Ein Naturdenkmal muss jetzt fallen

Im Nordend hilft nur die Axt

+
Nicht mehr standsicher: Die Säuleneiche (Quercus robur ‚Fastigiata‘) im Garten der städtischen Kindertagesstätte Rödernstraße wird gefällt.

Offenbach – Trauer im Nordend, Aufatmen in Rumpenheim. So werden wohl die Reaktionen auf die jüngsten Untersuchungen an markanten, ortsprägenden Bäumen ausfallen.

Denn die Ergebnisse der Fachfirma lassen dem Umweltamt an einem sensiblen Standort keinen Spielraum: Die Säuleneiche im Garten der städtischen Kindertagesstätte Rödernstraße muss fallen. Das Naturdenkmal Nr. 1. 06 ist demnächst aus der bescheidenen Bestandsliste zu streichen.

Die Säuleneiche misst 21 Meter und hat einen Stammumfang von 4,70 Meter. Für die Kinder, Erzieher und Nachbarn ist sie sommers wie winters eine große Freude. Nach der regelmäßigen visuellen Kontrolle im Dezember empfahl der Gutachter aber eine „weitergehende Kronenuntersuchung“. Diese erfolgte noch vor Weihnachten und bestätigt den Verdacht: Die Holzzersetzung schreitet zu schnell voran. Es besteht an mehreren Stellen Bruchgefahr, der Baum muss gefällt werden.

Umweltamtsleiterin Heike Hollerbach sagt: „Der Baum ist schon länger unser Sorgenkind. Wir mussten ihn über die letzten Jahre deutlich einkürzen, das letzte Mal um fünf Meter. Dazu haben wir sechs Kronensicherungen einbauen lassen. Jetzt hat er die Baumbeurteilungsnote 5 bekommen, sehr schlechter Allgemeinzustand, gravierende Schäden/Mängel“. Ein weiterer Rückschnitt würde keine Sicherheit bringen, der Baum habe bereits jetzt mit den jüngsten Rückschnitten zu kämpfen hat und werde sich nicht mehr erholen.

Wie kommt das? Der Baum weist einen starken Pilzbefall auf – etwa den Eichenwirrling, der Braunfäule erzeugt. Er entwickelt sich, zuerst unentdeckt, im Kernholz und zersetzt es. Wenn man seine Fruchtkörper außen am Baum wahrnimmt, hat er sich bereits stark ausgebreitet. Auch der Zunderschwamm ist anzutreffen, der meistens auf älteren, geschwächten Bäumen zu finden ist. Ein weiteres gut sichtbares Zeichen, dass der Baum stark geschwächt ist, sind die inzwischen fünf Spechthöhlen, die in der Baumkrone zu finden sind. „Es besteht die Gefahr, dass der Baum auseinander bricht. Und das können wir an einem solchen Standort nicht verantworten. Deswegen folgen wir der Empfehlung des Gutachters und werden, wenn auch schweren Herzens, den Baum fällen lassen.“

Ökologisch sei es natürlich „ein großer Verlust“, aber die Sicherheit gehe vor. Der Naturschutzbeirat ist bereits unterrichtet. Es wird nun geprüft, ob ein Teil des Baumstamms auf eine öffentliche Fläche gelegt werden kann, beispielsweise in den Dreieichpark. Dazu die Umweltamtsleiterin: „Dies hätte einerseits symbolischen Wert, da der Baum für die BürgerInnen sichtbar wäre, er würde außerdem als Anschauungsobjekt der Umweltbildung dienen und der Stamm könnte als Heimat holzbewohnender Insekten noch eine ökologische Funktion erfüllen und etwas für den Artenschutz tun.“

Erzeugermärktchen im Nordend gestartet: Fotos

Entwarnung hingegen in Rumpenheim: Zwei Eichen, deren Standsicherheit im Oktober mittels Zugversuch ermittelt wurde, sind vorerst als sicher eingestuft. Gerade die Ortsbildprägende Stieleiche an der Schloßgartenstraße wurde sorgsam beobachtet, da ihre Höhlungen und der Pilzbefall deutlich sichtbar sind. Jetzt die amtliche Entwarnung: Der Baum ist stand- und bruchsicher, weitere Maßnahmen sind nicht notwendig. Der nächste Zugversuch an diesem Baum, der erst 2016 zu einem Naturdenkmal ernannt wurde, wird in vier Jahren stattfinden, so wie im Gutachten empfohlen.

Einen ersten Zugversuch hatte die Säuleneiche im Schlosspark bereits 2015 bestanden, sie wurde zum Schutz der Bevölkerung eingekürzt, um die Windlast zu mindern und im Oktober nochmals kontrolliert. „Die Standsicherheit kann ihr bescheinigt werden, für die Bruchsicherheit müssen wir etwas tun“, lautet dort das Ergebnis. Die holzabbauenden Pilze sorgen dafür, dass der Baum instabiler wird. Eine Entlastung kann durch eine nochmalige Einkürzung der Krone herbeigeführt werden. Weitere Überlegung: „Eine Einzäunung des Baumes für ein langes und vor allem sicheres Miteinander von Baum und Mensch führen.“ Das Amt wird nun verschiedene Vorgehensweisen ausarbeiten und die Empfehlungen des Naturschutzbeirats einholen. (mk)

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare