Sicherheit

Polizei in Offenbach unterbesetzt? Polizeipräsident weist Vorwürfe zurück

Im Neubau am Buchhügel werden die beiden bisherigen Innenstadtreviere zusammengezogen. Eine gemeinsam mit der Stadt betriebene Wache im Stadthaus soll die Präsenz der Polizei in der City weiter gewährleisten. Foto: peterek
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Im Neubau am Buchhügel werden die beiden bisherigen Innenstadtreviere zusammengezogen. Eine gemeinsam mit der Stadt betriebene Wache im Stadthaus soll die Präsenz der Polizei in der City weiter gewährleisten. 

Wirbel um die Polizei Offenbach: Beobachter kritisieren Personalmangel. Roland Ullmann sieht seine Truppe gut aufgestellt. 

Offenbach – Polizeipräsident Roland Ullmann weist die Kritik von SPD und Polizeigewerkschaft (GdP) zurück, wonach die Offenbacher Polizei unterbesetzt sei. Mit Blick auf die tatsächliche Sicherheitslage in der Stadt seien die erhobenen Vorwürfe unbegründet.

Die SPD-Landtagsabgeordnete Nadine Gersberg hatte mit Zahlen belegt, dass es seit 2004 keine personelle Verstärkung für die Offenbacher Reviere gab, GdP-Kreisgruppenchef Stefan Wagner hatte im Interview mit unserer Zeitung eine Aufstockung für „mehr als wünschenswert“ erachtet.

Die Sicherheit hängt nicht von der Stellensituation ab, sagt Polizeipräsident Ullmann. 

„Der Personalkörper eines Revieres ist nicht der alleinige Parameter, um die Möglichkeiten zur Bewältigung polizeilicher Aufgaben bemessen zu können“, sagt Ullmann. Man müsse die Polizei als Ganzes sehen. Der Polizeichef räumt zwar ein, dass die Zahl der Polizisten, die in den Stadtrevieren ihren Dienst versehen, über die Jahre gesehen in etwa gleich hoch geblieben sei. Doch es sei ein „Zusammenspiel von vielen Organisationseinheiten“, welches der Polizei ermögliche, ihre vielschichtigen Aufgaben zu erfüllen.

Ullmann beschreibt, warum es seiner Ansicht nach auch ohne Personalzuwachs klappt: Neben den Revierbediensteten vom Mathildenplatz (1. Revier) und der Berliner Straße (2. Revier) seien im Stadtgebiet auch zahlreiche Kollegen der Direktion Verkehrssicherheit und Sonderdienste rund um die Uhr im Einsatz. Hinzu kämen operative Einheiten, für Kontrollen, Überwachungs- sowie Fahndungsmaßnahmen und ein großer Bereich an Ermittlungsdienststellen, etwa eine eigens für die Gesamtstadt zuständige regionale Ermittlungsgruppe, die sich um Massendelikte und Fälle von kleinerer und mittlerer Kriminalität kümmere sowie etliche Kriminalkommissariate, darunter der Staatsschutz, welcher aufgrund gestiegener Aufgaben zuletzt deutlich an Personal verstärkt worden sei.

Im Zuge vieler Konzepte zur Kriminalitätsbekämpfung, wie etwa Einbruchschutzkampagnen oder Kontrollen des grenzüberschreitenden Verkehrs, würden zudem Beamte der Bereitschaftspolizei eingesetzt. Ferner bestünden mit dem Personal der Wachpolizei und des freiwilligen Polizeidienstes ergänzende Ressourcen. Ullmann: „Letztlich tragen auch die Beamten des Sachgebiets Prävention mit dem Polizeiladen am Rathaus mit zahlreichen Projekten dazu bei, dass es vielfach erst gar nicht zu einer Straftat kommt.“ Bei der Bewertung der Belastungssituation in einem Revier seien daher die aufgeführten Dienststellen einzubeziehen. „Genau durch diese Aufgabenverteilung kommen wir einer Überlastung der Reviere zuvor“, meint Ullmann.

Der Blick auf die Fallzahlen zeigt für den Polizeipräsidenten, dass die Rechnung aufgeht: „Seit Bestehen des Polizeipräsidiums Südosthessen im Jahre 2001 konnten wir das Straftatenaufkommen in Offenbach von 14 738 im Jahre 2001 auf 9 927 Fälle im Jahr 2019 reduzieren, was einem Rückgang von fast 33 Prozent entspricht. Parallel dazu haben wir die Aufklärungsquote von 49,2 auf 69,5 Prozent steigern können.“ An dieser Entwicklung könne man die Effektivität der Polizei deutlich festmachen. Insofern sei es zu kurz gegriffen, die Handlungsfähigkeit und Bewertung der Sicherheitslage auf die Stellensituation der Polizeireviere zu reduzieren.

Von einer 2015 begonnenen Einstellungsoffensive, die bis zum Jahr 2022 etwa 2 270 zusätzliche Stellen in Hessen vorsehe, profitiere auch die Polizei in Offenbach. Die Zuteilung von Personal orientiere sich dabei in erster Linie an der Arbeitsbelastung und erfolge nach einem bewährten Verteilschlüssel.

Befürchtungen, wonach mit der Zusammenlegung der Innenstadtreviere im Neubau am Buchhügel, die Polizeipräsenz in der City wegfalle, versucht Ullmann zu zerstreuen. „Wir geben lediglich Gebäude auf, reduzieren aber nicht die Präsenz der Polizei.“ Unterm Strich werde man sogar zwei Streifen mehr auf der Straße haben. Durch die Zusammenlegung beider Reviere sei nur noch eine anstatt bisher zwei Leitungsebenen erforderlich, was dem Wach- und Streifendienst zu Gute komme. Und mit der Einrichtung einer gemeinsam mit der Stadt betriebenen Wache im Stadthaus an der Berliner Straße bleibe die Präsenz der Landespolizei in der City erhalten.

Unterstützung erhält Roland Ullmann von der CDU. Fraktionschef Roland Walter macht sich dabei im Wesentlichen die Argumentation des Polizeipräsidenten zu eigen und nutzt die Gelegenheit, um die SPD-Landtagsabgeordnete Nadine Gersberg scharf zu kritisieren. „Wer glaubt, wie die SPD-Abgeordnete Gersberg, linear alles erhöhen zu müssen nur weil die Stadt wächst, und dabei neue Arbeits- und Ermittlungsformen außer Acht lässt, dem fehlt schlicht das Verständnis für die Zusammenhänge von Personal- und Organisationsentwicklung.“  

mad

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