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Corona-Regeln „mit Augenmaß“: Offenbach will nur situationsbedingte Corona-Verbote

Abstand und Maske: Für Geschäfte und Gastronomie gelten weiter strenge Regeln.
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Abstand und Maske: Für Geschäfte und Gastronomie gelten weiter strenge Regeln.

Die Stadt steht einmal mehr im Rampenlicht: Schließlich ist Offenbach die erste Kommune in Hessen, in der nicht nur die zweite, sondern auch die dritte Stufe des mit dem Land vereinbarten Eskalationskonzeptes erreicht wurde.

  • In Offenbach gab es einen starken Anstieg an Neuinfektionen mit dem Coronavirus.
  • Offenbach will die Krise ohne Panik meistern.
  • Das Krisenmanagement von Offenbach orientiert sich an einem Eskalationskonzept.

Offenbach - Am Freitag wurden in Offenbach mit statistisch 21,7 Neuinfektionen mit dem Coronavirus pro 100 000 Einwohnern innerhalb von sieben Tagen die zweite Eskalationsstufe, am Montag mit 35,6 die nächsthöhere überschritten. Der städtische Krisenstab wurde daraufhin wieder einberufen, der allerdings nicht im durch Sanierungsarbeiten blockierten Rathaus tagen konnte. Die Säle im Stadion am Bieberer Berg bieten jedoch genügend Raum für die Teilnehmer aus Magistrat, Gesundheits- und Ordnungsamt, Polizei und Feuerwehr.

Außerdem ist in dem Eskalationskonzept vorgesehen, dass ab der dritten Stufe auch das Hessische Ministerium für Soziales und Integration (HMSI) in die Beratung des Krisenstabes miteinbezogen wird. „Es gibt einen telefonischen Austausch der jeweiligen Dezernenten mit dem Ministerium, auch die Protokolle des Krisenstabs werden an das Ministerium weitergereicht“, heißt es dazu aus dem Rathaus.

Corona in Offenbach: Bei zu vielen Neuinfektionen greift die rote Eskalationsstufe

Doch was geschieht, wenn die sogenannte Inzidenzzahl in Offenbach weiter ansteigt? Ab 50 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohnern greift die vierte, die „rote“ Stufe des Konzepts: Dann sind „konsequente Beschränkungen“ wieder vorgesehen, das könnten Geschäfts- und Kitaschließungen sein oder die Einstellungen des Busverkehrs.

Allerdings haben Oberbürgermeister Felix Schwenke und seine Magistratskollegen bereits am Montag deutlich zum Ausdruck gebracht, dass sie statt pauschaler Beschränkungen klar abgegrenzte, situationsbezogene Regelungen in Offenbach vorziehen: Sollten Kindertagesstätten betroffen sein, würden also eher einzelne Gruppen geschlossen als sämtliche Kitas pauschal abgeriegelt. Ähnlich will man in Fragen von Einzelhandel, Gastronomie oder öffentlichen Plätzen vorgehen.

Corona in Offenbach: Krise meistern ohne Panik

Schwenke betont, dass man „Entscheidungen mit Augenmaß“ getroffen habe. Und weiter: „Diese Krise meistern wir nicht, wenn wir panisch reagieren und viel Wind machen, sondern das tun, was sinnvoll und notwendig ist, um die Situation im Griff zu behalten.“

Bei einer vierten Eskalationsstufe müsste auch die Zusammenarbeit mit dem Ministerium ausgeweitet werden, so ist etwa vorgesehen, detaillierte Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie täglich zu melden oder die Stadt kann über das Ministerium Personal vom Robert-Koch-Institut anfordern. Wie genau jedoch diese „enge Abstimmung“ des Krisenstabs mit dem Corona-Planungsstab des Ministeriums ausgestaltet werden soll, das bleibt momentan noch vage.

Komplette Schließung nur bei unkoordinierter Situation - Corona in Offenbach

Sowohl bei der Stadt Offenbach wie beim Ministerium wird darauf verwiesen, dass es diesen Fall eben noch nicht gegeben habe und man situationsbezogen reagieren werde. Auch wie das exakte Vorgehen im Falle der höchsten, der dunkelroten Eskalationsstufe ab 75 Neuinfizierten mit dem Coronavirus ausschaut, soll dann je nach Lage ausgearbeitet werden. Sicher ist nur, auf irgendwelche Blaupausen mit pauschalen Maßnahmen werde man nicht zurückgreifen. Eine komplette Schließung des öffentlichen Lebens sei nur im Falle einer völlig unkoordinierten Situation mit zahlreichen voneinander unabhängigen, nicht nachvollziehbaren Infektionsherden denkbar.

Davon aber ist die Stadt momentan noch weit entfernt: Die am Dienstag bekannt gewordenen fünf Neuinfektionen mit dem Coronavirus sind etwa genau einzugrenzen. Nur eine Neuinfektion ist auf einen Reiserückkehrer zurückzuführen. Die übrigen vier waren bereits erwartet worden, da es sich um Menschen in Quarantäne handelt, die Kontakt mit Infizierten hatten.

Neuinfektionen mit dem Coronavirus: Eindämmung durch Abstandsregeln

Und so fallen die städtischen Regelungen zur Eindämmung des Corona-Geschehens eher moderat aus, indem auf die strikte Einhaltung von Abstandsregeln hingewiesen wird. Etwas kurios nimmt sich lediglich das Grillverbot für öffentliche Plätze aus: Denn in Offenbach existiert lediglich ein legaler Grillplatz am Mainufer in Höhe der Arthur-Zitscher-Straße, an sämtlichen anderen Orten im Stadtgebiet war Grillen ohnehin verboten. Von Frank Sommer

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