„Ein Neubau allein reicht zur Entlastung nicht aus“

CDU nutzt Start der Hafenschule zu einer Generalabrechnung 

Offenbach - Um 11 Uhr geht es heute los mit der Hafenschule. Vom üblichen Spatenstich sehen die Verantwortlichen aus Verwaltung und Politik vermutlich ab.

Schließlich wird fürs Fundament auf dem Areal des ehemaligen Lokschuppens nicht gebuddelt, sondern gegründet – mit mehr als 400 Stahlbetonpfählen. Wenn das mal gut geht! Zumal die Christdemokraten bereits vor dem ersten Schlag den Finger in eine kommunale Wunde legen. „Dieser Neubau allein wird nicht ausreichen, um die Innenstadtschulen angesichts der vielen neuen ersten Klassen zu entlasten“, prognostiziert Peter Freier. Der CDU-Fraktionschef verweist auf die Zahlen der 7. Fortschreibung des Schulentwicklungsplans, vor gut einem Jahr vorgestellt. Danach erwarten die Ämter Grundschuljahrgänge, „die auf hohem Niveau verharren“. So plane die Goetheschule im angrenzenden Nordend fürs nächste Schuljahr acht-, ein Jahr später bereits neunzügig. Lösung der Stadt, die so bereits kommuniziert ist: Zwei erste Klassen werden für zwei Jahre in Containern an der Schillerschule unterrichtet.

„Der Neubau der Hafenschule ist wegen des knappen Grundstücks viel zu klein und die Kapazität der Schule schon bei der Eröffnung erschöpft. Und mangels Grundstücksgröße kann die Schule nicht expandieren“, beklagt der CDU-Parlamentarier. Das heißt: Von einem Grundkonsens, den sich der Oberbürgermeister bei Verabschiedung des Hafenschulprojekts im Herbst 2014 erhofft hatte, ist man weit entfernt. Freier geht noch weiter: Auch für die vorschulische Betreuung würden neue Plätze benötigt, weshalb die angeschlossene Kindertagesstätte ebenso schnell an ihre Grenzen stoßen werde.

Neugestaltung am ehemaligen Hafen

Die Hafenschule, die Freier als „Prestigeprojekt des Oberbürgermeisters und der Koalition“ bezeichnet, dient zur neuerlichen Generalabrechnung. Für die Union ist’s eine kostspielige „Fehlplanung“. Allein das Grundstück, das die Stadt von ihrer Tochter Mainviertel erwerben muss, sei mit 5,7 Millionen Euro viel zu teuer. Hinzu kommt: Erste Planungen nach dem Grundsatzbeschluss von 2010 hatten Gesamtkosten um die 28 Millionen Euro vorgesehen – bis der Regierungspräsident intervenierte. Die Kommunalaufsicht verlangte, sowohl alternative Standorte als auch unterschiedliche Bauvarianten zu prüfen. Ergebnis: Auf eine Tiefgarage wird ebenso verzichtet wie auf kostspieligere Energiestandards. Die Kosten wurden so auf 26,6 Millionen gedrückt. „Dies kostet die Stadt zusätzlich eine Million Euro, da die Hafenschule zwei Jahre zu spät kommt und eine teure Containerlösung erforderlich wird“, so Freier. Der Magistrat dürfe sich daher heute nicht selbst feiern, sondern müsse Auskunft darüber geben, „wie er die Kapazitätsprobleme der Offenbacher Grundschulen zu beseitigen gedenkt“.

(mk)

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