Die Technischen Lehranstalten von 1902 bis 1933

Neues Buch zur Geschichte der Offenbacher Hochschule

Christian Welzbacher und Kai Vöckler (v.l.) haben für ihre Publikation viel Material gesichtet.
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Christian Welzbacher und Kai Vöckler (v.l.) haben für ihre Publikation viel Material gesichtet.

Das Bauhaus wird von Dessau touristisch stark vermarktet, schließlich zählt es zum Unesco-Welterbe. Doch was ist mit der Hochschule für Gestaltung (HfG) und deren Vorläufern in Offenbach? Obwohl die künstlerische Reformbewegung und die später in Dessau wirkenden Protagonisten ohne die Offenbacher „Technischen Lehranstalten“ nicht denkbar sind, ist die Bildungsstätte längst nicht so bekannt, wie sie es sein sollte.

Offenbach - HfG-Professor Kai Vöckler und Publizist Christian Welzbacher wollen dies mit ihrer jüngsten Veröffentlichung ändern: Beide haben sich als Herausgeber mit der Geschichte der Technischen Lehranstalten in der Zeit von 1902 bis 1933 beschäftigt – einer Zeit, die prägend war für viele Entwicklungen wie Jugendstil, Bauhaus oder das „Neue Frankfurt“. Mit Beiträgen sind im Buch neben Welzbacher unter anderem auch die Leiter der Offenbacher Museen oder Historikerin Christina Uslular-Thiele vertreten.

Der Anstoß für das Buchprojekt stammt von Holger Niedenthal, Vorsitzender der „Freunde der HfG“, die die Publikation auch finanziell unterstützt haben. Als sich Niedenthal mit dem katholischen Kirchenbaumeister Dominicus Böhm näher beschäftigte, fiel ihm auf, dass dieser immer als „kölscher Jung’“ in der Literatur auftaucht – obwohl er seine prägenden Jahre in Offenbach bei den Lehranstalten verbrachte. Nach einem Vortrag sprach Niedenthal Vöckler und Welzbacher darauf an, die Idee für das Buch war geboren.

Während manches andere Buchprojekt zu historischen Themen daran krankt, dass viele Quellen im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde, hatten es beide eher mit dem Gegenteil zu tun: Ihnen tat sich eine Fülle an Material auf. „Wir können deshalb nur schlaglichtartig einzelne Themen beleuchten“, sagt Welzbacher, „es würde sich sehr lohnen, bestimmte Punkte genauer zu erforschen.“

Etwa die Verbindung der Offenbacher Lehranstalten zur Darmstädter Mathildenhöhe – Großherzog Ernst Ludwig selbst förderte den Austausch zwischen den beiden Institutionen, berief Dozenten und gab Anregungen für die Entwicklung. Wer weiß schon, dass die Bronzefiguren des „Ludo-Mayer-Brunnens“ zuerst auf der Mathildenhöhe vor dem Hochzeitsturm ausgestellt wurden? „Doch darüber ist kaum etwas geschrieben worden, weil das Material bisher nie ausgewertet wurde“, sagt Vöckler. Das Großherzogtum Hessen habe mit Offenbach und Darmstadt damals im Mittelpunkt der künstlerischen Entwicklung gestanden.

Auch Hugo Eberhardts Einsatz für Kriegsversehrte im Berufsübungslazarett des Isenburger Schlosses, das Wirken Ludo Mayers für die Hochschule, der Austausch mit Wiener Künstlern oder die Zusammenarbeit der Bildungsstätte mit der Schriftgießerei Klingspor und anderen Unternehmen harrt noch der Auswertung und publizistischen Verbreitung. „Die Schüler der Lehranstalten waren auch am ‘Neuen Frankfurt’ Ernst Mays beteiligt, doch das ist in der Öffentlichkeit kaum bekannt“, sagt Welzbacher.

Sowohl HfG-Präsident Bernd Kracke wie Philipp Gutbrod, Leiter des Instituts Mathildenhöhe, wollen künftig den künstlerischen Austausch Offenbach-Darmstadt stärker betonen, Niedenthal hofft auf eine touristische Umsetzung zur Sichtbarmachung der HfG.

Auch für eine aktuelle Diskussion in der Stadtpolitik liefert das Buch Material: Schließlich war Hugo Eberhardt, über dessen Nachruhm in der Stadt kontrovers diskutiert wird, im vorgestellten Zeitraum Hauptakteur an der Hochschule. Er hoffe, dass durch die Publikation der Charakter Eberhardts neue Facetten für die Nachwelt erhalte, sagt Vöckler.

Das Buch „Die Technischen Lehranstalten Offenbach am Main 1902-1933. Eine Annäherung“, 256 Seiten, Avedition Stuttgart, ist für 29 Euro im Buchhandel erhältlich. Von Frank Sommer

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