Oldtimer trotzen dem Regen

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Ein Traum für Liebhaber : Die Keilform des Flügeltürers verliehen dem „DeLorean DMC-12“ eine einzigartige Erscheinung.

Offenbach - Von Wetterkapriolen ließen sich Oldtimerfans gestern nicht abhalten. Sie kamen mit Fahrzeugen aller Baujahre und Marken in die Heyne-Fabrik zum Klassikertreff. Höhepunkt der Veranstaltung: der gegenseitige Erfahrungsaustausch. Von David Heisig

Es regnet und windet. Keine guten Voraussetzungen für eine Veranstaltung unter freiem Himmel. An den eigentlichen Protagonisten mit ihrem gepflegten Lack perlt das Nass ohnehin ab. „Und MG-Fahrer sind hart im Nehmen“, ergänzt Klaus Mewes. Er hat seinen im Hof geparkt. „Hartgesottene Oldtimer-Fans fahren bei jedem Wetter“, weiß Organisator Thomas Kypta. Er ist telefonisch zu erreichen, gerade unterwegs auf der KT Hessen Klassik Challenge, die am Nachmittag ihren Zieleinlauf in Offenbach hat; eine Rallye, die Teil des Klassikertreffs ist.

Bilder zum Klassikertreff

Oldtimer beim Klassikertreff

Auch die Fahrer hat der Regen erwischt. Vorsichtig fahren ist also die Devise. Die Idee für den Treff habe schon das alte, denkmalgeschützte Gebäude an der Ludwigstraße geliefert. „Die Heyne-Fabrik hat Schrauben hergestellt für die Automobilindustrie“, erzählt Kypta. Zum anderen ist er leidenschaftlicher Sammler. Ein Hobby, das er mit Klaus Mewes teilt.

Er hat sich mit ein paar anderen Auto-Fans früh getroffen und zeigt seinen Wagen, einen MG B V8-Roadster von 1974. Regen macht diesem Briten nichts aus, ein England-Aufkleber am Heck verdeutlicht die Herkunft. Michael Müller ist mit seinem Mercedes 200 D Baujahr 1967 vorgefahren. Sein Fahrzeug strahlt in creme-weiß. Fünf Jahre hat die Restauration gedauert. Er habe „mehr investiert, als er wert ist“, bezieht er sich auf den aktuellen Verkehrswert des Fahrzeugs. Ein besonders hoher Kostenfaktor waren die Ersatzteile.

Die Hilfe anderer: unbezahlbar

Ein Winzer aus dem Rheingau habe ihm den Wagen überlassen, erzählt der Aschaffenburger. Gar nicht gerechnet habe er die Arbeitsstunden. Ein gewisses technisches Geschick müsse man schon haben, um so einen Wagen wieder auf die Straße zu bekommen. Die Hilfe anderer: unbezahlbar.

Ähnlich sieht es Klaus Mewes. Er hat noch ein altes Chassis in der Garage, muss diesen MG jetzt nach und nach aufbauen. Stolz zeigt er die Bilder auf seinem Handy. Der Vorteil der Oldies für Schrauber ist ein praktischer: kein ABS, keine Klimaanlage, keine Servolenkung. All der technische Aufwand, der moderne Fahrzeuge ausmacht, fehlt bei klassischen Modellen. So könne man noch allein mit dem Schraubenschlüssel und ohne Computer zu Werke gehen. „Für diese Autos gibt es noch alles“, erzählt Mewes, gelernter Maschinenbauer. Ersatzteile gibt’s bei Händlern, die sich auf den Oldtimer-Markt eingestellt haben. Zur Not müsse man es halt selbst anfertigen, erklärt er.

Über die Wetterau bis nach Offenbach

Oldtimer darf sich das nennen, was älter ist als 1982. Zudem gibt es die Youngtimer, die oft noch im Alltagsbetrieb sind und so manches Männerherz höher schlagen lassen. Mancher Oldtimer dagegen hat seinen Platz in einer Ausstellung gefunden. Sprechen bei den meisten Fahrzeugen schon Form und Farbe für sich, bieten einige Modelle noch Oberfläche für weiterführende Kunst: So haben die Künstler P.Y.C und Il-Jin Atem Choi einen Opel GT Junior Baujahr 1972 mit Graffiti besprüht. Figuren und Gebäude urbanen Stadtgefühls bedecken nun die Haut des alten Rüsselsheimers, in den 70ern begehrtes Objekt sportlicher Autofahrer.

Auf die Ohren gab’s auch. Der amerikanische Musiker Keith Sanders sang Soul. Unterdessen bewegen sich die Rallye-Teilnehmer weiter in Richtung Offenbach. Los ging es in Erbach im Odenwald, über die Wetterau bis nach Offenbach. 24 Fahrzeuge sind unterwegs, auf die am Nachmittag eine schwarz-weiß-karierten Flagge wartet. Kypta ist dennoch ein wenig enttäuscht von der Resonanz auf die Veranstaltung. Immerhin habe er viel Geld und Aufwand in die Festivität gesteckt. Fraglich ist für ihn, ob er die Veranstaltung in dieser Form 2013 fortführt.

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