Nach verdächtigen Beobachtungen

Polizisten mischen Kleindealerszene auf

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Mit der Polizei auf Kontrolle in der Innenstadt und in Offenbacher Parkanlagen: Wie Beamte die Kleindealerszene aufmischen. Ausweise bitte: Parkbesucher müssen immer mit der Offenbacher Polizei rechnen.

Offenbach - Mit der Polizei auf Kontrolle in der Innenstadt und in Offenbacher Parkanlagen: Wie Beamte die Kleindealerszene aufmischen.

Offenbacher haben verdächtige Beobachtungen beim Ordnungsamt und bei der Polizei gemeldet, beschweren sich über wenig vertrauenswürdige Gruppen, ahnen, dass nicht unbedingt legale Substanzen die Besitzer wechseln. Diese Mitteilungen sind regelmäßig Anlass für die Ordnungsmacht, einschlägig bekannten Orte mit groß angelegten Kontrollen zu unterziehen. Eine der jüngsten Aktionen durfte unser Fotograf Bernd Georg miterleben. Der folgende Bericht fußt auf seinen Beobachtungen:

Es ist 19 Uhr an der Schumannstraße, wo die Einsatzabteilung des Polizeipräsidiums Südosthessen residiert. Zwölf Beamtinnen und Beamte der Abteilung Sonderdienste werden für die folgenden Stunden eingewiesen. Es gibt Einsatzmappen, die Lagepläne von Grünanlagen, Luftbilder und Hinweise auf sämtliche Zu- und Ausgänge enthalten. Das Ziel ist definiert: Ermittlung und Festnahme von Drogendealern, die in den Parks angeblich ihren Stoff verkaufen.

Jugendlicher mit echter Rolex

Teams werden gebildet, Zivilfahrzeuge besetzt. Unterstützend dabei sind uniformierte Beamte von Schutz- und Wachpolizei. Die „Mobile Wache“, ein mit Laptop, Drucker und Internetanschluss ausgestatteter Mercedes Vito, postiert sich vor dem Klingspormuseum. Dort können Daten abgeglichen, Ausweise überprüft werden. Auch „Fast-ID“ ist möglich. So heißt im Polizeijargon die Schnell-Identifizierung mittels eines aktuellen Fingerabdrucks. Auch Drogenschnelltests sind machbar.

Im Dreieichpark begegnen den Beamten in Zivil an diesem Abend nur unverdächtige Hundeausführer. Gegen 20.50 Uhr geht ein Hinweis auf fünf junge Männer an der Ecke Kaiser-/Berliner Straße ein. Die Gruppe wird kontrolliert, wobei den Polizisten auffällt, dass einer der Jugendlichen eine echte Rolex am Handgelenk trägt. Süffisant klärt der 17-Jährige den Ordnungshüter über den Edel-Chronometer auf: „Weißt du, du arbeitest im falschen Business...“ Drei Angehörige des Quintetts sind polizeilich bekannt. Gegen die beiden anderen liegt nichts vor.

Kurze darauf sind die Löwen auf der Terrasse des Büsingpalais‘ das Ziel für die Beamten. Sieben Jugendliche haben sich dort versammelt, wollen sich verziehen, als die Polizei auftaucht. Vergeblich. Auch sie müssen sich kontrollieren lassen. Zwei weitere Zivilteams kommen dazu. Einer der Überprüften wird laut und legt sich mit dem Kontrollstellenleiter an. Ausgerechnet derjenige, der keinen Ausweis dabei hat.

Razzia im Park an der Bieberer Straße

Am Klingspormuseum kümmert sich derweil ein anderes Team um eine 16-Jährige. Das Mädchen hat nicht bloß im Park Marihuana geraucht, sondern auch am Körper weitere Tütchen Gras versteckt. Sie muss ins 2. Revier, wo die Anzeige wegen unerlaubten Drogenbesitzes aufgenommen wird. Da sie noch nicht volljährig ist, wird sie zu ihren Eltern begleitet.

Der Zeiger der Uhr steht inzwischen auf 23.30 Uhr. Die Aufklärer, die „Parksituationen“ beurteilen, können nichts Verdächtiges mehr entdecken. Fast will der Einsatzleiter die Aktion schon abblasen.

Doch da meldet sich der Trupp aus dem Leonhard-Eißnert-Park und berichtet von einer Gruppe aus zehn Jugendlichen, die sich an der Skateranlage aufhalten. Nach kurzer Besprechung wird die Razzia in den Park an die Bieberer Straße verlegt. Erschrocken zeigen sich die jungen Leute nicht, sie machen einen auf cool. Nutzt nichts: Die Beamten lassen sich Ausweise zeigen und untersuchen Taschen.

Und die Polizei wird fündig. Bei einem 18-Jährigen, der erst vor zehn Tagen den Führerschein bekommen hat, fördern die Beamten ein kleines, buntes Tütchen zu Tage. Sieht ein bisschen aus, als wären Fußballsammelbilder drin, ist tatsächlich aber gar nicht harmlos. Der Inhalt ist pure Chemie; synthetische Drogen. Bei dem jungen Mann, der inzwischen ordentlich nervös geworden ist, wird zudem ein „Crusher“ entdeckt, ein kleines Gerät, um Marihuana in rauchbare Form zu zerkleinern. Das dazugehörige Gras-Tütchen, drei Gramm sind drin, steckt in seiner Unterhose.

Kiffen, Koksen und Saufen bei den Stars

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Auch bei anderen Jugendlichen aus dem Eißnertpark finden sich Tütchen mit natürlichen und künstlich hergestellten Drogen. Die Uhr zeigt inzwischen 2.30 Uhr. An der Schumannstraße geht die Arbeit für die Beamten weiter. Am Computer ist zu erledigen, was früher Papierkram hieß. Kurz vor 4 Uhr am frühen Freitagmorgen ist der Einsatz in den Offenbacher Parks beendet. Die Bilanz des Abends und der Nacht: 30 kontrollierte Personen, vier Festnahmen und die entsprechenden Anzeigen. 

bg/tk

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