Prozess

Disco-Rauswurf: Verdächtige schlagen Mann zusammen – nun ist er auf einem Auge blind

Blick auf einen Richtertisch
+
Zwei Obertshausener müssen sich wegen versuchten Totschlags vor Gericht verantworten.

Zwei junge Männer werden in Offenbach aus der Disco geworfen. Kurz darauf sehen sie den vermeintlichen Verursacher ihres Rauswurf vor dem Haus sitzen. Dann eskaliert die Situation.

Offenbach – Einer trat gegen seinen Kopf, der Mann wurde sofort ohnmächtig. Er fiel zu Boden, wo ihn die beiden Obertshausener weiter bösartig traktierten. Ein Fall für die Schwurgerichtskammer Darmstadt, die nun wegen versuchtem Totschlag verhandelt.

Ob der 50-Jährige nur getreten oder ihm sogar auf den Kopf gesprungen wurde, ist einer von mehreren Umständen, die noch erläutert werden müssen. Fakt sind mehrere Frakturen des Jochbeins, des Kiefers und Einblutungen im Auge. Letztere führten zu einer einseitigen Erblindung – trotz mehrerer Operationen konnten nur fünf Prozent Sehfähigkeit erhalten bleiben. Der Rödermärker nimmt sein Recht als Nebenkläger wahr und verfolgt den Prozess im alten Schwurgerichtssaal des Landgerichts.

Angriff in Offenbach: Opfer geht vor und ist kurz darauf mit Blut überströmt

Als erste von unzähligen Zeugen hat der Vorsitzende Richter Volker Wagner die 44-jährige Ehefrau geladen. Sie und ein befreundetes Pärchen waren in der Nacht ebenfalls in der Diskothek. Von einer Auseinandersetzung habe sie jedoch nichts mitbekommen: „Ich hab nur einen Security-Einsatz gesehen, bei dem Leute hinaus geführt wurden. Mehr weiß ich nicht.“ Als man kurz darauf aufbrechen wollte, sei ihr Mann schon vorausgegangen, um eine zu rauchen. „Ich sah eine Menschentraube vor der Tür und wunderte mich noch darüber. Dann sah ich meinen Mann mit blutüberströmtem Gesicht am Boden liegen.“ so die Büroangestellte.

„Eine junge Frau sagte, drei Männer hätten auf ihn eingetreten. Sie habe Knochen knacken hören!“ Wagner interessieren besonders die Spätfolgen der Tat. Darüber kann die Ehefrau einiges berichten: „Mein Mann ist nicht mehr der, der er vorher war. Er geht nicht mehr ins Büro, ist schnell erschöpft, kaum noch belastbar. Ein Nervenbündel.“ Früher habe er aktiv Handball gespielt, jetzt müsse sie ihn immer wieder motivieren, sich überhaupt zu bewegen.

Täter will Opfer nach Angriff in Offenbach monatliche Summe zahlen

Die zwei jungen inhaftierten Serben, beide bislang polizeilich unauffällig, versuchen erst gar nicht, ihre Schuld mit Hilfe des Dolmetschers kleinzureden. Beide hatten um die 1,5 Promille im Blut. J.: „Es tut mir unendlich leid. Es wäre nie passiert, wäre ich nicht so betrunken gewesen. Ich möchte ihm 15 000 Euro geben, mehr habe ich momentan nicht, bin aber bereit, monatliche Summen zu zahlen, wenn ich wieder arbeiten kann.“ Im Vorfeld der Verhandlung soll der Rödermärker von jedem der beiden 100 000 Euro Wiedergutmachung gefordert haben.

Über seine Verteidigerin Caroline Jacob lässt J. den Versuch einer Erklärung verlesen: „Der Geschädigte war uns in der Bar durch aufdringliches und aggressives Verhalten aufgefallen. Dauernd fielen an seinem Tisch Gläser herunter. Man sah, dass er betrunken war. Er kam auch zu uns, forderte uns auf, Party zu machen, worauf wir nicht eingingen.“ Plötzlich seien sie von hinten angegriffen worden, sein T-Shirt sei dabei zerrissen, man führte sie hinaus. „Da ist er!“, habe B. gerufen und kickte den Unbekannten vom Geländer. Beide hätten dann auf den am Boden liegenden eingetreten. J. schließt sich seinem Kumpel an. Auch ihm sei der Rödermärker unangenehm aufgefallen. Und auch er sei an dem Stehtisch angegriffen und zu Boden geschlagen worden. Trotz der Geständnisse gibt es weiteren Klärungsbedarf, der Prozess wird fortgesetzt. Erst im Dezember 2020 wurde ein weiterer Obertshausener wegen eines Mordversuchs verurteilt. (Silke Gelhausen)

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion