Ombudsmann der Mainarbeit

Offenes Ohr für „Hartzis“

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Wolfgang Christian muss sich im Spannungsfeld zwischen Mainarbeit und Hilfebeziehern behaupten und als neutraler Ombudsmann vermitteln. Stadtrat Felix Schwenke wünscht viel Erfolg.

Offenbach - Dr. Wolfgang Christian ist neuer Ombudsmann der Mainarbeit. Seine Aufgaben: Zwischen Jobcenter und Hilfebeziehern vermitteln, schlichtend in Konflikte eingreifen, von neutraler Position aus beide Seite beraten. Von Veronika Schade 

Der Gewerkschafter und Mitglied der Linken steht bereits vor Beginn seiner Arbeit in der Kritik: Die CDU wirft ihm mangelnde Neutralität vor. Er ist studierter Soziologe, promovierter Pädagoge, Mitglied der Linken sowie der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) – und neuer Ombudsmann des kommunalen Jobcenters Mainarbeit. „Mein Leben lang habe ich mich mit Sozialem beschäftigt“, sagt Wolfgang Christian über sich. Dass ihn dies für eine solche Funktion qualifiziert, davon ist der Magistrat überzeugt. Dieser hat den 77-Jährigen bei der Stadtverordnetenversammlung im Dezember vorgeschlagen – er wurde gewählt. Gegenstimmen kamen aus der Opposition, allen voran der CDU.

Sprechzeit: Mittwoch, 14 bis 16 Uhr, im Rathaus, Raum 1115. Nächste Woche geht’s los.

Die Christdemokraten bezeichnen ihn gar als „Fehlbesetzung“, da die Linken sich als Anwälte der Hilfeempfänger verstünden, sich bewusst gegen die Mainarbeit stellten und die oft überzogenenen Forderungen der Leistungsbezieher durchsetzen wollten. Die erforderliche Neutralität sei daher nicht gewährleistet. Diese Vorwürfe weist Christian weit von sich. „Das ist eine Fehleinschätzung.“ Er kenne die Problematik genau, zwischen zwei Seiten zu vermitteln, und einseitig gegen eine Behörde vorzugehen „entspricht nicht meinem Naturell“. Ihm sei bewusst, dass die Mainarbeit sehr viel zu tun habe und ihre Mitarbeiter nicht absichtlich Fehler machten. Wenn er aber Fehler in Bescheiden finde, werde er freilich zugunsten des Klienten vorgehen. „Die Gesetzeslage ist für die Betroffenen hart“, findet er.

Das Amt des „Hartz-IV-Ombudsmanns“ gibt es in Offenbach seit 2008. Christians Vorgänger, der ehemalige Amtsgerichtspräsident Wilhelm Uhl, hatte es bis zu seinem Tod im März vergangenen Jahres inne. Das Offenbacher Jobcenter gehörte zu den ersten in Deutschland, an denen ein Ombudsmann eingeführt wurde. Grund war die hohe Belastung der Mitarbeiter und der Wunsch nach einem neutralen Vermittler, der sich „extra Zeit“ für die Betroffenen nimmt. „Das nimmt uns ein bisschen den Druck aus dem Alltagsgeschäft“, sagt die stellvertretende Geschäftsführerin Susanne Pfau. Der erste Ansprechpartner für die Mainarbeit-Kunden sei in der Regel ihr Sachbearbeiter. Sie können sich, falls sie sich nicht ausreichend beraten fühlen, eine Ebene höher bis zum Geschäftsführer durchfragen. Den Ombudsmann nutzen sie begleitend – oder sie befragen ihn gleich, denn vieles lässt sich so schon klären. Als Uhl eine gewisse Bekanntheit und das Vertrauen der Klienten erlangt habe, seien viele von vornherein zu ihm gegangen.

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Eine Statistik über die Zahl und Themen der Anfragen gibt es nicht, da es sich um ein Ehrenamt handelt. „Es waren etwa 120 Vorsprachen pro Jahr, wegen der uns Uhl kontaktiert hat“, berichtet Pfau. Tatsächlich geführt habe er aber deutlich mehr Gespräche. Vorrangig sei es um Fragen der Unterkunft gegangen, um Anschaffung von Mobiliar sowie darum, welche Vermittlungsmaßnahmen sinnvoll seien. Christian hofft, dass seine Dienste gut angenommen werden. „Ich habe nicht damit gerechnet, im hohem Alter noch so für die Stadt aktiv werden zu dürfen“, sagt der vierfache Vater, der bis 2003 Sozialwissenschaften und Kunst an der Käthe-Kollwitz-Schule unterrichtete. Von 2001 bis 2011 war er Stadtverordneter der Linken, Mitglied im Bauausschuss, im Vhs- und Denkmalbeirat. Seit 1985 lebt der gebürtige Frankfurter und überzeugte Radfahrer in Offenbach.

Als Vorbereitung hat er sich in die Gesetzgebung eingelesen und viele Gespräche mit der Mainarbeit geführt, die ihm Gesetzestexte und Kommentare zur Verfügung stellt und ihn weiterbildet. „Das Amt bedeutet viel Herzblut und Arbeit“, gibt Stadtrat Dr. Felix Schwenke ihm mit auf den Weg.

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