Erinnerungen an Seifenhersteller

Wohnquartier „Kappus-Höfe“: Tradition nicht nur im Namen

+
Als Überraschung enthüllten die Geschäftsführer des Seifenherstellers, Wolfgang Kappus und seine Tochter Patricia Kappus-Becker, eine Bronzetafel mit der Geschichte des Familienunternehmens.

Offenbach -  Eines der größten Wohnbauprojekte in Offenbach hat einen symbolisch wichtigen Schritt gemacht: Gestern wurde der Grundstein für die „Kappus-Höfe“ gelegt. Auf dem ehemaligen Gelände der Seifenfabrik entstehen 17 Mehrfamilienhäuser mit 311 Wohnungen. Von Steffen Müller

Und der Name ist nicht die einzige Würdigung für das traditionsreiche Familienunternehmen. 168 Jahre lang prägte südlich der Frankfurter Straße ein unverkennbarer Geruch das Viertel zwischen Ludwig- und Luisenstraße: Der Duft von Seifen der Firma Kappus. Mittlerweile hat sich das angenehme Aroma verzogen, das traditionsreiche Familienunternehmen hat den seit 1848 genutzten Standort verlassen, die Firma produziert seit 2016 in Bieber-Waldhof. Seitdem riecht es im West-end nicht mehr nach Avocado-Öl, Lavendel, Kokos oder Mango. Wer jetzt tief einatmet, hat den Geruch von Bauschutt und ausgehobener Erde in der Nase. Denn von den alten Fabrikmauern ist nichts mehr übrig. Stattdessen ist eine riesige Baustelle zu erkennen, auf der bis 2022 ein großes neues Wohngebiet entstehen soll, das bis zu 800 Menschen Platz bietet.

Doch auch wenn die Firma nicht mehr vor Ort ist, weht ihr Geist weiter durch das Quartier. Dafür hat das verantwortliche Architekturbüro Hilmar Sattler Architekten gesorgt, das dem Projekt den offiziellen Namen „Kappus-Höfe“ gegeben hat. „Wir wollen die Tradition wahren“, sagt Geschäftsführer Thomas Albrecht. Und allein beim Namen wird es nicht bleiben. In einem der drei Innenhöfe, die in dem Quartier entstehen, wird eine alte Maschine aus der Kappus-Produktionsstätte aufgestellt, auf Infotafeln wird die Geschichte des Seifenherstellers erzählt.

Wie es sich gehört, wurde bei der Grundsteinlegung für die „Kappus-Höfe“ der Bauplan in einer Zeitkapsel verschlossen, die Architekt Thomas Albrecht im Beisein von Baudezernent Paul-Gerhard Weiß versenkte.

Einen, den das besonders freut, ist der ehemalige Oberbürgermeister Horst Schneider, der 2014 die ersten Gespräche mit dem deutsch-niederländischen Investor Kondor Wessels über das Projekt führte. „Der Name Kappus lebt in der Stadtgeschichte weiter“, sagte der Ex-OB bei der gestrigen Grundsteinlegung und würdigte in seiner Rede Dr. Wolfgang Kappus, der das Familienunternehmen in vierter Generation führt und die Geschäfte mittlerweile gemeinsam mit seiner Tochter Patricia Kappus-Becker leitet. In Anerkennung der Leistungen für die Stadt enthüllten Vater und Tochter Kappus eine Bronzetafel, auf der die Geschichte des Werks chronologisch aufgeführt ist.

Natürlich sei Wehmut dabei gewesen, sagt der Chef über den Abriss seiner alten Firmengebäude. Besonders schlimm war es, als er Zeuge wurde, wie ein Bagger das Dach seines Elternhauses anpackte. Dass der Verkauf finanzielle Gründe gehabt habe, um das in Liquiditätsprobleme gekommene Unternehmen zu retten, verneint der Geschäftsführer. Der Umzug nach Waldhof war ein Nullsummenspiel, versicherte Wolfgang Kappus unserer Zeitung, als bekannt wurde, dass das Unternehmen eine „Insolvenz in Eigenverwaltung“ anmelden musste, um sich zu sanieren.

Holz- oder Steinhaus - Wo liegen die Stärken?

Was Investor Kondor Wessels für das Grundstück gezahlt hat, ist nicht bekannt, öffentlich ist nur, dass der Baukonzern 81 Millionen Euro in das Vorhaben steckt. Das sieht vor, dass auf einer Fläche von 25 900 Quadratmetern 17 Mehrfamilienhäuser mit 311 Ein- bis Fünf-Zimmerwohnungen entstehen. 55 Prozent davon werden vermietet, 45 Prozent sind als Eigentumswohnungen vorgesehen. Der Kaufpreise für die Wohnungen liegt zwischen 3200 und 4000 Euro pro Quadratmeter, die Mieten bewegen sich zwischen zehn und zwölf Euro. Erste Käuferin ist die städtische Wohnungsbaugesellschaft GBO, die in den „Kappus-Höfen“ Sozialwohnungen vermieten wird. Bei den geförderten Wohnungen soll die Miete zwischen sechs und 8,90 Euro betragen.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare