Fast wie eine Comedy-Show

Ordnungsamt versteigert nicht fahrbereite Autos

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Viele Rostlauben, aber auch einige brauchbare Gefährte gab’s bei der Versteigerung auf dem Gelände der Autoverwertung Fröhlich. Die Zahl der Bieter war klein.

Offenbach - Zum ersten Mal veranstaltete das Ordnungsamt der Stadt eine Auktion sichergestellter Fahrzeuge. Nur ein Teil der 20 angebotenen Gefährte ging unter dem Hammer weg.Von David Heisig

Wer genau hinschaut, sieht Vertreter ihrer Art im öffentlichen Verkehrsraum stehen. Autos mit orangefarbenen Warnzetteln, die den Halter auffordern, sein Gefährt zu entfernen. Etwa, weil Versicherung oder TÜV abgelaufen sind. „Die sogenannten Rot-Punkt-Autos, die herrenlos in der Stadt rumstehen“, erklärt Anja Fröhlich von der Autoverwertung Fröhlich. 20 von diesen hat das Ordnungsamt im vergangenen Jahr sichergestellt. Sie wurden nun auf dem Hof der Autoverwertung versteigert.

Im Angebot ist ein Mercedes Sprinter, ein Kastenwagen. Ehemals Firmenfahrzeug einer Wäscherei. „Hier eine 12er-Schraube rein und der ist topfit“, lacht einer mit Blick auf die herunterhängende Stoßstange. „Einmal durch die Waschanlage langt“, unkt ein anderer. Die Wäscher haben das Fahrzeug weiterverkauft. Halter nicht mehr ermittelbar. Mit ausländischem Kennzeichen.

Die ganze Versteigerung wirkt ein wenig wie eine Comedy-Show. Auktionator Stefan Sommer vom Ordnungsamt versucht mit Ironie und Witz, die Autos gut aussehen zu lassen. Der Hintergrund ist ernster: Die Fahrzeuge verunstalten die Stadt, blockieren Parkraum und sind tickende Umweltbomben. Etwa, wenn durch Rost Öl ausläuft. Sie werden nach Bürgerlichem Gesetzbuch und Hessischem Gesetz zur Sicherheit und Ordnung (HSOG) versteigert. Jeder Bieter bekommt eine Nummer. Diesen Vormittag sind’s drei.

„Ein wunderschönes Auto“

Erster Kandidat ist ein Opel Astra Kombi. „Ein wunderschönes Auto“ scherzt Sommer beim Blick auf den roten Rostfänger. Startgebot sind 50 Euro. Niemand bietet. Das zweite Fahrzeug, ein VW Passat in weiß, geht weg. Für 50 Euro. „Käufer Nummer 2“, Namen werden nicht gern genannt, schlägt zu. Auch bei einem Fiat. „Der wird ausgeschlachtet für den Export“, meint er. Nach dem Verkauf gibt es vom Ordnungsamt die Papiere.

Um einen Opel Zafira entfacht gar ein kleiner Bieterwettstreit. Sommer kann nur, den Blick zwischen den Bietern hin und her werfend, in Zehnerschritten erhöhen. „…370, 380, 390. 390 zum Ersten, 390 zum Zweiten, 390 zum Dritten.“ Verkauft. „Das sind Geschäfte, die ich hier mache“, unkt der Käufer. Ein Gutachter hat die Autos bewertet. Bei einem Opel Corsa von 1996 ist sein Urteil: „Mäßiger Zustand, Musiksystem ausgebaut“. Unter Berücksichtigung aller „wertbeeinflussenden Faktoren“ ist er zu einem Händler-Einkaufswert von null Euro gekommen. Will heißen: Kein Händler würde das Fahrzeug so ankaufen. Den Haltern ist das scheinbar egal. Viele holten die Autos nicht ab, sind nicht mehr erreichbar, sagt Sommer. „Sie wurden mindestens dreifach angeschrieben“, erzählt er.

„Die Autos werden auch hier noch vier Wochen vorgehalten“, sagt Fröhlich hinsichtlich der Lagerung. Die Eigentümer hätten also Möglichkeiten. „Komisch. Irgendwie kommt keiner“, wundert sie sich. Zumal die Entsorgung nichts koste. Vielleicht hätten viele das Geld für Reparaturen nicht, würden daher die Fahrzeuge stehen lassen, vermutet Sommer.

Ein Mann schaut sich einen schicken Sportflitzer an. „Bin mal hergekommen, um zu gucken“, sagt er. Wer indes glaubt, ein fahrbares Schnäppchen zu machen, ist bei der Auktion falsch. In Ermangelung der Fahrzeugschlüssel ist keines der Vehikel fahrbereit. Zudem findet sich kein Fahrzeugschein, geschweige denn ein Brief.

Also bleibt nur der Blick des Fachmanns, welche Autos noch wertvolle Teile enthalten könnten. Was bei einigen Modellen schade erscheint. Ein weinroter Panda Kombi mit guter Ausstattung steht ganz gut da. Für die Stadt sind die Kosten für Abschleppen und Verwahren höher als die Auktionseinnahmen. Letztlich müssten die Bürger zahlen. Man müsse sehen, ob sich die Auktion lohne, sagt Sommer.

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