Team ausgewechselt

Neues Konzept fürs Stadtarchiv: Offenbachs Gedächtnis entwickelt sich weiter

Das Team des Stadtarchivs: Manfred Kurt (Betreuung Lesesaal), die Archivare Stephanie Funk und Lukas Svatek-Storch und Medieninformations-Fachkraft Hans-Joachim Wichmann-Herzog (von links). Foto: Sommer
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Das Team des Stadtarchivs: Manfred Kurt (Betreuung Lesesaal), die Archivare Stephanie Funk und Lukas Svatek-Storch und Medieninformations-Fachkraft Hans-Joachim Wichmann-Herzog (von links). 

Ein modifiziertes Konzept soll das Stadtarchiv in Offenbach nutzerfreundlicher machen. Eine große Herausforderung: Die Digitalisierung. 

Offenbach – Als im vergangenen Jahr die langjährige Stadtarchivarin Anjali Pujari Offenbach in Richtung Wiesbaden verließ, stand das Gedächtnis der Stadt plötzlich ohne Leitung da – dank Fachkräftemangel dauerte es, die Stelle neu zu besetzen.  Doch kaum, dass sich zwei neue Archivare fanden, kam die Corona-Pandemie und das Archiv musste für Besucher geschlossen werden.

Inzwischen ist das Stadtarchiv wieder geöffnet – unter Auflagen. Beim Gang durch die Räume muss Mundschutz getragen werden, die Arbeitsplätze werden vor und nach der Nutzung desinfiziert. Und nur vier Personen dürfen gleichzeitig an den weit auseinandergestellten Tischen des Lesesaals sitzen. „Das ist schon eine Umstellung, aber wir sind froh, dass wir wieder geöffnet haben“, sagt Stephanie Funk. Mit Lukas Svatek-Storch teilt sie sich die Archivarsstelle. Während Svatek-Storch seit 1. Januar im Archiv arbeitet, trat Funk ihre Stelle zum 1. März an.

Überhaupt präsentiert sich das Team des Archivs neu aufgestellt: Da eine langjährige Mitarbeiterin im vergangenen Jahr ausschied, ist der seit Februar 2019 als Medieninformations-Fachmann beschäftigte Hans-Joachim Wichmann-Herzog nun der „dienstälteste“ Mitarbeiter. Seit 1. Februar ist Manfred Kurt für die Betreuung der Nutzer zuständig.

Wer nun glaubt, das Team hätte in den Wochen der Schließung Muße für gemächliches Einarbeiten, irrt. „Das Stadtarchiv wird gerade bei Fragen zur Rechtssicherheit seitens der Verwaltung oft hinzugezogen und diese Anfragen liefen natürlich weiter“, sagt Svatek-Storch. Dazu kamen noch die durchschnittlich 40 Anfragen im Monat von Bürgern. So erstellt Manfred Kurt etwa eine Kopie einer 23 Jahre alten Titelseite der Offenbach-Post. „Die wurde als Geburtstagsgeschenk angefragt – der Zeitungstitel des jeweiligen Geburtstages ist momentan ein beliebtes Präsent“, sagt er.

Ein großes Anliegen des neuen Archiv-Teams ist die Weiterentwicklung der Bestände und der Nutzerfreundlichkeit. „Wir sind momentan an einer Bestandsaufnahme unseres Angebots und daran, ein Zukunftskonzept zu schreiben.“

Eine Herausforderung stellen dabei aber - für sämtliche Archive - digitale Inhalte dar: Wie kann sichergestellt werden, dass etwa sich stets verändernde Datensätze oder rein digital veröffentlichte Inhalte noch in 50 oder 100 Jahren les- und nutzbar sind? Während ein Dokument aus dem 15. Jahrhundert ohne weiteres auch heute noch lesbar ist, gibt es für so manches digitale Dokument, das gerade einmal 20 Jahre alt ist, teils nicht einmal mehr Abspielgeräte oder die dafür nötigen Programme. „Momentan nehmen wir bei gleicher Qualität lieber analoge Dokumente statt digitaler – wir haben keine Möglichkeit, diese fachgerecht zu bearbeiten und zu archivieren“, so Funk.

„Wir müssen archivfähige Formate finden, die Erhalt und Lesbarkeit garantierten“, sagt Svatek-Storch. Allerdings könne dies nur mit anderen hessischen Archiven geschehen: Insellösungen, durch die jedes Archiv ein anderes System habe, seien nicht zielführend. „Und würden eine Stadt wie Offenbach auch finanziell überfordern“, sagt Funk. Beide setzen in diesem Fall auf die Zusammenarbeit der Kommunalarchive Hessens.

Auch jenseits der Fragestellung um digitale Archivalien ist die Digitalisierung ein großes Thema: So wurden erst kürzlich 226 wertvolle und äußerst zerbrechliche Glasplatten mit historischen Stadtansichten aus dem Ende des 19. Jahrhunderts digitalisiert. „Das war nur dank Förderung der Sparkasse und der Zusammenarbeit mit einem anderen Archiv möglich“, betont Funk. Besonders im audiovisuellen Bereich, etwa was Filme oder akustische Dokumente anbelangt, gebe es noch große Herausforderungen.

„Langfristig ist unser Ziel, dass die Nutzer schon von zuhause aus schauen können, was wir im Bestand haben – das macht die Nutzung einfacher, besonders für die Anfragen aus dem Ausland“, sagt Svatek-Storch.

Von Frank Sommer

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