Neuer Bürgerservice kommt an

Beschwerden per Mausklick werden beliebter

Offenbach - Die Laterne leuchtet nicht, Müll liegt herum, Geräte auf dem Spielplatz sind defekt: In vielen Städten können Bürger Mängel per PC oder Handy an ihre Verwaltung melden. Der Zahl der Beschwerden steigt. Für Ärger sorgen vor allem Dreck und Straßenschäden. Von Peter Schulte-Holtey

„Da ist was!“, „Mängelmelder“ oder „Die Saubermacher“ heißen die Hotlines und Applikationen. Und sie werden in immer mehr Städten in Rhein-Main für besseren Bürgerservice genutzt. So steigt die Zahl der Ärger-Einträge bei den bundesweit mehr als 40 Kommunen rasant an, die bei der Darmstädter Firma „Wer denkt was?“ registriert sind. Von deren Plattform Mängelmelder.de werden die Beschwerden an die Stadtverwaltungen weitergegeben. In Frankfurt nahmen sie 2017 um 73 Prozent gegenüber 2016 zu. Bundesweit gilt: Fast 40 Prozent aller Meldungen gehen in der Kategorie „illegaler Müll“ ein, gefolgt von Ärger über Straßenschäden und Verkehrsschilder. Auffallend in der Auswertung: Zu den Städten, die besonders schnell auf Bürgerbeschwerden reagieren, gehört Mühlheim. Von Mängelmelder.de bekam die Stadt den Titel „Saubermacher-Stadt 2017“. Der Grund: die Problemlösungsquote von mehr als 60 Prozent.

Tatsächlich macht der Bürgerservice fast überall in Rhein-Main Schule: So können Offenbacher mit der Mängelmelder-App direkt vor Ort per Bild und mit Geo-Daten informieren und erreichen – nach Angaben der Stadt – immer gleich die richtige Abteilung. Wer kein Smartphone nutzt, kann auch am PC unter offenbach.de/maengelmelder Eingaben machen.

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Beispiel Münster: Seit einem Jahr können Bürger den digitalen „Kümmerkasten“ nutzen (muenster-hessen.de). Das Ganze funktioniert auch von unterwegs: Dafür gibt es die kostenlose Smartphone-App „AEM“ – die Abkürzung steht für Anregungs- und Ereignismanagement – , verfügbar für iPhones und Android-Geräte. Auf einer digitalen Karte kann der genaue Ort markiert werden.

In Langen macht der sogenannte Bürgermelder auf der städtischen Homepage Angebote, Mängel online an die zuständigen Stellen zu senden. Er ist auch über die Stella-App zugänglich; sie gilt für Langen und Egelsbach gleichermaßen.

Auch in Maintal kann man Beschwerden über ein Formular des AEM melden. In Dietzenbach gibt’s via Internetseite der Stadt (mit entsprechenden Verweisen) die Möglichkeit, Dampf abzulassen. Der Mängelmelder in Dreieich läuft nach Auskunft aus dem Rathaus sehr gut. Seit der Einführung 2016 wurden 2622 Hinweise registriert, in diesem Jahr bereits 700. Rückmeldungen von der Stadt gibt es in ein bis zwei Tagen.

SOS vom Smartphone: Das Mobiltelefon als Nothelfer

Manche Kommune reagiert dagegen eher im Bummelzug-Tempo auf den Trend zur Beschwerde per Mausklick. So verkündete Obertshausen, dass der Startschuss für die eigens auf die Bedürfnisse der Stadt angepasste Version von „Wer denkt was?“ nach einer Testphase im vierten Quartal dieses Jahre falle. Die Einführung hatte das Stadtparlament allerdings bereits im Mai vergangenen Jahres beschlossen.

Auch Hanau hinkt hinterher. Ein zentrales Beschwerdemanagement gibt es noch nicht. Bisher können Anliegen lediglich per E-Mail oder telefonisch direkt bei den betroffenen Ämtern, Eigenbetrieben oder städtischen Unternehmungen vorgebracht werden. Allerdings arbeitet die Stadt laut eigenen Angaben derzeit an einem digitalen Bürgerportal, das im ersten Halbjahr 2019 ans Netz gehen soll. Dann soll es auch eine digitale Anlaufstelle für Beschwerden von Bürgern geben, die dann an die jeweils zuständigen Stellen weitergeleitet und abgearbeitet werden.

Rubriklistenbild: © picture alliance / Sebastian Gol

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