Neue Einschränkungen wegen deutlich gestiegener Fallzahlen

Offenbach ordnet Maskenpflicht im Unterricht an

Erstklässler der Wildbachschule bei der Einschulung am Dienstag, 18. August.
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Zur Einschulung am Dienstag benötigten die Erstklässler der Wildbachschule noch keine Masken – ab Freitag sind sie Pflicht.

Der Mund-Nasen-Schutz wird zum allgegenwärtigen Alltagsbegleiter: Ab Freitag muss die Maske auch im Unterricht oder während Gottesdiensten getragen werden. Das hat der städtische Krisenstab am Donnerstag mit Blick auf die deutlich gestiegenen Corona-Neuinfektionen beschlossen.

Offenbach - Mit Bangen schaut der Krisenstab auf eine Zahl: 50. Ab 50 Neuinfektionen pro 100000 Einwohnern innerhalb von sieben Tagen werden schwere Geschütze im Kampf gegen die Ausbreitung von Covid-19 aufgefahren: Geschäfte müssen dann wieder geschlossen, der Nahverkehr eingestellt werden.

Mit 44,3 Neuinfektionen Stand Donnerstag ist Offenbach nicht nur die Kommune Deutschlands mit der höchsten Inzidenzzahl, die dritte Warnstufe des Corona-Eskalationskonzeptes des Landes wurde erneut überschritten – und zwar deutlich: Ab 35 Fällen müssen zur Eindämmung der Pandemie erweitere Maßnahmen beschlossen werden. Bereits am 3. August hatte Offenbach die dritte Warnstufe des Konzeptes ausgelöst, damals aber mit „nur“ 36“ Fällen.

Anstieg der Infektionen durch zurückkehrende Urlauber

Dass die Zahl der Neuinfektionen sprunghaft gestiegen sind, liegt auch am Ende der Feriensaison: Am Donnerstag wurden 22 neue Corona-Infektionen bekannt. Wie Gesundheitsdezernentin Sabine Groß unserer Zeitung sagte, spielt auch das bayerische Test-Desaster dabei eine Rolle: Wahrscheinlich acht Personen, die sich bei der Rückreise in Bayern hatten untersuchen lassen, wussten durch die verspätete Übermittlung ihrer Testergebnisse nichts von ihrer Corona-Infektion.

Besonders in den Blick der Stadt rücken die Reiserückkehrer aus sogenannten Nicht-Risikogebieten. Oberbürgermeister Felix Schwenke betont, 51 der 57 Corona-Fälle in den vergangenen sieben Tagen gehen auf positiv getestete Urlauber zurück. So hatten sich etwa ein Schüler der Geschwister-Scholl-Schule und eine Leibnizschülerin in ihrem Kroatien-Urlaub infiziert – da Kroatien bis Donnerstag noch nicht als Risikogebiet galt, war ein Corona-Test nicht verpflichtend.

Quarantäne-Vorschrift ausgeweitet

Das ändert sich nun: Ab dem Freitag müssen alle Offenbacher Reiserückkehrer, die sich in einem der zehn Länder aufhielten, die laut Robert-Koch-Institut die höchsten Infektionszahlen unter Reisenden aufweisen, in eine 14-tägige Quarantäne begeben. Durch einen negativ bescheinigten Corona-Test, kann die häusliche Isolation beendet werden. Durch die Tests hofft Gesundheitsdezernentin Groß, die Ansteckung durch unbemerkte Infektionen zu verringern.

Gleichzeitig verlängert die Stadt die seit Anfang August bestehenden, verschärften Corona-Regeln bis zum 30. August und erweitert diese: Auch in geschlossenen Räumen, wie Schulklassen, Kirchen, Vereins- oder Umkleideräumen, oder Sportheimen muss ein Mund-Nasen-Schutz getragen werden. Während Gottesdiensten in Kirchen, Moscheen oder der Synagoge ist bis 30. August ebenfalls eine Maske verpflichtend.

Lehrer und Schüler müssen Masken tragen

Das Staatliche Schulamt hat in Absprache mit dem Krisenstab alle Schulen angewiesen, dass vom heutigen Freitag bis 30. August eine Maskenpflicht im Unterricht für Schüler und Lehrer gilt. Kinder ohne Maske werden laut Schulamt nicht zum Unterricht zugelassen. Zum ersten Schultag am Montag hatte die Stadt vorsorglich schon einmal eine Maskenpflicht angeordnet. An verschiedenen Offenbacher Schulen hatten sich Klassen jedoch bereits freiwillig zum Tragen einer Maske im Unterricht zur Verringerung der Ansteckungsgefahr verpflichtet.

Während für das Sporttraining in Vereinen weiterhin eine maximale Gruppengröße von zehn Personen bei Einhaltung des Mindestabstandes gilt, wurde der Schulsport für eine Woche ausgesetzt. Der Offenbacher Schulelternbeirat begrüßt das Handeln der Stadt. Auf Nachfrage heißt es, dass die Maßnahmen für sinnvoll erachtet werden, besonders in der derzeitigen Situation.

Lungenärzte begrüßen die Maskenpflicht

Eine Mutter zweier Grundschüler zeigt sich dagegen in einem Schreiben, das auch unserer Zeitung vorliegt, besorgt: Dass die Kinder sieben Stunden am Tag eine Maske zu tragen hätten, sei nicht akzeptabel. Das ständige Einatmen der eigenen Atemluft sei gesundheitsschädlich, fürchtet sie. Auf Nachfrage der Offenbach-Post teilt der Bundesverband der Pneumologen, Schlaf- und Beatmungsmediziner (BdP) mit, dass das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes während des Unterrichts „absolut zumutbar“ sei. „Es ist definitiv nicht schädlich, auch nicht für Menschen mit Atemwegserkrankungen“, sagt Dr. Michael Barczok vom BdP, „wir begrüßen, dass die Stadt als Reaktion auf die Situation der hohen Infektionszahlen das Tragen angeordnet hat.“

Im städtischen Krisenstab hofft man, dass die nun beschlossenen Regeln helfen, eine zweite Schließungswelle abzuwenden. „Leichtsinn und Gedankenlosigkeit bestraft das Virus. Jeder kann seinen ganz persönlichen Beitrag zum Schutz und zur Eindämmung leisten, indem die geltenden Regeln beachtet und gelebt werden“, sagt Bürgermeister Peter Freier.

Von Frank Sommer

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