Bewohnerparken

Pendler und Pflegekräfte wütend über neue Parkzonen: „An uns denkt man natürlich nicht“

Parkende Autos im Lichtenplattenweg
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Rund um das Ketteler-Krankenhaus soll ab Sommer Bewohnerparken ausgewiesen werden.

Die Stadtverwaltung will die Bewohnerparkbezirke in Offenbach deutlich ausweiten, rund 2500 Parkplätze fallen für Besucher und Pendler weg. Pendler sind wütend.

Offenbach – Pläne der Stadt Offenbach sehen vor, dass auch rings um das Ketteler-Krankenhaus im Lichtenplattenweg Bewohnerparken ausgewiesen wird. Nun sorgen sich vor allem Angestellte und Besucher des Klinikums darum, wie sie zur Arbeit oder zur Behandlung kommen sollen.

Pflegepersonal in Offenbach klagt: „Wie sollen wir unserer Arbeit nachkommen?“

Stellvertretend für viele Beschäftigte des Klinikums sei hier Matthias Schneider, der als Pfleger arbeitet, genannt: „Fast die Hälfte des Pflegepersonals stammt aus dem Umland und fährt jeden Tag nach Offenbach – wenn die Parkplätze rund um das Krankenhaus wegfallen, wie stellt die Stadt sich vor, dass wir unserer Arbeit nachkommen?“ Der Besucherparkplatz des Klinikums am Lichtenplattenweg ist begrenzt, Angestellte dürfen dort nicht parken.

Seit 20 Jahren arbeitet Schneider am Ketteler-Krankenhaus, jeden Morgen fährt er von Bad Vilbel nach Offenbach, um seinen Dienst um 6 Uhr auf der Station anzutreten. „Die Parksituation ist jetzt schon schwierig, wenn dann diese Plätze auch noch wegfallen, stehen wir Angestellten vor einem riesigen Problem“, sagt er.

Geplante Parkzonen in Offenbach: Pendler sollen auf ÖPNV umsteigen

Horst-Ingo Kupfer, Referatsleiter der für die Ausweitung der bewohnerparkbezirke verantwortlichen Verkehrsplanung, hatte bei der Vorstellung der Pläne auf Nachfrage unserer Zeitung erklärt, dass Pendler bei der Planung nicht berücksichtigt würden. Sie seien nicht die Zielgruppe, hieß es, außerdem könnten Pendler auf den ÖPNV umsteigen.

Eine Aussage, die bei den Arbeitnehmern auf wenig Gegenliebe stößt. „Hat einer von der Stadt schon mal selbst versucht, mit Bus und Bahn etwa von Mörfelden jeden Tag nach Offenbach zu fahren und wieder zurück?“, macht etwa Claudia M., die als Verkäuferin arbeitet, ihrem Ärger Luft. Auch Arbeitnehmer aus Schaafheim oder Erlensee äußern sich ähnlich. „Wir arbeiten in Offenbach und sorgen dafür, dass es hier überhaupt noch Läden oder Praxen gibt – aber an uns denkt man natürlich nicht“, sagt die Angestellte einer Arztpraxis, die ihren Namen aber nicht in der Zeitung lesen möchte.

Auch der Vorschlag von Planungsdezernent Paul-Gerhard Weiß, die betroffenen Pendler könnten sich einen Platz in einem Parkhaus mieten, stößt auf wenig Gegenliebe. „Mit dem Gehalt eines Dezernenten oder Bürgermeisters geht das bestimmt – aber für eine Praxisangestellte oder Frisörin ist das doch Unfug!“, schimpft eine Pflegerin am Telefon.

ÖPNV für Pflegekräfte in Offenbach keine Alternative

Auch für Matthias Schneider ist der ÖPNV in Offenbach keine Alternative. „Wir müssen pünktlich auf Station sein. Den Patienten zu sagen, sie werden nicht behandelt, weil der Zug zu spät war, geht einfach nicht.“ Zumal er und Kollegen schon Fahrgemeinschaften bilden, um so weniger Parkplätze zu benötigen und die Verkehrsbelastung zu verringern.

„Ich denke, wir Angestellten wären bereit, die Anwohner-Jahresgebühr zu zahlen oder auch etwas weiter zu laufen, wenn uns dafür etwas zum Parken zur Verfügung gestellt würde“, sagt er. Doch die aktuelle Planung sei „an der Realität vorbei“. „Dann stellen sich alle wieder auf die Balkone, und es wird geklatscht und gehofft, dass es irgendwie schon klappt. Aber an die Pflegekräfte denkt die Stadt nicht – da erkennt man, welchen Stellenwert die Pflege hat“, sagt er.

Katholisches Krankenhaus in Offenbach sucht Gespräch mit der Stadt

Auch Besucher des Klinikums sorgen sich um die Erreichbarkeit. „Ich muss regelmäßig meine Mutter ins Ketteler für Untersuchungen bringen, das braucht schon länger als zwei Stunden Parkzeit – hat die Stadt denn überhaupt mal das Krankenhaus gefragt, bevor sie einfach Pläne macht?“, will Johanna Ulrich wissen.

Tatsächlich hat die massive Kritik der Angestellten dazu geführt, dass die Leitung des katholischen Krankenhauses in Offenbach nun das Gespräch mit der Stadt sucht. Wegen laufender Verhandlungen wollte die Geschäftsführung aber keine Stellungnahme abgeben. (Frank Sommer)

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