„Beggars Banquett“

In Offenbachs Parkside Studios ist wegen Corona zur Musik der Rolling Stones nur Mitwippen erlaubt

Musiker auf der Bühne spielen Rolling-Stones-Lieder
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Die Glitter Twins servierten beim Bettler-Bankett Leckerbissen für die Ohren.

Nur wenige können Musik und musikalische Verläufe so treffend und präzise in Worte kleiden wie die HR-Legende Volker Rebell. So ist es am Donnerstagabend vor allem dem wortgewandten Hessen zu verdanken, dass die rund 80 Zuschauer im Hof der Parkside Studios an der Friedhofsstraße das weltbekannte 1968er „Beggars Banquet“ der Rolling Stones mit ganz anderen Ohren genießen können.

Offenbach - Mit einer Mischung aus Anekdoten, Hintergrundinfos und Übersetzungen der Songtexte kommen im ersten Teil des knapp dreistündigen Konzertes nicht nur Stones-Fans auf ihre Kosten. Während es heutzutage dank TV-Serien wie „Lucifer“ fast schon selbstverständlich scheint, den Teufel als coolen Typen darzustellen, war die Eröffnungsnummer des Albums, das wegweisende „Sympathy For The Devil“, in den 60ern durchaus noch eine Provokation.

Gänzlich anders verhält es sich mit dem „Stray Cat Blues“, der von dem sexuellen Verlangen eines Mannes erzählt, der sich nach illegalem Sex mit einem 15-jährigen Groupie sehnt. Solch schlüpfrige, anrüchige Texte sind bei dem Stones-Album mit der Toilette auf dem Cover keine Seltenheit, weshalb Rebell immer wieder mit einem Augenzwinkern dazu auffordert, Kindern bei der Übersetzung die Ohren zuzuhalten.

Glücklicherweise zog niemand der jubelnden Zuschauer diese Aufforderung tatsächlich in Betracht. Zu unterhaltsam und kurzweilig waren Rebells Impressionen aus den wilden Sechzigern, die durch mehrere Fotografiken von Bild-Designer Gerd Coordes unterstützt wurden.

Doch was wäre ein Stones-Abend ohne Livemusik? Mit der exquisiten, siebenköpfigen Stones-Coverband Glitter Twins hatte der wortgewandte Musikexperte kongeniale Partner an seiner Seite. Äußerst dynamisch und dennoch im höchsten Maße banddienlich gestaltete sich das Spiel von Drummer Klaus Schmidt, der nicht nur beim letzten Song des Albums „Salt Of The Earth“ das Salz und die pikante Note des stilechten Stones-Sounds ausmachte. Nicht minder beeindruckend Keyboarder Didi Müller, der im Vergleich zur Gitarre allerdings etwas zu leise ausgesteuert war.

Mit packenden Soli standen die beiden Gitarristen Achim Schnall und der virtuose Rolf Bussalb meist im Vordergrund. Ebenso Frontmann und Sänger Peter „Fips“ Schmidt, der sich zunächst daran gewöhnen musste, vor sitzendem Publikum auftreten zu müssen. Komplettiert wurde das Ensemble von Christian Felke (Saxofon) und Bassist Klaus Bussalb.

Während im ersten Teil sämtliche Titel des „Bettler-Banketts“ auf dem Programm standen, ging es nach der Pause mit einer Sammlung unterschiedlicher Stones-Hits und Titel anderer Interpreten furios weiter.

Wegen des Tanzverbots wippte das Publikum auf den Plätzen mit und genoss einen wunderbar-sonnigen Sommerabend mit erstklassiger Musik. Dabei machte dieser Live-Radio-Abend im Rahmen des Festivals Parkside im Hof Lust auf die zwei Folgekonzerte am Freitag (die Glitter Twins mit dem Stones-Album „Let It Bleed“) und am Samstag (die Lonely Hearts Club Band und die „Beatles-Essenz“). Vor dem Hintergrund dieses Mammutprogramms empfahl Sänger Schmidt dem Leiter der „rebell(i)schen Studiobühne“ seine hörbar angeschlagene Stimme zu schonen.

Von Sebastian Krämer

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