an die veränderte städtische Haushaltssituation angepasst wurde. „Es muss etwas getan werden“, sagt Weinrich mit Blick auf die Situation der Älteren.

Als Beispiel nennt sie die sozialen Teilhabemöglichkeiten für Senioren. Es gebe zwar genügend Angebote in der Stadt, besonders lobte Weinrich hier die AWO mit ihren vielfältigen Möglichkeiten auch für ältere Menschen mit Behinderung, doch werden diese zu wenig angenommen. Nur vier Prozent der Offenbacher über 65 Jahren nutzen die Angebote der offenen Seniorenarbeit.

Gerade wenn die Altersarmut steigt – was in Offenbach der Fall ist – sei es wichtig, so Weinrich, dass Senioren niedrigschwellige Angebote zur gesellschaftlichen Teilhabe und Gesundheitsförderung nutzten. „Hier erzielen die eingesetzten Haushaltsmittel offensichtlich nicht die angestrebte Wirkung“, heißt es im Altenplan.

Weinrich hat sich als Ziel gesetzt, dass in Zukunft zehn Prozent der Generation 65 Plus Angebote wie beispielsweise Café-Treffs oder Spielenachmittage besuchen. Als notwendige Maßnahmen fordert der Bericht eine zentrale Koordinierungsstelle für die offene Seniorenarbeit, um die Angebote zu vernetzen, koordinieren und bedarfsorientiert zu entwickeln. Ergänzend dazu werden eine zentrale Info- und Beratungsstelle sowie das Angebot zusätzlicher Informationsveranstaltungen genannt.

Sämtliche Maßnahmen, die im Bedarfsbericht festgehalten sind, wurden in gemeinsamen Workshops beschlossen, an denen die Stadt, Seniorenrat, Altenplaner und die beteiligten Institutionen teilnahmen. Auf Grundlage des Plans wird der Magistrat nun einige Maßnahmen priorisieren und der Stadtverordnetenversammlung zur Umsetzung vorschlagen.

Ein Fenster zur Welt für Senioren

Weitere wichtige Vorhaben aus dem Bedarfsplan betreffen die Unterstützung von Senioren mit Behinderung. „Hier besteht eindeutig Nachholbedarf“, sagt Heidi Weinrich. Bisher gebe es kein Konzept, wie älteren Menschen mit Handicap unterstützt werden können. „76 Prozent der Schwerbehinderten in Offenbach sind über 54 Jahre alt“, berichtet Weinrich und warnt. „Diese Menschen kommen demnächst ins Rentenalter, aber es fehlt an Strukturen.“ Es gelte einen geregelten Tagesablauf zu schaffen, wenn beispielsweise nicht mehr in einer Behindertenwerkstatt gearbeitet wird. Erschwerend hinzukomme, dass Menschen mit Behinderung besonders von Altersarmut bedroht sind.

Außerdem müsse die Versorgung geklärt werden, wenn die Eltern sterben, was ein weiteres Problem offenbart: den Mangel an Krankenpflegern. Nach derzeitigen Berechnungen fehlen deutschlandweit im Jahr 2030 etwa 78 Prozent der pflegenden Fachkräfte.

Um der Altersarmut entgegenzuwirken, fordert der Bedarfsplan mehr geförderte barrierefreie Wohnungen. Darüber hinaus sollen ältere Menschen – egal ob mit oder ohne Behinderung – entlohnte oder auch ehrenamtliche Beschäftigungsmöglichkeiten bekommen und es sollen mehr kostenlose Hilfeangebote geschaffen werden.

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