Entwicklungsplan sieht Bedarf

Neue Kitas braucht die Stadt

Offenbach - In Offenbach leben immer mehr Kinder. Was einerseits erfreulich ist, stellt zugleich eine große Herausforderung an die Stadt dar: Sie muss dem steigenden Bedarf an Betreuungsplätzen gerecht werden. Von Veronika Schade 

Der Eigenbetrieb Kindertagesstätten Offenbach (EKO) stellte gestern den Entwicklungsplan für Kitas vor und verabschiedete zugleich den langjährigen Jugendamtsleiter Hermann Dorenburg in den Ruhestand. Seine Nachfolge übernimmt Claudia Kaufmann-Reis.

Offenbach wächst. Schon jetzt hat die Stadt durch steigende Geburtenraten und Zuzug 136.000 Einwohner. „Das war so vor zehn Jahren noch nicht zu prognostizieren“, sagt Erziehungsdezernent Paul Gerhard-Weiß. Damit steigt der Bedarf an Betreuungsplätzen für die jüngsten Einwohner rasant. Um entsprechend planen und handeln zu können, hat die Stadt nun einen Entwicklungsplan für Kindertagesstätten bis zum Jahr 2023 vorgelegt. Er errechnet sich aus Werten der Bevölkerungsentwicklung der vergangenen fünf Jahre und den erwarteten Zahlen, etwa durch Zuzug in Neubaugebiete. Und macht klar: Ohne neue Einrichtungen geht es nicht. Mehr als 1400 Krippen- und Kitaplätze werden benötigt (dazu Infokasten). Und das am besten so schnell wie möglich. Ginge man von einer Kapazität von 100 bis 150 Plätzen pro Einrichtung aus, müssten in den nächsten fünf Jahren etwa zehn Kitas gebaut werden.

Das stellt die Stadt vor immense Herausforderungen. Geeignete Grundstücke und Immobilien müssen gefunden, mögliche Träger mit ins Boot geholt werden. Doch jeder neue Platz bedeutet erhebliche Mehraufwendungen für die Stadt. Um rund 20,7 Millionen Euro sollen sich den Berechnungen nach die laufenden Kosten erhöhen: Im laufenden Jahr betragen die städtischen Ausgaben für Kindergärten, Hort und Krippe rund 51,3 Millionen, für 2023 werden fast 72 Millionen Euro erwartet.

„Wir wollen die Möglichkeiten des Baugesetzbuches ausschöpfen, von vornherein nicht nur Baugebiete, sondern ihre Infrastruktur mitzuplanen“, sagt Bürgermeister und Jugendamts-Dezernent Peter Schneider. Damit müssten sich Investoren in Neubaugebieten eben auch am Bau der Infrastruktur beteiligen, wie etwa Kindergärten. So vorgesehenen beispielsweise am Güterbahnhof, im Goethequartier und dem Kappusgelände. „Doch ohne Unterstützung durch das Land Hessen wird es nicht gehen. Die Stadt ist auf Hilfe von außen angewiesen“, so Schneider und Weiß.

Klagen auf den Kita-Platz - aber wie?

Neben der Finanzierung stellt die Ausbildung und Beschaffung des Fachpersonals die größte Schwierigkeit dar. Der Erziehermarkt ist leergefegt – ein Umstand, den die Stadt schmerzhaft spürt. So kann die erst im vergangenen Jahr eröffnete Hafenkita nicht mit voller Kapazität arbeiten, weil noch Stellen offen sind. Der EKO versucht gegenzusteuern, etwa mit einer berufsbegleitenden Ausbildung in Zusammenarbeit mit der Käthe-Kollwitz-Schule und einer Erhöhung der Anzahl der Berufspraktikantenplätze in seinen Einrichtungen. Zusätzlich will er mit „weichen Faktoren“ punkten, wie Hilfe bei der Wohnungssuche und Fortbildungen. „Unser gutes Betriebsklima spricht sich rum“, sagt die künftige Amtsleiterin Claudia Kaufmann-Reis. Dennoch bereite ihr große Sorgen, wie die Stellen künftig zu besetzen sind. Noch in diesem Jahr soll eine große Einrichtung mit allen drei Betreuungsformen im Senefelderquartier eröffnen – Personalsituation ungewiss.

Ein Umstand, der auch Hermann Dorenburg Kopfzerbrechen bereitet. Der Jugendamtsleiter, seit 1996 auch Betriebsleiter des EKO und prägende Figur der Offenbacher Kinder- und Jugendarbeit, verabschiedet sich heute nach fast 38 Jahren in den Ruhestand. Der Fachkräftemangel sei auch in seinem Amt spürbar, so sei die Erziehungsberatungsstelle seit zwei Jahren ohne Leitung. Unsere Zeitung wird in einem gesonderten Artikel auf sein Wirken zurückblicken.

Seine Nachfolgerin wird Claudia Kaufmann-Reis, die bereits seit zwölf Jahren als seine Stellvertreterin eng mit ihm zusammenarbeitet. Wie bei Dorenburg begann ihre berufliche Laufbahn in den 1980ern als Sozialarbeiterin im Lohwald. Auch ihr Ruhestand naht: „Ich habe diese Position nur noch für zwei Jahre, aber ich freue mich sehr darauf.“ So sei der Bruch für die 27 Mitarbeiter nicht zu groß, zumal sich derzeit ein Generationenwechsel im Jugendamt vollziehe, sowohl bei Sozialarbeitern wie auch in der Leitung. Als Stellvertreter wird ihr Roberto Priore eng zur Seite stehen, seit zehn Jahren in Offenbach, zuletzt als Leiter der Abteilung Kinder- und Jugendarbeit.

Rubriklistenbild: © dpa

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