Pfarrer Bundschuh befürwortet und lebt Homo-Ehe

„Gleichgeschlechtliche Paare gleichstellen“

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FRAGEN AN... Joachim Bundschuh Stefan Gehrmann und Joachim Bundschuh (von links) leben seit sechs Jahren in einer eingetragenen Partnerschaft.

Offenbach - Der Offenbacher Pfarrer Joachim Bundschuh lebt seit 2009 in einer eingetragenen Partnerschaft mit einem Mann.

Im Interview berichtet er, dass Eheschließungen homosexueller Paare in der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau den traditionellen Trauungen gleichgestellt sind – und dass er eine Gleichstellung vor dem Gesetz für überfällig hält. Die Fragen stellte Claudia Pfannemüller.

Herr Bundschuh, Sie sind evangelischer Pfarrer und leben in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft mit einem Mann. Wie erleben Sie die Diskussion um die gesetzliche Gleichstellung der Homo-Ehe?

Ich freue mich darüber, dass in unserer Gesellschaft derzeit so viele Menschen für die volle Gleichstellung homosexueller Partnerschaften Stellung beziehen. Die vollgültige Ehe für gleichgeschlechtliche Paare gibt es ja nicht nur in Irland, sondern in sehr vielen Staaten der Erde. Auch in Deutschland ist die gesetzliche Gleichstellung überfällig. Für mich ist nicht nachvollziehbar, warum hierzulande immer nur nach Urteilen des Bundesverfassungsgerichts scheibchenweise Zugeständnisse gemacht werden. Gesamtgesellschaftlich scheint es eine Mehrheit für die komplette Gleichstellung zu geben. Gerade in religiösen Kreisen gibt es aber Stimmen, die dagegen argumentieren.

Begegnen Sie oft religiös motivierter Schwulenfeindlichkeit?

Ich lebe in einer eingetragenen Partnerschaft und habe immer sehr viel Unterstützung von Seiten meiner Landeskirche erlebt. Auch als Pfarrer in Offenbach habe ich nie Probleme wegen meines Schwulseins gehabt. Natürlich sind auch in unserer Landeskirche der Segnung homosexueller Paare lange theologische Diskussionen vorausgegangen. Es geht darum, die Bibel für unsere Zeit zu übersetzen. Ich sehe unsere Kirche in einer Vorreiterrolle, was die Gleichstellung Homosexueller angeht. Ein fundamentalistischer Blickwinkel, der Homosexualität als behandlungsbedürftig ansieht, ist in der evangelischen Kirche – Gott sei Dank – eine absolute Minderheitsposition.

Warum war es Ihnen persönlich wichtig, Ihre Partnerschaft in der Kirche segnen zu lassen?

Vor dem Standesamt und in der Kirche haben wir uns öffentlich zueinander bekannt. Die Ehe ist ein Vertragswerk zwischen zwei Menschen, die sich lebenslange Unterstützung zusagen. Ich habe geheiratet, weil ich mit diesem Menschen alt werden will und für ihn da sein möchte, wenn er meine Hilfe braucht. Das ist ein großes Versprechen, und deshalb war uns Gottes Segen wichtig. Darin unterscheiden wir uns nicht von heterosexuellen Paaren.

Als Grund gegen die Gleichstellung der Homo-Ehe wird häufig das Adoptionsrecht angeführt. Brauchen Kinder männliche und weibliche Rollenvorbilder, um ihre Identität auszubilden?

Natürlich ist es wichtig, dass Kinder Kontakt zu beiden Geschlechtern haben. Aber Kinder haben ja sowieso nicht nur ihre Eltern als Bezugspersonen. Eine Gleichstellung mit der Ehe schließt auch das Recht zu adoptieren ein. Ich halte es für sinnvoll, Adoptiveltern zu begleiten. Eine Adoption und auch eine Pflegeeltern- oder Stiefelternschaft ist nie leicht – weder für die betroffenen Kinder noch für ihre Eltern. Ich habe zwei Stiefkinder, die regelmäßig bei uns sind. Sie gehen sehr unterschiedlich mit unserem Schwulsein um. Öffentlich „Das ist mein Vater und sein Mann“ zu sagen ist nicht einfach, aber wir gestehen den Kindern diese Schwierigkeiten zu. Letztlich ist aber sowohl in der Ehe als auch in der Familie entscheidend, wie man miteinander umgeht. Eine liebevoll gestaltete Beziehung ist für Kinder wichtiger als die sexuelle Orientierung ihrer Eltern. 

mt

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