Postfilialen in Deutschland

„Eines der ältesten Gewerbe“ - Seit 25 Jahren gliedert die Post ihre Dienstleistungen in kleine Läden aus

Reza Sarpoolaki und seine Mitarbeiterin Jessica Gundermann wissen: In Zeiten der Corona-Pandemie steigt das Paketaufkommen im Laden.
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Reza Sarpoolaki und seine Mitarbeiterin Jessica Gundermann wissen: In Zeiten der Corona-Pandemie steigt das Paketaufkommen im Laden.

Richtige Postämter mit eigener Verwaltung gibt es in ganz Deutschland nur noch zwei – eines im Berliner Bundestag und eines in der Firmenzentrale der Deutschen Post in Bonn. Was hingegen zuhauf existiert, sind sogenannte „Partner-Filialen“: Kleine Läden und Kioske, die auch Dienstleistungen der Deutschen Post anbieten.

Offenbach - Rund 30 gibt es davon in Offenbach. Eingeführt wurde dieses Geschäftskonzept vor genau 25 Jahren. „Der Umsatz besteht zu fast drei Vierteln aus Post, und zu einem Viertel Tabakwaren und Lotto“, sagt Reza Sarpoolaki. Er betreibt seit April die Partner-Filiale in der Roland-Passage. Ausgerechnet in den ersten Wochen der Corona-Pandemie hat er den Laden von seinem Vorpächter übernommen. „Es war wirklich schwierig. Wir hatten uns auch überlegt, ob wir nicht alles verschieben – aber aufgrund der Verträge war das nicht mehr möglich.“ Für das Geschäft sei die Krise bislang aber weniger schädlich gewesen als befürchtet, erklärt Sarpoolaki. „Das Paketaufkommen ist durch Corona wirklich immens gestiegen.“ Schließlich bestellten derzeit immer mehr Leute Dinge im Internet.

Der Laden in der Roland-Passage ist nicht das einzige Standbein des 43-Jährigen. Sarpoolaki ist studierter Bauingenieur und gelernter KfZ-Mechatroniker. Durch zweitgenannte Profession kam er überhaupt erst auf die Idee mit der Post-Filiale. „Der Vorpächter war ein langjähriger Kunde von mir“, so Sarpoolaki. „Seit drei Jahren hatten wir schon darüber geredet, ob ich nicht seine Nachfolge antreten will. Es war immer schon interessant für mich, so einen Laden zu besitzen. Ich dachte mir: Es kann ja nebenbei laufen.“ In diesem Punkt hat Reza Sarpoolaki sich allerdings geirrt. „Es war nicht geplant, dass ich selbst hier mitarbeite. Ich musste es aber, da eine Mitarbeiterin ausgestiegen ist und eine andere gleich am Anfang schwanger wurde.“ Er habe sich daraufhin kurzerhand eingearbeitet und stehe seitdem häufig selbst hinter der Theke.

Inzwischen findet er daran großen Gefallen. „Post ist eines der ältesten Gewerbe, die es auf der Welt gibt“, schwärmt Reza Sarpoolaki von seinem neu erschlossenen Arbeitsfeld. „Nachrichten oder Waren an ihre Empfänger zu übermitteln, ist eine sehr ernst zu nehmende Aufgabe.“

Wie Betreiber von Partner-Filialen mit den Produkten der Post Geld verdienen, hat sich seit Einführung des Prinzips im Jahr 1995 nicht geändert. Post-Sprecher Stefan Heß: „Deren Verdienst mit dem Postgeschäft speist sich aus zwei Quellen: aus einem Fixum – unterschiedlich, je nach Größenordnung der Kooperation – und Provisionen für bestimmte Leistungen und Produkte. Unsere Partner kommen aus nahezu allen Branchen des Einzelhandels: von Banken über klassische Tante Emma-Läden, Back-Shops und Kioske bis hin zu Tankstellen und Rathäusern.“ Oft seien es auch Unternehmensgründer, die in ihrer Anfangszeit auf das Postgeschäft als zweites finanzielles Standbein setzten.

Die Kunden seien in der Regel sehr freundlich, beteuert Sarpoolaki. Aber hin und wieder gebe es durchaus auch schwarze Schafe, die aus Ungeduld über ein noch nicht eingetroffenes Paket die guten Manieren vergessen. „Da darf man dann einfach keine Angriffsfläche bieten und muss den Kunden ganz ruhig wieder runterbringen.“ Sein Appell an die Kunden: „Wenn die E-Mail kommt, dass das Paket im Laden abholbereit ist, dann wartet noch einen Tag, wenn nicht Leben und Tod davon abhängen.“ Oft seien die Pakete dann nämlich erst noch auf dem Weg zu ihm. Angst vor aggressiveren Störenfrieden hat der Filialbetreiber nicht. „Mein Laden ist kameraüberwacht.“

Zur Zeit stemmen Reza Sarpoolaki und seine Mitarbeiterin Jessica Gundermann alle Arbeit, die im Laden anfällt, zu zweit. „Frau Gundermann arbeitet schon seit vier Jahren hier im Laden und hat umfangreiche Post-Erfahrung.“ Ein zusätzlicher Mitarbeiter wäre eine Erleichterung. Vielleicht fühlt sich ja ein Leser dieses Artikels dazu berufen. (Von Marian Meidel)

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