Osterkerzenaktion

„Jetzt erst recht!“: Ökumenische Osterkerzenaktion von Gemeinden

Die Testkerze konnte noch vor dem Kontaktverbot gebastelt werden. Auf unserem Bild Kathrin Niebeling von der evangelischen Gemeinde in Bieber und Sven Herget von der katholischen Pfarrei Hl. Dreifaltigkeit. 
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Die Testkerze konnte noch vor dem Kontaktverbot gebastelt werden. Auf unserem Bild Kathrin Niebeling von der evangelischen Gemeinde in Bieber und Sven Herget von der katholischen Pfarrei Hl. Dreifaltigkeit. Fotos: Privat

Es ist schon ein ungewöhnliches Osterfest, das die christlichen Gemeinden in diesem Jahr begehen: Gottesdienste sind nur vor dem Computer- oder Smartphone-Bildschirm möglich, der Gang in die Kirche muss wegen der Corona-Krise entfallen.

Offenbach – Zu groß ist die Gefahr, dass Infizierte andere beim Gottesdienstbesuch anstecken könnten. Auch bei den vier Gemeinden rund um den Bieberer Berg. Doch trotz des Distanz-Gebots setzen die Gemeinden auf Gemeinsamkeit und haben an ihrer ökumenischen Aktion Osterkerze festgehalten: Seit drei Jahren gestalten die katholischen Gemeinden St. Nikolaus und Hl. Dreifaltigkeit gemeinsam mit den evangelischen Gemeinden Bieber und Markus die Kerzen für das Kirchenjahr.

„Ich muss aber zugeben, dass wir wirklich kurz am Überlegen waren, ob wir dieses Jahr an der Aktion festhalten“, räumt Sven Herget ein, der sich für die Dreifaltigkeitsgemeinde an dem ökumenischen Projekt beteiligt. „Nach kurzer Beratung aber stand für alle Ehrenamtlichen fest: Jetzt machen wir es erst recht! Das ist unser ökumenisches Projekt!“

Zugute kam ihnen, dass während der ersten Beratungen im Februar noch keine Kontaktsperren galten. So konnte noch gemeinsam nach einem Motto gesucht und erste Entwürfe für die Kerzen gemacht werden. „Direkt nach Fastnacht melden sich immer die Aktiven mit ihren Ideen und Vorschlägen und so war es auch in diesem Jahr“, sagt Herget. Kurz bevor dann die Bundes- und Landesregierungen aufriefen, soziale Kontakte einzuschränken, konnte sogar noch eine Testkerze als Vorlage für die übrigen Kerzen erstellt werden.

Dass bereits in den Vorjahren eine eigene Whats-App-Gruppe „Osterkerze“ ins Leben gerufen worden war, erwies sich nun als Vorteil: Über Kurznachrichten tauschten die Ehrenamtlichen der vier Gemeinden sich aus und diskutierten über Gestaltung und Motto.

Von der Skizze bis zum Endprodukt: Seit Februar wurde von den Ehrenamtlichen an den sechs Osterkerzen gearbeitet.

Im Schichtbetrieb wurde im März dann die im Pfarrheim von St. Nikolaus eingerichtete Bastelwerkstatt genutzt: Statt wie in den Vorjahren in der großen Gruppe und gemeinsam, mussten die Ehrenamtlichen in diesem Jahr alleine an ihrer Kerze arbeiten. „Der Austausch untereinander fehlte natürlich“, sagt Herget. Andererseits hätte die einsame Arbeit auch wiederum zur Fastenzeit gepasst. „Da wurde wirklich Verzicht geübt.“ Trotzdem seien alle Beteiligten motiviert bei der Arbeit gewesen. „Da wir nacheinander im selben Raum gearbeitet haben, konnten wir immer sehen, was die anderen gemacht haben und wie weit sie gekommen sind – da wollte niemand zu weit zurückliegen.

Als Motto wählten die vier Gemeinden in diesem Jahr „Sieben moderne Wege der Barmherzigkeit“, sieben verschiedene Farben symbolisieren die unterschiedlichen Möglichkeiten, anderen Nähe und Hilfe zukommen zu lassen.

Die Gemeinden bastelten sechs Kerzen für ihre Osterkerzenaktion.

Auch wenn es vier Gemeinden sind, die sich an der Aktion beteiligen, wurden sechs Kerzen erstellt: Je eine wird in den Kirchen rund um den Bieberer Berg zu sehen sein, eine wird im Vitanas-Seniorenzentrum aufgestellt und die sechste findet ihr Heim im St. Hildegard-Haus in Waldhof.

Da die Kirchen bis auf Weiteres geschlossen sind und die Osterkerzen nicht ausgestellt werden können, haben sich die Ehrenamtlichen etwas ausgedacht: An den Türen der Pfarrämter oder am Kirchenzaun werden Bilder der Kerzen zum Mitnehmen ausgehängt. „Die Bilder können selbst ausgemalt werden und es gibt außerdem Texte zu unserem diesjährigen Motiv“, sagt Herget.

VON FRANK SOMMER

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