OVB mit Verlusten

Busnetz wird ausgeweitet: So will Offenbach das Millionen-Projekt angehen

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In Offenbach steht ein aufwendiges Millionenprojekt an: Das Bus-Netz soll kräftig wachsen. Schon errichtet, aber noch nicht in Betrieb ist die künftige Haltestelle in der Oberen Grenzstraße.

In Offenbach steht ein aufwendiges Millionenprojekt an: Das Bus-Netz soll kräftig wachsen. Aber was genau ist für die Ausweitung geplant?

Offenbach – Für Autofahrer stellen sie aktuell Hindernisse dar, ihre Notwendigkeit ist über jede Kritik erhaben. Die Rede ist von jenen Bushaltestellen-Baustellen in der Stadt, die zur Erfüllung gesetzlicher Anforderungen notwendig sind. „Nach dem Personenbeförderungsgesetz müssen alle Haltestellen bis zum 1. Januar 2022 barrierefrei ausgebaut sein“, heißt es aus dem Rathaus. Bei dem Vorhaben ist Offenbach schon relativ weit. 

Von 280 Haltestellen sind nach Angaben von Jörg Muthorst, Sprecher der Offenbacher Verkehrsbetriebe (OVB), bereits 256 (Stand September 2019) umgebaut. Die restlichen sollen im nächsten Jahr folgen. Unter „Haltestelle“ verstehen die Fachplaner eigentlich jeweils zwei gegenüberliegende Haltepositionen. Folglich gibt es in der Stadt 140 Haltestellen mit 280 Haltepositionen. Finanziert wird deren Barrierefreiheit zu 55 Prozent aus Fördergeld, die restlichen 45 Prozent trägt die Stadt aus ihren Haushaltsmitteln.

Zu den bestehenden Haltestellen kommen im Zuge des Ausbaus des städtischen Busnetzes in der wachsenden Stadt Offenbach neue hinzu. Teilweise wurden sie im Vorgriff auf die mit der zweiten Phase des Nahverkehrsplans beschlossenen Ausweitung der Verkehrsleistungen ab dem Fahrplanwechsel 2021 schon errichtet.

Offenbach: Barrierefreie Haltepositionen fertig, aber noch rollt kein Bus

Wie zum Beispiel in der Oberen Grenzstraße in Höhe der Markuskirche, wo bereits zwei barrierefreie Haltepositionen geschaffen wurden, aber noch kein Bus rollt. In Richtung Untere Grenzstraße, so erläutern die Fachplaner der Stadtverwaltung, werde voraussichtlich vorwiegend eingestiegen, weshalb dort die Halteposition auch mit Überdachung und Sitzgelegenheit versehen wurde. In der Gegenrichtung handele es sich um einen Ausstieg, der lediglich mit dem sogenannten Bus-Sonderbord, einer Erhöhung um 22 Zentimeter, sowie taktilen Bodenindikatoren, sprich Rillen- oder Noppenplatten für Blinde und Sehbehinderte, ausgestattet ist.

Insgesamt werden mit Blick aufs erweiterte Busnetz noch 13 Haltepositionen neu errichtet. Unter anderem am Mainzer Ring in Bürgel, wo das Neubaugebiet Bürgel-Ost mit vier neuen Haltestellen (acht Haltepositionen) versorgt wird. Für das Baugebiet Bieber-Nord würden wegen der Nähe zur S-Bahn keine neuen Busverbindungen und auch keine Haltestellen geschaffen, heißt es. Die Kosten pro neuer Haltestelle werden auf rund 67.000 Euro (inklusive Planung) beziffert. Beim Umbau der bestehenden Bus-Stopps fallen Kosten von jeweils rund 43.000 Euro an.

Was die geplante Ausweitung des Angebots in Zahlen bedeutet, macht OVB-Sprecher Muthorst deutlich: Zum Fahrplanwechsel 2018 war die Verkehrsleistung durch verdichtete Taktzeiten und verlängerte Betriebszeiten von jährlich 3,3 auf 4,1 Millionen Kilometer ausgeweitet worden. Voraussichtlich zum Fahrplanwechsel 2021 kommen durch die geplante Erschließung neuer Siedlungsgebiete weitere 500.000 Kilometer hinzu.

Offenbach: Geplante Ausweitung des Busnetzes in Zahlen

Die dadurch entstehenden Mehrkosten sind nur ein kleiner Teil im Nahverkehrs-Gesamtpaket, welches die OVB stemmen muss. Der dickste Brocken ist die Elektrifizierung der Busflotte (36 Fahrzeuge bis 2022 plus Infrastruktur), bei der die OVB wie berichtet mit einem Eigenanteil von 12,2 Millionen Euro dabei sind. Es sind die Investitionen in Form der Errichtung der Ladeinfrastruktur, derAnschaffung der E-Busse (Mehrkosten gegenüber konventionellen Bussen) für Offenbach, berichtet op-online.de*, und der erforderlichen Planungs- und Organisationsleistungen. 

„Diese Investitionskosten werden in unterschiedlichen Zeiträumen abgeschrieben“, sagt Muthorst. Die Ladeinfrastruktur verteile sich auf die Standorte Hebestraße, An den Eichen und Kaiserlei. Sie bestehe aus einer Reihe von Einzelbausteinen wie zum Beispiel Transformatoren, Software und Planungsleistungen und anderes mehr. Diese Einzelbausteine seien mit unterschiedlichen Nutzungsdauern hinterlegt, die sich zwischen fünf und 25 Jahren bewegten. Die Investitionen würde über Kredite mit langer Zinsbindung finanziert. Das sei beim aktuellen Zinsumfeld günstig.

Die Wirtschaftsplanung der Offenbacher Verkehrsbetriebe für die Jahre 2020 bis 2024 geht laut Muthorst von einer jährlichen Ergebnisverschlechterung aus. Sie berücksichtigt dabei die in den vergangenen Monaten getroffenen Beschlüsse, insbesondere den der Stadtverordnetenversammlung, wonach die Stadtwerke Offenbach Holding jährlich acht Millionen Euro Betriebsverluste des Geschäftsfeldes Mobilität und die Stadt Offenbach mit Haushaltsmitteln in Höhe bis zu zwei Millionen Euro in 2020 und in den Folgejahren jeweils bis zu sechs Millionen Euro übernehmen.

VON MATTHIAS DAHMER

*op-online.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks

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