Vernachlässigte Stille Örtchen

Teilweise alt und nicht barrierefrei: Öffentliche Toiletten nur eingeschränkt nutzbar

Die Toiletten gegenüber der Stadthalle (links) sind in die Jahre gekommen. Etwas moderner präsentiert sich das öffentliche stille Örtchen am Marktplatz. Fotos: Schmidt

Schnell und unkompliziert die nächste öffentliche Toilette finden - Das ist in Offenbach nicht immer so einfach. Persönliche Einschränkungen sind die Folge.  

Offenbach – Um den Weg zur nächsten öffentlichen Toilette zu erleichtern, hat sich die Frankfurter Entsorgungs- und Service GmbH (FES) kürzlich etwas einfallen lassen und einen neuen Service präsentiert. Die „ToilettenFinder“ getaufte App verknüpft dabei den Frankfurter Stadtplan von Google Maps mit den Standortinformationen von gut 80 öffentlichen Toiletten und ermöglicht so eine leichte Orientierung, Informationen zu Öffnungszeiten, Benutzerentgelt und Barrierefreiheit inklusive. Ein Angebot, das man auch in Offenbach einführen sollte?

Stadtsprecher Fabian El-Cheikh winkt ab: Wer in der Offenbacher Innenstadt unterwegs ist und zwischendurch mal auf die Toilette muss, der könne im städtischen Internetauftritt unter der Rubrik „Älter werden in Offenbach“ nachschauen und dort eine Auflistung der insgesamt 14 öffentlichen Toiletten finden. Diese erstrecken sich etwa vom Kiosk am Sana-Klinikum über den Marktplatz bis zur Stadtbibliothek oder dem Einkaufszentrum KOMM.

Offenbach: Toiletten-Bedarf „soweit gedeckt“

Grundsätzlich sieht El-Cheikh den Bedarf an öffentlichen Toiletten im Innenstadtbereich dadurch als „soweit gedeckt“ an. Er weist zudem darauf hin, dass im Zuge der anstehenden Maindeichsanierung künftig eine weitere öffentliche Toilette am Mainufer entstehen soll.

Hört man sich allerdings an den jeweiligen Standorten öffentlicher Klos um, wird deutlich, dass die Auflistung auf den städtischen Internetseiten nicht viel über den Zustand der jeweiligen Anlagen verrät. So beklagen sich etwa Kunden des Kiosks gegenüber der Stadthalle am Dag-Hammerskjöld-Platz über den unzeitgemäßen Zustand der dortigen sanitären Einrichtung, für die sie sich eine Modernisierung wünschen. Zudem stellt sich die Frage: Werden diejenigen Standorte, die sich in städtischen Gebäuden oder Einkaufszentren befinden und somit an deren Öffnungszeiten gebunden sind, überhaupt der Bezeichnung öffentliche Toilette gerecht?

Den Offenbacher Seniorenrat begleitet dieses Thema bereits seit mehreren Jahren. Mitglied Doris Haas weist daher auch auf einige Kritikpunkte in der derzeitigen Bereitstellung öffentlicher Toiletten hin. So beklagt sie zum einen, dass nur ein Bruchteil der öffentlichen Toiletten auch für Menschen mit Behinderung zugänglich sei. Zum anderen kritisiert sie, dass sich die Mehrzahl der aufgelisteten stillen Örtchen nur wochentags benutzen lasse.

Offenbach: Versorgung des Innenstadtbereichs mit Toiletten ausreichend

Dennoch bezeichnet Doris Haas die Versorgung des Innenstadtbereichs als ausreichend. Ganz anders sieht es ihrer Ansicht nach jedoch abseits der City aus. So gibt sie zu bedenken, dass es ja auch noch andere öffentliche Bereiche der Stadt gibt, die ebenfalls eine hohe Aufenthaltsqualität besitzen. Doch gerade ältere Menschen stelle die fehlende Bereitstellung öffentlicher Toiletten fernab der Innenstadt vor ein großes Problem. „Das bedeutet dann stets eine persönliche Einschränkung und verhindert teilweise auch die Teilnahme am öffentlichen Leben“, kommentiert Haas.

Um dem entgegenzuwirken, wird sich der Seniorenrat weiterhin der Thematik annehmen. Haas zufolge beschäftigt sich daher derzeit auch ein Arbeitskreis mit der Frage, an welchen Orten der Stadt noch öffentliche WCs wünschenswert sind. Ihr Schwerpunkt liegt darauf, „nicht nur im Innenstadtbereich, sondern eben auch in anderen Teilen der Stadt öffentliche Toiletten zur Verfügung zu stellen“, so Haas.

VON JOEL SCHMIDT

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