Sieben Geschosse voller Sonderfälle

Neues Polizeipräsidium: Eindrücke von der Großbaustelle am Buchhügel

Eine imposante Erscheinung – und laut Bauunternehmen Goldbeck voll im Zeitplan. 
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Eine imposante Erscheinung – und laut Bauunternehmen Goldbeck voll im Zeitplan. 

Die Bauarbeiten am neuen Polizeipräsidium machen sichtbar Fortschritte: Die Kräne am Buchhügel sind weitgehend abmontiert, die Fassaden des gut 200 Meter langen Gebäudes wirken imposant. Sieben Geschosse sind es, davon zwei Untergeschosse.

Offenbach – Doch wie sieht’s im Inneren aus? Bei einem Ortstermin mit dem projektverantwortlichen Bauunternehmen Goldbeck begegnen wir zufällig Kriminalrat Michael Schäffler, Leiter der eigens gebildeten „Arbeitsgruppe Neubau“. Er gibt unserer Zeitung eine exklusive Führung durch die eindrucksvolle Großbaustelle.

Los geht’s in der Tiefgarage für Privatfahrzeuge. „Fast fertig“, konstatiert Schäffler. LED-Lampen sorgen bereits dafür, dass die weitläufige Garage durchweg hell erleuchtet ist. „Das hat damit zu tun, dass wir bei keinem Mitarbeiter das Gefühl erwecken wollen, es sei gefährlich hier unten.“ Das ist es natürlich auch nicht – zum Schutz der Polizisten und anderer Mitarbeiter gibt es etliche Sicherheitsmaßnahmen. Wie diese aussehen, will Schäffler aber nicht in der Zeitung lesen – um ihr weiteres Funktionieren zu gewährleisten. So viel sei jedoch verraten: Selbst gegen Stromausfälle ist das Präsidium gewappnet. „Wir sind notstromversorgt – mit zwei riesigen Schiffsdiesel, die in der Lage sind, ohne nachzutanken drei Tage lang Strom zu erzeugen.“

Ein Geschoss höher, im UG 1, stehen später die Dienstfahrzeuge. 2,80 Meter sind hier die Decken hoch. Auf dem Weg dorthin fällt auf, wie breit und geräumig das Treppenhaus ist. „Im ganzen Gebäude ist kein Flur schmaler als zwei Meter“, erklärt Schäffler, „in einer Festnahmesituation muss er breit genug sein, um nicht hintereinander gehen zu müssen.“ Das erzeuge im gesamten Gebäude eine gewisse Luftigkeit. Die Treppenhäuser werden später gefliest sein, an einigen Stellen ist das bereits zu sehen.

Kriminalrat Michael Schäffler hat das neue Polizeipräsidium bereits vor dem geistigen Auge. 

Auch eine Kindertagesstätte wird es, wie berichtet, in dem Neubau geben. 640 Quadratmeter misst deren Innenbereich, der Außenbereich hat etwa dieselben Dimensionen. Momentan überlassen die leeren Räume mit den kahlen Wänden das alles der Fantasie, aber sobald das Präsidium einmal in Betrieb ist, werden sich dort Gruppen- und Ruheräume sowie eine Küche befinden.

„Wir planen, hier Kinder von null bis sechs Jahren unterzubringen“, so Schäffler. In dem räumlichen Arrangement gibt es eine Besonderheit: Ausgerechnet auf der anderen Seite einer Ruheraum-Wand liegt die Spülanlage der Kantinen-küche. „Goldbeck hat mir versprochen, dass es die am besten gedämmte Wand im ganzen Gebäude ist“, sagt der Kriminalrat und fügt mit einem Augenzwinkern hinzu: „Nicht, dass die Kinder lauter sind als die Großspülanlage.“

Am Haupteingang lässt sich erahnen, wie das Foyer dereinst aussehen soll. „Wir werden hier einen offenen Empfangstresen verbauen lassen. Hier sitzt ein Mitarbeiter, der den Bürger empfängt und in Abhängigkeit seines Anliegens den entsprechenden Mitarbeiter herunter ruft, der ihn dann abholt.“ Durch eine „Personenvereinzelungsanlage“, wie es im Fachjargon heißt, gelangt man in die Hauptempfangshalle, einen eindrucksvollen Innenhof. „Der ist bei uns überdacht“, so Schäffler.

Was später einmal die Leitstelle wird, ist heute noch ein weitgehend leerer Raum.

Im ersten Stock dient eine Mehrzweckhalle der sportlichen Ertüchtigung, als Versammlungsort, Notaufnahmelager für Katastrophenfälle und darüber hinaus für Darbietungen jeglicher Art. Die Halle verfügt über eine Zuschauertribüne, die etwa 100 Menschen fasst. Besonderheiten weisen auch die Büros auf. Gut 15 Quadratmeter ist ein Einzelbüro groß, Steckdosen sind auf den ersten Blick nicht zu entdecken. „Wir haben einen sogenannten Bürstenleistenkanal verbaut“, verrät Schäffler. „Unter dem Boden ist die komplette Versorgung, also Steckdosen und Netzanschlüsse.“ Diese treten zutage, als der Kriminalrat ein in den Fußboden eingelassenes Fach aufklappt. Die Büros sind belüftet. „Alle Belüftungen haben einen Schallschützer. Das ist der Tatsache geschuldet, dass der Nachbar nicht verstehen soll, was ich hier mit meinem Beschuldigten in der Vernehmung bespreche.“

Wenn man durch die Flure geht, fallen rechteckige Einbuchtungen in den Wänden auf. Was es damit auf sich hat? „Da kommen Feuerlöscher rein. Unsere Vorgabe war, dass keine Gegenstände, die dich bei einer Flucht behindern können, in den Flur hineinragen dürfen.“ Auch ein zentraler Gewahrsamsbereich und die Leitstelle sind räumlich bereits rudimentär angelegt – und aktuell natürlich noch leer.

VON MARIAN MEIDEL

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