Lob für Bad und Betreiber

Offenbach - Es war offenbar so etwas wie ein Weckruf für die Politik, als die Spitze des Ersten Offenbacher Schwimmclubs (EOSC) in ihrer Funktion als Betreiber des einzigen Schwimmbads der Stadt vor kurzem auf die eigentlich nicht mehr tragbaren Risiken des Betriebs hinwies (wir berichteten). Von Matthias Dahmer

Seitdem überschlagen sich die Parteien mit Solidaritätsbekundungen für eine Einrichtung, die – und da sind sich alle einig – unverzichtbar für eine Großstadt ist. Nur: Konkrete Lösungen hat bislang niemand zu bieten. .

Im Gegenteil: Bei Stadtkämmerer Michael Beseler, dem Hüter der städtischen Finanzen etwa, ist die dramatische Situation offenbar noch gar nicht angekommen. In Verkennung der Tatsache, dass da nicht die Stadt großzügig einen Verein unterstützt, sondern der EOSC mit viel ehrenamtlichem Engagement für die Kommune ein Schwimmbad betreibt, wird er dieser Tage mit den Worten zitiert, er sehe das Problem nicht. Die Stadt kenne die finanzielle Lage des Bades, aber sie könne nicht dafür zahlen, wenn mal eine Saison schlecht laufe und dem Verein dadurch Geld fehle.

„EOSC-Bad wird nicht untergehen“

Von ähnlicher Qualität ist in Teilen das, was die Grünen gestern via ausführlicher Pressemitteilung verlautbaren: Unter der Überschrift „EOSC-Bad wird nicht untergehen“ machen sie zwar zunächst deutlich, dass das Schwimmbad auf der Rosenhöhe erhalten bleiben muss, weil es „ein unverzichtbares Minimalangebot für unsere Bürgerinnen und Bürger“ sei. Der Verein werde auch künftig eine wichtige Rolle spielen. Und: „Wir lassen den EOSC nicht im Regen stehen“, so die Stadtverordnete Brigitte Koenen.

Doch dann verweist sie à la Beseler darauf, dass „der Verein schon jetzt die Last des Badbetriebs nicht allein tragen muss“. Ohne den jährlichen Zuschuss von 440.000 Euro sowie die Einnahmen der Badkasse in Höhe von bis zu 145.000 Euro, rechnet die Politikerin vor, sei das Bad gewiss nicht zu halten. Bei den Betriebskosten springe die Stadt jetzt schon ein, um Defizite aufzufangen.

Keinen müden Euro beigetragen

Zur Verdrehung des tatsächlichen organisatorischen Konstrukts passt das auch schon von Oberbürgermeister Horst Schneider gehörte Loblied auf kommunale Großzügigkeit: die Aussage nämlich, die Stadt habe schließlich das 50-Meter-Becken mit millionenschwerem Aufwand saniert. Dabei war es Geld aus dem Konjunkturprogramm II, welches nur dank des damaligen EOSC-Vorstands um Ex-OB Walter Suermann ins Bad floss. Die Stadt hat bis auf die Antragstellung dazu keinen müden Euro beigetragen.

Immerhin: Das Bekenntnis zum Bad und seinem Betreiber ist bei allen wohl ein ehrliches. „Wir haben nicht die Absicht, den Verein hängen zu lassen“, versichert Schneider. Die Stadt habe bisher schon immer ausgeglichen, was auszugleichen war. So soll weiterhin verfahren werden. Ohne den EOSC, so der OB weiter, müsste die Stadt mindestens doppelt so viel für ihr Bad ausgeben. Edmund Flößer-Zilz (Grüne) ergänzt: „Es kann nicht sein, dass der EOSC seit Jahren den gleichen Zuschuss erhält, während die Energiekosten ständig steigen.“

Bislang angedachte Lösungen sehen die Grünen aber kritisch, sprechen mit Blick auf die CDU gar von Reflex. „Weder hat die Stadt das Geld, um 200 000 Euro mehr über den Tisch zu schieben, noch erscheint es mir realistisch, Sponsoren für solche Beträge zu finden“, so Brigitte Koenen. Gebraucht werde eine Analyse der finanziellen Situation und der organisatorischen Abläufe, um festzustellen, wie das Budget besser eingesetzt werden könne. Der Vertrag zwischen Stadt und Verein aus dem Jahr 1993 könnte sich da als ergänzungsbedürftig erweisen. Das alles loten Sportamt und Vereinsspitze derzeit in Gesprächen aus.

Für die Grünen kein Tabu ist der EOSC-Jahresbeitrag von 110 Euro (Einzelmitgliedschaft). „Moderate Anpassungen unter Berücksichtigung sozialer Aspekte sollten machbar sein.“

Rubriklistenbild: © dpa

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