Unvermeidliche Abstriche

Aus Sparzwängen: OVB dünnt Bus-Fahrplan aus

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Abschied vom gewohnten Farbdesign. Die OVB-Busse – hier in der Werkstatt an der Hebestraße – erhalten künftig ein neues Aussehen. Der bislang typische rote Querstreifen wird durch einen lindgrünen ersetzt. Grund ist die „Markenarchitektur“ im Stadtkonzern: Das gesamte Geschäftsfeld Mobilität folgt dieser Farblinie.

Offenbach - Jetzt wird das Spardiktat für viele spürbar. Die OVB dünnen den neuen Fahrplan in den sogenannten Randzeiten aus. Bis 6 Uhr und ab 19.30 Uhr verkehren Busse werktags nur noch im 30-Minuten-Takt. Von Martin Kuhn

Der Spagat ist eigentlich nicht zu meistern. Die Offenbacher Verkehrs-Betriebe (OVB) sollen einerseits ihr Angebot ausbauen und die neuen Wohngebiete in Waldheim-Süd, am Hafen und in Bürgel-Ost anfahren. Sie sind andererseits angehalten,  im künftigen Etat (heißt: wenn alle Baugebiete auch Anwohner haben) eine Million Euro zu sparen. Bürgermeister Peter Schneider betont: „Wir haben es uns bei den Kürzungen nicht leicht gemacht. “ Damit deutet der Grünen-Politiker an, dass es immer mehr ans Eingemachte geht, wenn das verordnete Spardiktat in die Tat umgesetzt wird. Und er fügt hinzu: „Es schmerzt...“ So ist das eben bei akrobatischen Übungen.

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Wobei es keinesfalls eine Kür ist, die der Bürgermeister da hinlegt. Eher ein Pflichtprogramm, das der „Gesamtsituation Offenbachs Rechnung trägt“. So nehmen die Verantwortlichen bewusst in Kauf, dass sie möglicherweise Kunden verlieren, wenn „die eine oder andere Verbindung nicht mehr zur Verfügung steht“. Bewusst ausgeklammert beim Spardiktat sind die eifrigsten der nahezu elf Millionen Fahrgäste jährlich: Schüler und Berufspendler. Dafür trifft es die sogenannten Tagesrandzeiten ab Sonntag, 15. Dezember, wenn der RMV in seinem gesamten Tarifgebiet den Fahrplan umstellt.

Samstags im 30-Minuten-Takt

Entscheidende Änderung: Die Busse der Linie 106 (lila) verkehren in beiden Fahrtrichtungen auf direktem Weg zwischen „Tulpenhofstraße“ und „Dickstraße“ und halten auf der Westseite des Krankenhauses an der neuen Haltestelle „Klinikum Offenbach West“ in der Sprendlinger Landstraße. Das Bild in Großansicht.

Konkret heißt das: Im Frühverkehr fahren alle OVB-Linien montags bis freitags von 4 bis 6 Uhr nur noch alle 30 Minuten. Samstags gilt dieser 30-Minuten-Takt von 4 bis 8 Uhr. Sonntags beginnen die Fahrten später und verkehren alle Linien bis 9.30 Uhr nur noch im 60-Minuten- statt im 30-Minuten-Takt. Auch im Spätverkehr wird das Bedienungsangebot reduziert. Montags bis freitags wechseln die Linien nicht mehr ab 20 Uhr, sondern ab 19.30 Uhr, samstags bereits ab 18 Uhr in den 30-Minuten-Takt. Vor einer noch radikaleren Variante nahmen die Stadtverordneten übrigens wieder Abstand. Das ursprüngliche Sparpaket von 1,2 Millionen Euro hat beinhaltet, dass die Busse bereits ab 18.30 Uhr in die längere Taktung übergehen.

Die verlängerten Taktzeiten sollen helfen, künftig einen Wert zu reduzieren: die Fahrplan-Kilometer. Im vergangenen Jahr kamen in Offenbach rund 3,46 Millionen zusammen. Da jeder einzelne etwa 3 Euro kostet, summierte sich das bei einem Betriebsaufwand der OVB von 17,7 Millionen Euro zu einem Defizit von ungefähr 7 Millionen Euro.

Grundlage für die jetzt folgenden ÖPNV-Einschnitte bildet eine genaue Fahrgast-Zählung. „Wir haben uns jede Linie detailliert angesehen“, so Peter Schneider, der gleichwohl weiß, dass die Zäsur in Verbindung mit der üblichen Tariferhöhung nicht unbedingt als Attraktivitätssteigerung zu erachten ist. Aber: „Es ist bei dem Konstrukt aus 27 RMV-Gesellschaftern ganz schwer zu argumentieren, dass ausgerechnet hier in Offenbach das Busfahren billiger werden muss...“

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Gleichwohl führt kein Weg am übergeordneten Verbund vorbei. Beispiel Fahrkartenautomaten. Die sind inzwischen erheblich in die Jahre gekommen und haben laut OVB-Geschäftsführerin Anja Georgi Schwierigkeiten mit den neuen 5- und 10-Euro-Scheinen. Da eine Umrüstung zu teuer ist und die Umsätze aktuell verschwindend gering sind, werden die verbliebenen sechs Geräte (etwa am Marktplatz) zum 1. Januar abgebaut. Bei der Wiederbeschaffung hänge sich die OVB an den RMV, der ebenfalls neue Automaten benötigt. Diese sollen neben Einzelfahrkarten auch Monats- oder Jahrestickets auswerfen und das „E-Ticket“ aufladen können. Bei allen negativen Aspekten sei ein positiver nicht vergessen: An der Sprendlinger Landstraße entsteht die neue Haltestelle „Klinikum Offenbach West“.

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