Pflege

Tiefrote Zahlen: Arbeiter Samariter Bund (ASB) trennt sich von Sozialstation

+
Seit einigen Monaten dienen ehemalige Räume der Sparkasse Offenbach neben der Kirche St. Konrad an der Waldstraße dem ASB als Sozialstation. Regierungspräsidiums umgebaut werden musste. 

In Offenbach ist der ASB mit seinem Sozialdienst Anfang 2019 in die Waldstraße umgezogen. Die Pflege-Station schreibt tiefrote Zahlen. Nun kommt die Trennung.

Offenbach - Jetzt will der Regionalverband Mittelhessen der Hilfsorganisation das für ihn defizitäre Angebot häuslicher Pflege nicht länger selbst aufrechterhalten.

ASB-Vorsitzender Marcus Schönbach bestätigt die unserer Zeitung zugetragenen Informationen über den Inhalt einer Betriebsversammlung, in der die 30 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter über den für den 31. Dezember angepeilten Schritt unterrichtet wurden: Beabsichtigt sei, diese Sparte in andere Hände zu geben. Gespräche würden mit einer Institution und zwei privaten Anbietern geführt.

Offenbach: ASB möchte Arbeitsplätze in der Waldstraße erhalten

Ängste des Personals um seine Arbeitsplätze will Schönbach ebenso zerstreuen, wie er Unruhe unter den rund 450 Patienten vermeiden möchte. „Wir wollen uns einen Partner aussuchen, der sowohl Kunden als auch Mitarbeiter übernimmt“, versichert der Verbandsvorsitzende, der auch zweiter Mann an der Spitze des Landes-ASB ist. Er ist sicher, auf dem stark umkämpften Markt der Pflege eine Lösung in der erwünschten Form zu finden: „Es ist uns wichtig, dass soziale Bindungen bestehen bleiben, dass die Kunden die Menschen behalten, die sie pflegen.“ Ziel sei ein Gesamtpaket, bei dem jeder erkennen könne, wohin die Reise gehe.

Tiefrote Zahlen in Offenbach bewegen ASB zur Trennung 

Der im Juli für Offenbach beschlossene Teil eines „Restrukturierungsprozesses“ in Mittelhessen hat seine Ursache in einer drastischen finanziellen Schieflage. „Wir bringen bei jeder Dienstleistung praktisch Geld mit“, formuliert es Schönbach. Im Gegensatz zu den ASB-Pendants in Karben und Altenstadt, die zwar keinen Gewinn abwerfen, sich für den Wohlfahrtsverband aber tragen, schreibt Offenbach laut dem Vorsitzenden seit fünf Jahren tiefrote Zahlen. Warum es diese Unterschiede in der Rentabilität gibt, hängt an einer Vielzahl von derzeit nicht öffentlichen Umständen.

ASB-Vorstand scheint später Kenntnis von den Verlusten erhalten zu haben

Der Vorstand scheint erst spät Kenntnis vom Verlustgeschäft erhalten zu haben. Laut Schönbach hätte es genügend Zeit zum Gegensteuern gegeben, Maßnahmen wären seitens der örtlichen Bereichs- und Pflegedienstleistung früher einzuleiten gewesen. „Wir haben uns als Vorstand auf die Leitung auf der operativen Ebene verlassen“, sagt Marcus Schönbach.

Pflegekräfte, die anonym bleiben möchten, äußern sich gegenüber unserer Zeitung „schockiert und stinksauer, dass so lange nichts unternommen wurde“.

ASB-Sozialstation in Offenbach gab es sehr lange 

Die strategische Entscheidung, sich von einem Bereich zu trennen, den man sich nicht mehr als Zuschussbetrieb leisten will, wurde im Juli beschlossen. An der ASB-Spitze ist man sich bewusst, einen einschneidenden Schritt zu gehen. Die Offenbacher Sozialstation, die es schon sehr lange gibt, gilt als elementare Institution. Der Vorstand glaubt jedoch nicht, dass es aus eigener Kraft gelingen kann, das zu korrigieren, was den Offenbacher Pflegedienst in den vergangenen fünf Jahren negativ begleitet hat.

Die mittelhessischen Arbeiter-Samariter haben bereits andere schmerzliche Erfahrungen mit finanziellen Schieflagen hinter sich. Vor acht Jahren war bekannt geworden, dass der Verband ein – danach bald durch ein Programm zur Kostenreduzierung korrigiertes – Millionendefizit eingefahren hatte.

Von Thomas Kirstein

Die Trennung ist nicht das einzige, das die Stadt beschäftigt. In Offenbach soll das Klima bald so warm sein wie an der kroatischen Mittelmeerküste.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare