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Offenbach: Weihnachtsmarkt unter unter Corona-Bedingungen - so kann es klappen

Der Offenbacher Weihnachtsmarkt 2019 - der diesjährige Markt wird so keinesfalls möglich sein.
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Der Offenbacher Weihnachtsmarkt 2019 - der diesjährige Markt wird so keinesfalls möglich sein.

Die Veranstalter des Weihnachtsmarkts in Offenbach erarbeiten ein Konzept, mit dem der Büdchenzauber auch in der Corona-Krise stattfinden kann.

Offenbach – Ob in diesem Jahr am Stadthof und dem Aliceplatz Glühwein ausgeschenkt und gebrannte Mandeln verkauft werden können, hängt jedoch vor allem von zwei Faktoren ab: Zum einen gibt es noch keine Entscheidung des Bundes, ob Weihnachtsmärkte in Corona-Zeiten generell gestattet sind. Zum anderen muss noch geklärt werden, wie der Schadensersatz geregelt würde, wenn es zu einer Schließung der zuvor genehmigten Märkte käme.

Das sind zwei nicht geringe Vorbedingungen – und doch gibt sich Kohlweyer gegenüber unserer Zeitung hoffnungsvoll: „Ich gehe im Moment davon aus, dass ein gutes Corona-Konzept dazu führen kann, dass ein Weihnachtsmarkt machbar ist.“

Weihnachtsmark in Offenbach in der Corona-Krise: Entscheidung über Öffnung bis Oktober

Der langjährige Organisator hat sein Konzept bereits Oberbürgermeister Felix Schwenke, Ordnungsdezernent Peter Freier und dem Gesundheitsamt vorgestellt, in der zweiten Septemberwoche will er es den Beschickern präsentieren. Die Reaktionen darauf seien durchweg positiv. Kohlweyer hofft, dass bis Oktober entschieden ist, ob der Markt abgehalten werden kann.

Sicher ist, dass das bisherige erlebnisorientierte Konzept eines Marktes mit einzelnen mietbaren Hütten in diesem Jahr nicht machbar ist. „Der Markt wird nicht vergleichbar sein mit dem, was wir bisher hatten“, sagt Kohlweyer, „und auch was Besucherzahlen und Einnahmen anbelangt, muss man die bisherigen Zahlen aus dem Kopf streichen.“ Allen Beteiligten aber sei an der Veranstaltung gelegen – eben auch, um die langjährigen Beschicker zu unterstützen.

Corona in Offenbach: Konsequenzen für den Weihnachtsmark

Kohlweyers Planung sieht vor, dass der Markt komplett umgestaltet wird: Verkäufer und Kunden sollen durch Plexiglasscheiben an den Ständen getrennt sein, Buden ohne Lebensmittel, etwa der Kerzen- oder Lammfellverkauf, würden in Richtung Frankfurter Straße wandern. Da laut der vor einigen Wochen veröffentlichten Landesverordnung kein Verzehr auf den Wegen und an den Buden erfolgen darf, würden die überdachten Unterstände, die bisher in der Mitte des Fußweges waren, komplett entfallen, ebenso die mietbaren Hütten.

Getränke und Speisen dürfen nur in eigenen Verzehr-Arealen genossen werden, für jeden Stand mit Getränken und Speisen muss daher ein eigener Bereich mit separatem Ein- und Ausgang ausgewiesen werden. „Sitzplätze werden kaum möglich sein, dafür fehlt uns der Platz“, sagt er.

Maskenpflicht auf dem Weihnachtsmark in Offenbach

Außerdem würde auf dem gesamten Markt mit Ausnahme der Verzehrbereiche eine Maskenpflicht gelten. An mehreren, eigens installierten Stationen könnten sich die Besucher ihre Hände desinfizieren.

Wie bei einem Puzzlespiel hat Kohlweyer für die Stände den Platz ausgemessen – und tatsächlich wäre es möglich, für alle eigene Verzehrareale auszuweisen. Auch beim Verkauf an den Buden würden Plexiglasscheiben und ein Wegekonzept mit getrennten Ein- und Ausgängen für die Einhaltung der Abstandsregeln sorgen. „Vom Einbahnstraßenkonzept des Schaustellerverbandes halte ich wenig –- für jeden Markt muss ein indiviuelles Konzept entworfen werden“, sagt Kohlweyer.

Organisator des Weihnachtsmarkts in Offenbach kündigt strenge Corona-Kontrollen an

Wichtig sei auch, dass sich alle Beschicker streng an die Vorgaben hielten. „Ich werde in die Verträge deutliche Strafen hineinschreiben und werde selbst kontrollieren – wer sich nicht an das Konzept hält, muss notfalls seinen Stand abbauen“, sagt er. Er sei nicht bereit, die Gesundheit der Besucher und den gesamten Markt wegen des Fehlverhaltens einzelner Beschicker zu gefährden.

Das Konzept sieht auch Maßnahmen vor, sollten die Corona-Fallzahlen steigen und die Besucherzahlen begrenzt werden müssen. „Im äußersten Fall könnte der ganze Markt umzäunt und mit Einlasskontrollen versehen werden“, sagt er.

Hohe Mehrkosten für Corona-Maßnahmen beim Weihnachtsmark in Offenbach

Umbauten, Umzäunungen, Desinfektionsstationen und möglicherweise Einlasskontrollen: Alle diese Vorschläge sind mit teils erheblichen Kosten verbunden. Kohlweyer schätzt, dass sich die Organisation des Weihnachtsmarktes in diesem Jahr um einen fünfstelligen Betrag, „mindestens 20 000 Euro“, verteuern werde.

Auf ein Bühnenprogramm müsste in diesem Jahr komplett verzichtet werden, nur die Krippe würde aufgebaut. Was die beliebte Päckchenversteigerung des Einzelhandels für einen guten Zweck anbelangt, so überlegt Kohlweyer, diese in kleinerem Rahmen für maximal 50 Besucher durchzuführen. „Was mir aber sehr wichtig ist: Die Geschenk-Aktion für die Tafel-Kinder, die wird es wieder geben“, sagt Kohlweyer, „auf ihre Geschenke sollen die Kinder nicht wegen Corona verzichten müssen.“

Doch über allem steht noch die Frage, wie Bund oder Land reagieren, sollten die Corona-Fallzahlen im November und Dezember wieder ansteigen. „Ich fände es unabdingbar, dass die Öffnungshoheit bei den jeweiligen Kommunen liegt und dass nicht über deren Köpfe hinweg eine Schließung angeordnet werden kann.“ Wie es um die Stadtteil-Weihnachtsmärkte bestellt ist, dazu lagen bei Redaktionsschluss keine Informationen vor. Von Frank Sommer

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