Zielgruppe sind Berufspendler

Projekt Bike in Offenbach: Hier kommen neue Fahrradstraßen 

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Die Einrichtung von Fahrradstraßen in Offenbach – hier ein Drohnenfoto des Testabschnitts in der Senefelderstraße – kommt 2020 auch in den Stadtteilen weiter voran. Fotos: Alexander Habermehl / SOH, Kuhn (2)

Nach umfangreichen Vorbereitungen, Planungen und ersten Arbeiten im vergangenen Jahr startet das Projekt Bike Offenbach 2020 richtig durch. Der Schwerpunkt liegt auf der Einrichtung neuer Fahrradstraßen: Einige Abschnitte sind bereits beauftragt.

  • In Offenbach sind weitere Fahrradstraßen geplant
  • Projekt Bike wird kontrovers diskutiert
  • Wichtige Zielgruppe sind Berufspendler

Offenbach – Für die Chinesen ist 2020 das Jahr der Ratte. Für die Offenbacher könnte es das Jahr des Fahrrads werden. Zumindest tun die Verantwortlichen einiges dafür. „Die Arbeiten an den Fahrradstraßen starten, sobald die Witterung es zulässt“, verspricht Projektmanager Ulrich Lemke von der Offenbacher Projektentwicklungsgesellschaft (OPG). Da der Dezember, anders als in den Vorjahren, zu kalt für die Asphaltarbeiten war, verschiebt sich im Nordend die Umwandlung der Taunusstraße in eine Fahrradstraße aufs Frühjahr. In der Bürgeler Von-Behring-Straße sind die Asphaltarbeiten weitgehend abgeschlossen, die Markierungen lassen sich aber witterungsbedingt ebenfalls erst im Frühjahr aufbringen.

Offenbach: Projekt Bike wird kontrovers diskutiert

Wie viele Verkehrsthemen wird auch das Projekt Bike Offenbach äußerst kontrovers diskutiert – beispielsweise auf unserer Internet-Plattform: Den einen geht’s nicht schnell genug, sie möchten Autos möglichst ganz aus der Innenstadt verbannen. Die anderen kritisieren bereits kleinste Einschränkungen für den Auto-Verkehr. Bike Offenbach fährt einen Mittelweg: Bei der Einrichtung der Fahrradstraßen und -achsen kommt es dem Projektteam auf ein vernünftiges Miteinander aller Verkehrsteilnehmenden an. 

Die allermeisten Fahrradstraßen bleiben zumindest auch für Anlieger-Autos frei (grundsätzlich ist das in Fahrradstraßen nicht der Fall). Der Wegfall von Parkplätzen wird aufgrund der ohnehin begrenzten Zahl gerade in der Kernstadt möglichst vermieden, und Einbahnstraßenregelungen sind nur eine Option, „falls die Rücksichtnahme ganz ausbleibt“.

Die nächsten Baustellen: Im Nordend wird die Taunusstraße (oben) zur Fahrradstraße, an der Anne-Frank-Schule entsteht ein einseitiger Zweirichtungsradweg. Fotos: Alexander Habermehl / SOH, Kuhn (2)

Um die ist es, so der subjektive Eindruck vieler Nutzer der Teststrecke in der Senefelderstraße, nicht gut gestellt. „Es müsste häufiger kontrolliert werden...“, sagen Radler und Anwohner, auch wenn die Zahl der radelnden Nutzer im Winter natürlich zurückgeht. Es ist eine Forderung, die einem Vorwurf gleicht. Und den möchte das Ordnungsamt so nicht stehen lassen – zumindest für den etwa 500 Meter langen Probeabschnitt zwischen Bahndamm und Starkenburgring. „Natürlich kontrollieren wir“, sagt der stellvertretende Leiter Frank Weber.

Offenbach: Offenbacher Amt ordnet "scharfe Messung" an

Das heißt: Das Amt ist von Oktober bis Dezember zu verschiedenen Tageszeiten und mit verschiedenen Verfahren aktiv gewesen. So wurde etwa das sogenannte Seitenradar an einen Lichtmast gehängt, das jedoch lediglich die Anzahl der Fahrzeuge und die gemessenen Geschwindigkeiten registriert – ohne teils kostspielige Folgen für Temposünder. Das ändert sich, wenn das Offenbacher Amt eine „scharfe Messung“ anordnet.

Mit einer solchen wurden in der Fahrradstraße 833 Fahrzeuge gemessen. Das Ergebnis wiederlegt subjektive Einschätzungen: 85 Prozent der Autos fuhren um die 30 Stundenkilometer, die restlichen Fahrer waren flotter unterwegs. In Zahlen: 67 waren bis zu 10 km/h zu schnell, 17 bis zu 15 km/h. Sie dürften alle mittlerweile ihre Aufforderung zur Entrichtung eines Verwarngeldes erhalten haben. Der bislang unrühmliche Spitzenreiter im Tempo-30-Abschnitt der Senefelderstraße: 60 km/h. Da werden laut aktuellem Bußgeldkatalog 100 Euro und ein Punkt in Flensburg fällig, gegebenenfalls ein vierwöchiges Fahrverbot. Und Weber kündigt bereits an: „Wir messen weiterhin in den Fahrradstraßen...“

Und wie ist das überhaupt mit dem Hinweis „Anlieger frei“, der vor der Einfahrt in die Fahrradstraße angebracht ist? „Das wäre eine personell recht aufwändige Angelegenheit“, räumt der stellvertretende Amtsleiter ein, „vor allem die Beweislast ist äußerst schwierig.“ Etwa die Frage, ob der Fahrer nicht doch zum Quartiers-Bäcker oder zum Friseursalon unterwegs ist. Also greift der anfangs zitierte Appell ans Miteinander.

Projekt Bike in Offenbach: viel Rückenwind

Dass das Projekt insgesamt viel Rückenwind erfährt, hat die gemeinsame Umfrage der Goethe-Universität und der Hochschule für Gestaltung (HfG) im Frühsommer 2019 gezeigt: Danach finden fast zwei Drittel aller Autofahrenden und 83 Prozent der Radelnden die Idee der Fahrradstraßen gut. Wie wichtig es ist, die Menschen zum Umsatteln anzuregen, betont Planungs- und Verkehrsdezernent Paul-Gerhard Weiß: „Um Fahrverbote für Offenbach zu vermeiden, gilt es, die Grenzwerte für Stickoxide in der Stadt schnellstmöglich zu unterschreiten.“ Die Verhandlung über mögliche Dieselfahrverbote findet voraussichtlich im kommenden Frühjahr vor dem Hessischen Verwaltungsgerichtshof in Kassel statt.

Die nächsten Baustellen: Im Nordend wird die Taunusstraße (oben) zur Fahrradstraße, an der Anne-Frank-Schule entsteht ein einseitiger Zweirichtungsradweg. Fotos: Alexander Habermehl / SOH, Kuhn (2)

Und wie geht’s konkret weiter? Neben Nordend und Bürgel haben die Planer die sogenannte Achse 2 im Blick – die Senefelderstraße von Starkenburgring bis zum Fuß der Rosenhöhe. „Hier wird sich die Situation für den Rad- und Fußverkehr deutlich verbessern“, kündigt Lemke an. Entlang der Anne-Frank-Schule sind verschiedene bauliche Maßnahmen geplant. Der bestehende Geh- und Radweg wird auf vier Meter verbreitert (Bestand: etwa drei Meter) und auf Gehweg-Niveau an der Senefelderstraße in Richtung Ringcenter weitergeführt als Zweirichtungsradweg – bis zum kreuzenden Rad- und Fußweg an der Behinderten-Wohnanlage. Dann wird er abgesenkt; eine „Querungshilfe“ soll dort ebenso die Überfahrt erleichtern wie an der Eberhard-von-Rochow-Straße.

Eine weitere „wichtige Zielgruppe“ des Projekts sind die Berufspendler. Um ihnen aus Bieber den Radweg zum Job zu erleichtern, werden im Januar erste Arbeiten für die Fahrradachse mit der Kennziffer 6 beginnen. Der Abschnitt führt von der Maybachstraße über den Leonhard-Eißnert-Park bis zum Baugebiet Bieber-Nord.

Infos im Internet zu Projekt Bike in Offenbach

bikeoffenbach.de

Das Projekt Bike nimmt weiter Fahrt auf in Offenbach: Nun soll auch die Taunusstraße im Nordend auf der ganzen Länge Fahrradstraße werden.

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