Angeklagte geben sich zum Prozessauftakt teilweise geständig

32 Kilo Drogen importiert

Offenbach - Während einige US-Staaten seit Kurzem als „Kifferparadiese“ regelmäßig Schlagzeilen machen, bleibt die Cannabis-Pflanze in Europa weiter auf der Liste illegaler Drogen. Von Silke Gelhausen-Schüßler 

So begann gestern wieder ein „Hanf-Prozess“ vor dem Landgericht Darmstadt gegen drei mutmaßliche Drogendealer. Der Vorwurf: Einfuhr und Handel von Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge in vier Fällen zwischen Anfang Mai und Mitte Juli 2014. Insgesamt 32 Kilogramm Marihuana sollen Mustafa S. (44), Nihat E. (44) und der Bulgare Alen A. (48) in vier Lieferungen aus Belgien nach Offenbach importiert haben. Das Verfahren gegen den 20-jährigen Adoptivsohn von S., der am gewerbsmäßigen Plan zur Sicherung des Lebensunterhalts ebenfalls beteiligt sein soll, wurde wegen Erkrankung des Angeklagten abgetrennt. Während Dönerimbiss-Betreiber E. die ihm vorgeworfene Tatbeteiligung abstreitet, sind S. und A. teilweise geständig.

Sie wurden am 19. Juli 2014 am Lieferzielpunkt festgenommen – in der Tiefgarage des Gebäudekomplexes Schlossstraße 20-22. Dort hatte S. einen Parkplatz und Lagerraum angemietet. Nach wochenlanger Observation und Telefonüberwachung wurden die Dealer in flagranti festgesetzt, gerade als zum mutmaßlich vierten Mal der belgische Opel-Vivaro-Transporter die letzte Ladung in die Garage fuhr. Und die Polizei stieß auf weiteres Material: In einem Mercedes CLK, zugelassen auf den Adoptivsohn von S., fand sich ein Kilogramm der grünen getrockneten Pflanzenmasse. Weitere drei Kilogramm warteten im Lagerraum eines kurdischen Vereins über der Tiefgarage auf ihre Verwendung.

Große Bargeldmengen als Indiz

Neben den Rauschmitteln stößt die Polizei bei solchen Razzien regelmäßig auf große Bargeldmengen: Sie gelten als Indiz für das Handeltreiben in großem Stil. Auch in diesem Fall wurde die Polizei fündig. Im CLK entdeckte sie drei Briefe mit je 5000 Euro und weitere 4015 Euro. Bei der Durchsuchung der Wohnungen der Männer in der Offenbacher Innenstadt fanden sich weitere 20.000 Euro.

Der Bulgare A. fungierte als Verbindungsmann zwischen Brüssel und Offenbach, fuhr mindestens zweimal den Transporter. Er lebte seit 2011 in der Hauptstadt, wo er die ersten zwei Jahre eine gute Stellung in der Photovoltaik-Branche innehatte. Als die Firma in Konkurs ging, fand er nur noch Aushilfsjobs. Ein Bekannter soll den Kontakt zu „Yusuf“ hergestellt haben, bei dem A. das Rauschgift bestellte. Für den Prozess vor der zehnten  Strafkammer sind fünf Verhandlungstage bis Mitte März geplant.

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