Rosenhöhe

Während Hitze-Welle: Freibad-Saison in Offenbach vorzeitig beendet

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Morgen schon ist Schluss mit der Sommersaison 2019 auf der Rosenhöhe.

Die Wetteraussichten für die nächsten Tage: überwiegend sonnig, 30 bis 32 Grad, nur vereinzelt Gewitter. Der Sommer hat noch mal aufgedreht – und im einzigen Offenbacher Schwimmbad endet morgen die Freibadsaison.

Offenbach - Geschuldet ist dieses Novum einem Mix aus gutachterlichem Übereifer gepaart mit behördlicher – nennen wir es mal höflich – Vorsichtigkeit.

Von vorn: Im Frühjahr 2018 hatte ein von der Stadt in Auftrag gegebenes Gutachten eigentlich Antwort auf die Frage geben sollen, mit welcher Traglufthallen-Variante Offenbach künftig am besten fährt. Die erwünschte Antwort gab der Fachmann nicht. Stattdessen bewertete er die in die Jahre gekommene, aber immer funktionierende Anlage auf der Rosenhöhe aufgrund von Vorschriften, wie sie für neue Schwimmbäder gelten.

Eine Folge dieses Begutachtens vorbei am Thema: Der Badbetreiber EOSC ist angehalten, bei Aufstellung der Traglufthalle nun immer einen Richtmeister hinzuzuziehen. Was zuvor jahrzehntelang der Verein mit ehrenamtlichen Helfern unbeanstandet stemmte, muss nun für teures Geld – die Rede ist von mehreren tausend Euro – unter Aufsicht eines Experten für Traglufthallen geschehen. Weil diese rar und begehrt sind, ist der EOSC gezwungen, einen Hallen-Aufbautermin am Wochenende 6. bis 8. September zu akzeptieren, was zum verfrühten Ende der Sommersaison führt.

Traglufthalle ist ein "fliegender Bau"

Dieter Faulenbach da Costa, regelmäßiger Schwimmer auf der Rosenhöhe und bekannt als städtischer Flughafenberater, wundert sich. Und zwar darüber, dass im Rathaus offenbar niemand die Hessische Bauordnung (HBO) kenne. In dieser sei eindeutig geregelt, dass „fliegende Bauten“, also Anlagen die wiederholt aufgestellt und zerlegt würden, lediglich einer Genehmigung der örtlichen Baubehörde bedürften. Die Traglufthalle sei ein solcher „fliegender Bau“. Faulenbach da Costa: „In § 68 HBO wird geregelt, dass diese Genehmigung für fünf Jahre, mit der Option der Verlängerung um weitere fünf Jahre, erteilt wird und die Baubehörde schriftlich drei Tage vor der jeweiligen Inbetriebnahme zu informieren ist. Von einem Experten für die Inbetriebnahme steht nichts in der Bauordnung.“

Regelung sei nicht ohne Grund erfolgt

Sonja Stuckmann, Chefin der der zuständigen Offenbacher Bauaufsicht, hat zunächst Zweifel, dass es sich bei der Traglufthalle um eine „fliegenden Bau“ im Sinne der HBO handelt. Tatsächlich wird es bundesweit offenbar unterschiedlich gesehen, ob eine solche Halle der Definition entspricht. Auch das ärgerliche 2018er-Gutachten für die Halle hatte diese Frage offen gelassen.

Bezüglich der Details zu den Anforderungen, welche im Zuge der umstrittenen Expertise gestellt wurden, konnte sich die Amtsleiterin gestern nicht äußern. Die Sachbearbeiterin sei im Urlaub, man könne aber davon ausgehen, dass die Regelung nicht ohne Grund erfolgt sei. „Damit wollen wir niemanden ärgern, auch wir sind an einem reibungslosen Ablauf des Verfahrens interessiert“, so die Amtsleiterin.

Auch wenn es in diesem Jahr nicht mehr hilft – den Verantwortlichen in der hiesigen Stadtverwaltung sei ein Blick über den Tellerrand empfohlen. Im benachbarten Bergen-Enkheim, wo die Frankfurter Bäderbetriebe seit vielen Jahren schon eine ähnliche Halle wie die in Offenbach für den Winterbetrieb des Riedbads aufbauen, sorgt das umständliche Offenbacher Vorgehen für Erstaunen. Ein Richtmeister oder Experte für Traglufthallen werde beim Aufbau nicht benötigt, heißt es.

VON MATTHIAS DAHMER

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