Wasserratten brauchen Geduld

Offenbach plant Schwimmbad-Öffnung: Es wird noch einige Zeit dauern

Bild aus anderen Tagen: So unbeschwert wie im vergangenen Jahr wird 2020 nicht auf der Rosenhöhe geplanscht werden können. 
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Bild aus anderen Tagen: So unbeschwert wie im vergangenen Jahr wird 2020 nicht auf der Rosenhöhe geplanscht werden können. 

Schwimmfreunde in Offenbach müssen tapfer sein: Bis im einzigen Schwimmbad im Stadtgebiet wieder Bahnen gezogen werden dürfen, wird noch etwas Zeit vergehen. 

Offenbach – Frühestens zum 29. Juni wird es für die Allgemeinheit möglich sein, wieder auf der Rosenhöhe zu schwimmen – unter strengen Hygieneauflagen. Spontanen Badespaß wird es in diesem Jahr nicht geben, denn aller Voraussicht nach wird der Zugang nur nach Voranmeldung möglich sein.

Zwar hat die hessische Landesregierung am Mittwoch erklärt, dass Vereinsschwimmen ab 1. Juni grundsätzlich erlaubt sein soll – doch nicht in allen Kommunen wird dies möglich sein. Einige Städte haben bereits angekündigt, dass ihre Schwimmbäder aus Kostengründen geschlossen bleiben werden. Denn sicher ist: Die Anzahl der Personen, die die Bäder gleichzeitig nutzen können, wird begrenzt sein – und somit auch die Einnahmen. Für so manche finanziell klamme Stadt rechnet sich dann eine Öffnung nicht.

In Offenbach aber soll das Waldschwimmbad wieder öffnen, teilt die Stadt am Wochenende mit – jedoch nicht zum 1. Juni. In Abstimmung mit dem Schwimmclub EOSC, der im Auftrag der Stadt das Bad betreibt, ist die Wiederaufnahme des Trainingsbetriebs für Vereinsmitglieder zum 22. Juni geplant.

„Meine Magistratskollegen und ich verstehen den Wunsch vieler Vereinsmitglieder, sehr bald wieder Schwimmen zu können“, sagt Oberbürgermeister Felix Schwenke. Auch der Wunsch der Bürger nach Öffnung des Bades sei verständlich. Allerdings müssten dafür umfangreiche Hygieneregeln erarbeitet und deren Umsetzung garantiert werden. Anders als bei rein hauptberuflichen Bäderbetrieben sei das in der hiesigen Situation jedoch eine Herausforderung, heißt es.

Im städtischen Verwaltungsstab, in dem alle Belange rund um die Corona-Krise abgestimmt werden, sei die Badöffnung intensiv mit dem EOSC-Vorsitzenden Matthias Wörner diskutiert worden. „Daher hatten wir vereinbart, die endgültigen Vorgaben aus Hessen abzuwarten. Für die jetzt anstehende Finalisierung und Umsetzung eines Konzepts, das nicht nur auf dem Papier, sondern auch in der Praxis Hygiene und Zutrittsbeschränkungen sicherstellt, benötigt der Verein daher verständlicherweise noch etwas Vorlaufzeit“, erläuterte Schwenke.

Denn offene Fragen und organisatorische Herausforderungen gebe es genug: So muss etwa eine Obergrenze festgelegt werden, wie viele Menschen gleichzeitig das Bad betreten dürfen, um die geltenden Abstandsregeln einzuhalten. Oder wie viele Personen gleichzeitig in einem Becken schwimmen dürfen. „Eine zentrale Frage ist dabei immer auch, welche zusätzlichen Betriebskosten für Verein und Stadt entstehen, während gleichzeitig mit deutlich weniger Einnahmen zu rechnen ist“, sagt Kämmerer Peter Freier. Immerhin sei der Schwimmbadbetrieb schon vor der Corona-Krise jährlich mit mehr als 900 000 Euro aus dem städtischen Haushalt bezuschusst worden.

Momentan ist geplant, dass ab 22. Juni im Training befindliche Vereinsmitglieder wieder die 25- und 50-Meter-Becken nutzen dürfen. Gesperrt bleibt jedoch die Legewiese. „Sollte das Land Hessen bis dahin auch die allgemeine Freigabe der Bäder für die Öffentlichkeit entschieden haben, wollen wir zum 29. Juni auch alle anderen Mitglieder sowie Nicht-Mitglieder wieder in die Becken lassen“, kündigte Stadtrat Paul-Gerhard Weiß an. Er ist überzeugt, dass eine Woche Probebetrieb mit den trainierenden Vereinsmitgliedern ausreicht, um die neuen Abläufe – sprich: Einhaltung der Hygiene- und Abstandsregeln – im Schwimmbad einüben und gewährleisten zu können.

Wenn das Bad wieder für die Allgemeinheit geöffnet wird, muss der Zutritt über eine vorherige Anmeldung gesteuert werden, erklärt Weiß. „Es wird also für niemanden die Möglichkeit geben, vor Ort an der Kasse eine Karte zu kaufen. Details zum Ticketkauf werden bekannt gegeben, sobald sie final feststehen“, sagt er. Bei der Frage nach der Anzahl der Badegäste, die sich gleichzeitig im Schwimmbad aufhalten dürfen, will sich die Stadt nach den Vorgaben der Deutschen Gesellschaft für das Badewesen richten.

Ungeklärt ist noch, ob die Traglufthalle über dem 50-Meter-Becken abgebaut wird oder bis zum Saisonende bestehen bleibt. „Hallenbäder sind zur Öffnung erlaubt. Wenn die Halle stehen bleibt, spart das rund 30 000 Euro für Umbauarbeiten“, sagt Gesundheitsdezernentin Sabine Groß, „ob sie stehen bleiben kann, hängt davon ab, ob das Frischluftgebläse der Halle das potenzielle Infektionsrisiko nicht erhöht.“ Das Gesundheitsamt will sich zu dieser Fragestellung in den kommenden Tagen äußern, dann wird entschieden, ob die Halle stehen bleibt. Im Falle eines Abbaus würde der EOSC knapp drei Wochen Zeit dafür benötigen.

Eine gute Nachricht gibt es immerhin auch: Die Eintrittspreise sollen laut Stadt für dieses Kalenderjahr unverändert bleiben. Allerdings könnte sich das im kommenden Jahr ändern, wenn die Corona-Krise und die damit verbundenen Auflagen weiter andauern. Den steigenden Betriebskosten müsste dann in Form von höherem Eintritt Tribut gezollt werden.

Der Schultheisweiher ist in diesem Jahr übrigens keine Alternative für Badefreunde: Wie bereits vor der Corona-Krise bekannt gegeben, ist der Weiher der schlechten Wasserqualität wegen für das gesamte Jahr für den Badebetrieb gesperrt.  

som

Die Wiedereröffnung der Schwimmbäder nach der Corona Zwangspause ist eines der drängendsten Themen der letzten Tage. Doch auch ohne Corona-Sperrung sorgt der Mangel an Schwimmmöglichkeiten in Offenbach immer wieder für Unmut und Diskussion. 

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