„Keine guten Aussichten für die Branche"

Neues Gesetz könnte Situation für Fotostudios auch in Offenbach verschärfen

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Passfotos zählen zum Portfolio von Marko Kellers Studio bei Ring-Foto.

Fotostudios haben es zunehmend schwerer. Viele geben auf, auch in Offenbach. Ein neues Gesetz könnte ihre Situation jetzt zusätzlich verschärfen.

  • Viele Fotostudios haben es zunehmend schwerer, auch in Offenbach
  • Passbild-Stationen in Bürgerbüros sind harte Konkurrenz
  • Ein neuesGesetz könnte die Situation jetzt noch verschärfen

Offenbach – Um Fotofachgeschäfte ist es in den Innenstädten nicht mehr gut bestellt: Viele haben in den vergangenen Jahren aufgegeben, auch in Offenbach. Marko Keller von Ring-Foto in der Frankfurter Straße hält eisern die Stellung. Doch ausgerechnet die Stadt und die Bundespolitik machen ihm die Arbeit schwer.

Denn seit 2017 gibt es im städtischen Bürgerbüro zwei „Speed Capture Stations“, digitale Pass-Stationen, an denen die Fotos gleich mitgemacht werden. Dass so mancher Bürger, der ein Ausweisbild benötigt, es dann dort macht, auch wenn das Ergebnis weit entfernt von „vorteilhaft“ oder gar „schön“ ist, schlägt sich in fehlendem Umsatz bei Keller nieder. „Wir spüren schon, dass wir deutlich weniger Kunden für Passfotos haben, seit die Geräte aufgestellt wurden“, klagt er.

Offenbach: Bundesministerium will Passbilder Bürgerbüros überlassen

Und nun droht neues Unheil: Wie kürzlich bekannt wurde, plant das Bundesinnenministerium noch dieses Jahr ein Gesetzesvorhaben, nach dem Passbilder künftig ausschließlich in Bürgerbüros gemacht werden dürfen. Die Kommunen, die bisher schon durch die Selbstbedienungsterminals in Konkurrenz zur Privatwirtschaft traten, würden dieses Geschäftsfeld völlig vereinnahmen.

„Das sind keine guten Aussichten für die Branche“, sagt Keller. Schon als 2017 die beiden Terminals im Bürgerbüro aufgestellt wurden, suchte er das Gespräch mit der Stadt. „Ich war gemeinsam mit Matthias Wöhl, der da noch sein Foto-Geschäft hatte, und der City-Managerin im Bürgerbüro, um über Digitalübertragung von Bildern und Preise zu sprechen – aber wir sind da gegen eine Wand gelaufen“, erinnert er sich. Auch den damaligen Oberbürgermeister Horst Schneider hätten die Sorgen der städtischen Fotohändler nicht interessiert.

Offenbach: Fotostudios haben keine Chance im Preiskampf

„Gegen die Dumping-Preise im Bürgerbüro kommt kein Fotograf an“, sagt Keller. Sein damaliger Mitbewerber in der Frankfurter Straße hat inzwischen das Handtuch geworfen, Kellers Ring-Foto ist mit Ladengeschäft und Fotostudio im Obergeschoss das letzte Fachgeschäft der Branche in der Innenstadt. Mit 12,95 Euro für Passfotos ist Keller in der Region günstig. „Darunter ist es nicht mehr wirtschaftlich: Der Preis ist ja ein Mittelwert aus dem Aufwand für unkomplizierte und anspruchsvolle Kunden“, sagt er.

Als die Ausweis-Stationen aufgestellt wurden, setzte mancher der Branche noch Hoffnung auf die menschliche Eitelkeit. Denn für die Maschinen ist es gleich, ob die abgebildete Person vorteilhaft getroffen ist: Es zählt einzig die Erfüllung der Anforderungen für den Programmcode der biometrischen Gesichtserkennung. Ob das Gesicht gerötet, durch den Blitz völlig weiß ist oder ob tiefe Ringe unter den Augen zu sehen sind, zählt für die Maschine nicht. „Ein Fotograf achtet natürlich darauf, dass die Bilder vorteilhaft ausfallen“, sagt er. „Allerdings gibt es doch sehr viele Leute, die sagen, es sei ihnen egal, wie sie darauf aussehen, für sie zähle nur der Preis.“

Passbilder in Offenbach: Ganz ohne Profis geht es doch nicht

Dennoch, ganz ohne Profis ginge es auch trotz Selbstbedienungs-Terminals nicht, habe die Erfahrung gezeigt. „Bei Kleinkindern oder bei anspruchsvollen Kunden wird auf uns verwiesen“, sagt Keller. Denn auch Kleinkinder brauchen inzwischen schon biometrische Gesichtsbilder – und diese an einer der Stationen zu machen, ist schier unmöglich: Das Kind muss offene Augen haben, darf nicht weinen, das Gesicht darf nicht teilweise verdeckt sein und auch eine stützende Hand ist nicht gestattet.

 „Wenn das dann nur noch im Amt gemacht werden darf, frage ich mich, wie man das dort hinbekommen will“, sagt Keller. Auch bei Menschen mit geistiger Behinderung sei viel Fingerspitzengefühl notwendig, um die Bilder zu erstellen. Ob das im Bürgerbüro ohne Weiteres gehe, sei fraglich.

Der Verband von Ring-Foto, rund 1200 Händler gehören ihm an, hat sich schon an den Bundesinnenminister gewandt und vor der Vernichtung von tausenden Arbeitsplätzen gewarnt. Hoffnung macht Keller, dass sich auch manche Großstädte mit dem Vorhaben überfordert fühlen. So hat sich etwa Stuttgart schon positioniert und vor einer Überforderung der Bürgeramtsmitarbeiter durch die Erstellung von Passbildern im Amt gewarnt.

Offenbach: Keine Unterstützung aus der Politik

Keller selbst ist auch aktiv geworden und hat zu Jahresbeginn die Offenbacher Parteien und die hiesigen Bundestagsabgeordneten angeschrieben. „Björn Simon von der CDU hat sich bereits bei mir gemeldet und Verständnis signalisiert. Er versprach, die Angelegenheit in der Fraktion zu thematisieren.“

Die übrigen Parteien hätten noch nicht auf sein Schreiben reagiert. „Das passt aber auch ein wenig ins Bild, wie in Offenbach mit den Händlern in der Innenstadt umgegangen wird“, sagt Keller.

Froh macht ihn dafür die Rückmeldung von Kunden. „Ich fahre extra von Rodgau hierher, um Passbilder machen zu lassen“, sagt eine Kundin. Rodgau war 2016 die erste hessische Stadt, die eine Speed Capture Station angeschafft hatte – gegen den Protest der lokalen Fotografen. „Damit werden nur die örtlichen Händler kaputt gemacht, das darf man nicht unterstützen“, sagt sie.

Von Frank Sommer

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