Offenbacher Verkehrsbetriebe 

Offenbach: Letzter Ausweg Schwarzfahren? OVB reagieren auf Service-Lücke

Ab heute muss niemand mehr in die Station Marktplatz hinab steigen. Tickets gibt‘s auch dann an einem umgebauten Bus. Foto: schuba
+
Ab heute muss niemand mehr in die Station Marktplatz hinab steigen. Tickets gibt‘s auch dann an einem umgebauten Bus. 

In Offenbach galt bisher: Kein Ticket, kein Zutritt zum Bus. Corona erschwert gleichzeitig aber den Fahrkarten-Kauf. Jetzt steuern die OVB gegen. 

  • In Offenbach darf niemand ohne Ticker in den Bus steigen 
  • In den Bussen selbst wegen wegen Corona aber keine Fahrkarten verkauft
  • Vielen OVB-Kunden blieb nur das Schwarzfahren – bis jetzt

Offenbach - Die Ankündigung von Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) und Offenbacher Verkehrsbetrieben (OVB), niemanden mehr ohne Fahrschein in Offenbachs Busse zu lassen, in diesen aber noch einige Zeit keine Tickets zu verkaufen, ruft erwartetes Unverständnis hervor: Ein Teil der potenziellen Kundschaft musste nach dem bisherigen Stand der Dinge befürchten, entweder von Mobilität ausgeschlossen oder zu Illegalem gezwungen zu sein.

Schwarzfahren ist eine Straftat und kostet 60 Euro.“ Die Drohung garnierte die Ankündigung, dass der RMV wieder verstärkt kontrollieren lasse. Wie berichtet, empfahl Dezernentin Sabine Groß gemeinsam mit den OVB-Chefs Anja Georgi und Heiko Linne, die Berechtigung zum Busfahren an den – spärlich gesäten – Automaten, im RMV-Online-Shop oder über eine Smartphone-App zu erwerben.

Offenbach: Letzter Ausweg Schwarzfahren? OVB-Kunden verzweifelt

Manchen Menschen aus Offenbach hätten diese Alternativen allein wenig geholfen. Exemplarisch schildert Horst Hof seine Not. Der Bieberer wird demnächst 88, fährt auf Anraten seiner Familie kein Auto mehr, ist nicht mehr so beweglich, dass er größere Strecken zu Fuß laufen könnte und benötigt folglich für einen Arztbesuch den Bus. 

„Dies sind natürlich nicht so viele Fahrten, dass sich eine Dauerfahrkarte lohnen würde“, schreibt er, „möchte ich jetzt mit öffentlichen Verkehrsmitteln fahren, gibt es weit und breit keine Möglichkeit, eine Fahrkarte zu erwerben, so gern ich das täte.“

Offenbach: OVB erkennen Service-Lücke – Alternativer Fahrscheinverkauf

PC oder Smartphone besitzt Rentner Hof nicht, einen Enkel, der ihm behilflich sein könnte, auch nicht, Sohn und Schwiegertochter wohnen weit weg. „Ich kann ja nicht einmal ungestraft von Bieber aus in die Stadt fahren, um mir dort ein Tagesticket zu ziehen“, musste er nach dem Kenntnisstand vom Mittwoch (06.05.2020) annehmen.

Inzwischen haben aber auch die OVB gemerkt, dass in Offenbach eine Servicelücke insbesondere für ältere Menschen, die keinen Zugriff auf das Online-Angebot haben, besteht. Sie steuern nach und eröffnen nun ausdrücklich die Möglichkeit, „in dieser besonderen Situation gegebenenfalls nach Beendigung der Fahrt einen Fahrschein zu lösen, wenn am Ausstiegsort ein Automat vorhanden ist.“ 

Offenbach: OVB wollen mehr Kundenfreundlichkeit 

Ansonsten müsse aktuell dieser Personenkreis keine Angst haben, das erhöhte Beförderungsentgelt zahlen zu müssen. „Die Kontrolleure kennen dieses Problem“, heißt es. Wer jedoch ganz sichergehen möchte, kann sich ja diesen Artikel ausschneiden und einstecken.

Noch ein Schritt hin zur Kundenfreundlichkeit in Offenbach: Von heute an können Fahrgäste der OVB an einem mobilen Schalter auf dem Marktplatz Einzelfahrscheine und Tageskarten erwerben. Damit sollen die Möglichkeiten zum Erwerb von Einzelfahrkarten an den Automaten der DB an der S-Bahn-Station ergänzt werden. Das Mobilitätsunternehmen postiert dazu einen umgebauten Linienbus zwischen dem S-Bahn-Abgang und dem Bussteig 4.

OVB geben Kunden weitere Möglichkeit zum Ticketkauf

Der Verkaufsschalter mit Fahrkartendrucker befindet sich an der mittleren Tür des Busses und ist werktäglich von 7 bis 16 Uhr geöffnet. Die Tickets (keine Zeitkarten!) werden aus dem Bus heraus verkauft. Verkaufspersonal und Kunden sind dabei zum Schutz vor Corona-Viren durch eine Plexiglasscheibe getrennt. Die Abstandsregeln sind zu beachten.

VON THOMAS KIRSTEIN

Unterdessen gibt es neue Infizierten-Zahlen für Stadt und Kreis Offenbach, Hanau und die Region. Auch ein weiterer Todesfall wurde bestätigt. Die Museen in Offenbach sind noch geschlossen. Das soll sich bald ändern. Besucher erwartet wegen Corona viel Ungewohntes.

Im Kampf gegen Corona muss in Bussen und Bahnen eine Maske getragen werden. Doch nicht alle Fahrgäste im Kreis Offenbach halten sich daran. 

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare