Landgericht Darmstadt

Morddrohungen und sexuelle Nötigung der Ex-Partnerin – Mann aus Offenbach vor Gericht

Vor dem Landgericht Darmstadt hat der Prozess gegen einen 34-jährigen Offenbacher begonnen. Er muss sich wegen sexueller Nötigung verantworten.
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Vor dem Landgericht Darmstadt hat der Prozess gegen einen 34-jährigen Offenbacher begonnen. Er muss sich wegen sexueller Nötigung verantworten. (Symbolbild)

Vergewaltigung und Morddrohung: Eine Frau aus Offenbach soll Opfer ihres Ex-Partners geworden sein. Laut dem Angeklagten, ist das aber gelogen.

Offenbach – Sexuelle Nötigung, Morddrohungen, körperliche Gewalt. Ein regelrechtes Martyrium soll eine 31-jährige Offenbacherin ein Jahr lang durchlebt haben. Jetzt muss sich ihr mutmaßlicher Peiniger vor dem Landgericht Darmstadt verantworten. Dessen Tenor am ersten Verhandlungstag: Alles gelogen.

Die 14 Einzeltaten sollen sich in verschiedenen Offenbacher Wohnungen ereignet haben. Der schwerwiegendste Vorwurf ist der einer Vergewaltigung in einem Rumpenheimer Keller im August 2020.

Prozess in Darmstadt: Frau aus Offenbach soll Opfer von Mord-Drohungen und Gewalt geworden sein

Die Mutter eines Kleinkinds soll dabei bewusstlos und mit Kabelbindern an einen Bettrahmen gefesselt gewesen sein. Darüber hinaus wird dem Angeklagten D. vorgeworfen, seit November 2019 bis zu seiner Festnahme im letzten Herbst der Ex-Freundin mehrmals ein Messer an die Kehle gehalten, sie gewürgt und stranguliert zu haben.

Wiederholte Todesdrohungen gegen sie und die heute dreijährige Tochter, Schläge auf den Kopf mit Faust und Hammerstiel sowie das Übergießen mit einer brennbaren Flüssigkeit inklusive Anzündversuch zeichnen das Bild eines üblen, gefühllosen Peinigers. Kann die Offenbacherin das alles erfunden haben?

Angeklagter bestreitet Vorwürfe im Landesgericht Darmstadt

So zumindest behauptet es der redselige Angeklagte. Wie eine Maschinengewehrsalve schießen die Sätze aus ihm heraus. „Das mit der Vergewaltigung stimmt schon mal gar nicht. Ich hab niemanden gefesselt. Wir haben im Keller Alkohol und Amphetamin konsumiert, der Sex war freiwillig, wir haben ihn beide abwechselnd gefilmt.“ Das Beweisvideo ist mit einer Länge von sechs Sekunden wenig aussagekräftig, zeigt aber die Unterschrift: „Schlampe für kleine Geld“ - „Das habe ich nicht geschrieben. Außerdem war das Video viel länger, da fehlt ja das meiste“, behauptet der 34-jährige D.

Überhaupt könne er alles erklären. Strick um den Hals: gegenseitige SM-Spiele. Küchenmesser an der Kehle und Morddrohungen: nie getan. Brennbare Flüssigkeit: War bloß Wodka. Beinwunde durch Messerwurf: Opfer hat sich an Baumaterial geschnitten.

Landgericht Darmstadt: Angeklagter aus Offenbach gibt Ohrfeigen zu

Lediglich zwei Ohrfeigen gibt D. zu: „Da war ich sauer, weil sie mich einfach mit ihrer Tochter allein gelassen hat.“ „Und warum soll sie das alles erfunden haben“, fragt der Vorsitzende Richter Dr. Christoph Trapp. „Sie wollte, dass ich mich scheiden lasse“, so der Vater zweier Kleinkinder. „Ich wollte mich aber nicht trennen.“

Nach eineinhalb Stunden kommt die Nebenklägerin selbst zu Wort. „Ich habe seine Familie im Mai 2019 auf dem Spielplatz kennengelernt, wir waren Nachbarn. Nach wenigen Wochen ist D. auf seinen Wunsch hin bei mir eingezogen.“ Er habe ihr erzählt, dass die Ehe nur noch auf dem Papier bestehe.

Prozess um Gewalt gegen Frau aus Offenbach im Landgericht Darmstadt

Relativ schnell habe sie aber gemerkt, dass sie nicht zusammen passten, bereits nach zwei Monaten habe D. erste Aggressionen gezeigt. „Er war eifersüchtig auf den Vater meiner Tochter. Deshalb gab es oft Streit“, so die 31-Jährige. D. habe angefangen, Gegenstände zu zerstören. Nach fünf Monaten habe sie gewollt, dass er wieder zu seiner Familie zurückkehre. Da habe er das erste Mal zum Messer gegriffen und sie bedroht.

Als Nächstes sei dann der Strick zum Einsatz gekommen. Zehn Minuten lang habe er sie gewürgt bis ihr schwarz vor Augen geworden sei. Schließlich habe D. sich von einem Freund eine Flasche mit Benzin bringen lassen und sie damit übergossen. Als die Frau die Flucht ergriff, soll er sie im Flur ein Stockwerk tiefer angezündet haben. „Mein Pullover fing Feuer, ich konnte ihn aber noch rechtzeitig ausziehen.“

Es wird sicher keine leichte Aufgabe für die zwölfte Strafkammer, hier die ganze Wahrheit zu ergründen. Geplant sind sechs Verhandlungstage bis in den April. (Silke Gelhausen)

Erst im Januar 2021 verhandelte das Landgericht Darmstadt einen Fall von sexuellem Missbrauch.

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