Prozess gegen Geflügelzüchter beendet

Streit um Krähen der Hähne in Offenbach: Anwohner nimmt Klage zurück

Hat er am Erlenbruch in Offenbach zu laut gekräht? Das zumindest beanstandete ein Anwohner und klagte. Der Prozess gegen den Geflügelzuchtverein ist nun beendet. (Symbolbild)
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Hat er am Erlenbruch in Offenbach zu laut gekräht? Das zumindest beanstandete ein Anwohner und klagte. Der Prozess gegen den Geflügelzuchtverein ist nun beendet. (Symbolbild)

Nach mehr als drei Jahren hat ein Streit in Offenbach ein Ende gefunden, der das Zeug zur Gerichtsposse hatte: Dabei ging es um vermeintlich zu laut krähende Hähne.

Offenbach – Im Prozess um nachts angeblich zu laut krähende Hähne bei den Geflügelzüchtern im Erlenbruch in Offenbach hat der vor Gericht gezogene Anwohner die Klage zurückgenommen. Letztlich entscheidend sei ein im August des vergangenen Jahres erstelltes Lärmgutachten gewesen, berichtet Züchter-Anwalt René Reissner. 

In der Nacht vom 16. auf den 17. August habe ein Lärmsachverständiger in der Wohnung des Nachbarn gemessen. Der Termin sei vom Kläger frei wählbar gewesen, der Verein habe lediglich gewusst, dass er irgendwann im Zeitraum von August bis September sein werde. Ergebnis der Messung: Der erste Hahn krähte um 5.55 Uhr, die Lautstärke lag unter den Grenzwerten.

Offenbach: Prozess gegen Geflügelzüchter beendet - Anwohner nimmt Klage zurück

Reissner und der Vorsitzende des Geflügelzuchtvereins, Zacharias Leis, bedauern zwar, dass das Landgericht Darmstadt durch die Klagerücknahme kein Urteil sprechen konnte, sind aber zufrieden mit den Feststellungen des Sachverständigen, wonach das Krähen der Hähne die zulässigen Immissionswerte nicht übersteigt und die Hähne sich nachts nicht durchgehend, sondern erst kurz vor Sonnenaufgang rühren.

Vereinschef Leis gibt sich trotz des für die Züchter positiven Ausgangs versöhnlich. Der Verein werde auch weiterhin alles in seiner Macht stehende unternehmen, um die Immissionen der Tiere zu reduzieren. Beispielsweise durch die weitere Modernisierung der Volieren. Der klagende Nachbar betont auf Nachfrage, ihm sei aufgrund schlechter anwaltlicher Beratung gar nichts anderes übrig geblieben, als die Klage zurückzuziehen. Sein Rechtsanwalt habe in dem Verfahren einfach entscheidende Fristen versäumt. Zugleich muss der Anwohner nun die Kosten tragen. Unter anderem 5 900 Euro für das vom Gericht angeordnete Lärmgutachten, welches zunächst auf Rechnung der beweispflichtigen Geflügelzüchter beauftragt worden war.

Freuen sich, dass der Rechtsstreit ums krähende Federvieh beendet ist: Vereinsvorsitzender Zacharias Leis (links), Anwalt René Reissner und ein stolzer Hahn. 

Offenbach: Nachbar klagt gegen Geflügelverein - In der Nachtruhe gestört

Rückblick: Seit mehr als 125 Jahren hegen und pflegen die Geflügelzüchter am Erlenbuch ihr Federvieh. Bis 2017 geschah dies im Einklang mit den Anwohnern. Vor drei Jahren klagte dann der Nachbar, der zwei Jahre zuvor in einen Neubau gegenüber eingezogen war, gegen den Verein. Er fühlte sich durch das Krähen der Hähne in seiner Nachtruhe gestört.

Der Verein für Vogel- und Geflügelzucht 1888 Erlenbruch trat den Vorwürfen mit einer ausführlichen Klageerwiderung entgegengetreten. Darin wies Rechtsanwalt Reissner zunächst auf die Historie der Züchter an diesem Standort hin. Tiergeräusche seien am Erlenbruch, der im Übrigen kein reines Wohngebiet sei, als ortsüblich anzusehen. Dies müsse für den Kläger auch bereits vor dem Erwerb seiner Immobilie erkennbar gewesen sein. Somit sei nicht ersichtlich, weshalb eine mehr als 125-jährige Tradition hinter einem Einzelinteresse zurückstehen solle. Der Kläger müsse solche Geräusche dulden. Der von ihm behauptete Umfang des Lärms sei ohnehin übertrieben. Die vom klagenden Anwohner verlangte nächtliche Stallpflicht würde einen unverhältnismäßigen Aufwand erfordern und widerspreche zudem dem Tierschutz, argumentierte der Verein.

Offenbach: Prozess wegen krähender Hähne - Anwohner will keine „Anti-Hühnerfont“

Bei einem der ersten Gerichtstermine deutete sich zunächst an: Justitia ist nicht unbedingt aufseiten des Vereins. Für das Gericht hatte der nächtliche Lärmschutz von 22 bis 6 Uhr oberste Priorität, das Argument, der Verein sei schließlich schon viel länger am Erlenbruch beheimatet als der Kläger, zählte nur bedingt.

Der Anwohner fühlte sich nach diesem ersten Verhandlungstermin in seiner Position gestärkt. Gleichzeitig betonte er, er wolle keine „Anti-Hühnerfont“ aufbauen oder gar den Verein abschaffen. Ihm gehe es lediglich um den nächtlichen Lärm der Hähne. Er legte zudem Wert auf die Feststellung, er klage im Namen weiterer 20 Anwohner, die sich in ihrer Nachruhe gestört fühlten.

VON MATTHIAS DAHMER

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