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„Rad, Wein und Gesang“: Radsport-Tradition neu interpretiert

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Ein dickes Lob erntete Organisator Jürgen Blümmel für die Atmosphäre: Die Velosportler wurden vom Publikum immer wieder angefeuert. Foto: richterf
Ein dickes Lob erntete Organisator Jürgen Blümmel für die Atmosphäre: Die Velosportler wurden vom Publikum immer wieder angefeuert. © richterf

Der Veranstaltungsdreiklang „Rad, Wein und Gesang“ hat am Wochenende zum fünften Mal am Hessenring Freunde des Velosports und Genussmenschen zusammengeführt.

Offenbach – André Hildmann hat sein Rennen hinter sich, wirkt aber nicht so ausgepowert, wie man es erwarten könnte. Den 60 Kilometern auf der Rundstrecke von Hessen- und Landgrafenring fügt er mit seinem Velo auf dem Rollentrainer ein paar Bewegungseinheiten hinzu, „gewissermaßen zum Ausfahren“, wie er sagt, während Freundin Jasmin Corso im Frauenrennen noch auf der Strecke ist und sich mit Mareike Germann vom RV Bann ein Duell an der Spitze liefert.

Der für die Zweiradgemeinschaft Kassel startende 32-Jährige ist hinter Jörn Bucklitsch vom VC Frankfurt und vor dem Kölner Fabio Dias Zweiter des Amateurrennens auf dem Rundkurs um die Grünanlagen geworden und zufrieden mit seiner Leistung. Hildmann frönt seit dem elften Lebensjahr dem Radsport und hat bisher noch kein Rennen in Offenbach bestritten. „Der Kurs ist anspruchsvoll, die Atmosphäre toll“, äußert er sich lobend zu den äußeren Bedingungen. Eine Einschätzung, die Jürgen Blümmel, Organisator und treibende Kraft der Veranstaltung „Rad, Wein und Gesang“, am Samstag mehr als einmal aus den Reihen der Velosportler hört.

„Das ist ein Wettbewerb, wo wir Fahrer nicht durch menschenleere Gewerbegebiete am Stadtrand düsen, sondern vom Publikum, das mittendrin ist im Geschehen, angefeuert werden“, sagt Hildmann. Jubel und Begeisterung der Zuschauer entlang der Strecke und vor allem auf Höhe des Zieleinlaufs spornen die Fahrer immer wieder an und wecken Kräftereserven, besonders in den Prämienrunden. Für die haben zahlreiche Sponsoren Preise ausgelobt, vom Fotoband über Offenbach und Lederwaren bis zu Edelmetall aus der Goldschmiedestadt Hanau. Auch Freundin Jasmin nimmt einige davon mit, als beide am frühen Abend die Rückreise nach Kassel antreten, wo am Sonntag schon die nächste Herausforderung auf sie wartet: die „41. Nacht von Fuldabrück“.

Als Siegesprämie gab es natürlich auch Wein: Beim erstmals am Hessenring ausgetragen Frauenrennen siegte Mareike Germann (Mitte), gefolgt von Jasmin Corso (links) und Nadja Moster. Foto: richter
Als Siegesprämie gab es natürlich auch Wein: Beim erstmals am Hessenring ausgetragen Frauenrennen siegte Mareike Germann (Mitte), gefolgt von Jasmin Corso (links) und Nadja Moster. © richter

Auch wenn die Beteiligung am erstmals in Offenbach ausgetragenen Frauenrennen mit acht gemeldeten Starterinnen eher bescheiden ausfällt, „ein Anfang ist gemacht“, sagt Jürgen Blümmel. „Als wir vor fünf Jahren die Offenbacher Radsport-Tradition wiederaufnahmen, waren die Teilnehmerzahlen auch noch gering“, ruft er in Erinnerung. Gänzlich fehlt diesmal die Jugend, was primär nicht dem Umstand geschuldet ist, dass in Hessen noch Schulferien sind und mancher junge Fahrer im Sommerurlaub ist. „Zwei hessische Vereine, die ihren hoffnungsvollen Nachwuchs bei uns schon an den Start gebracht haben, sind diesmal im Ausland unterwegs“, erklärt Blümmel. Im niederländischen Assen findet am gleichen Wochenende die „European Junior Cycling Tour“ statt, wo die Jugend des RSV Froh aus Fulda und der RSG Frankfurt die deutschen Farben würdig vertreten will.

Deshalb sind die Wettbewerbe in Offenbach diesmal auf vier Rennen beschränkt, die das Publikum unter den schattenspendenden Bäumen bei Gaumenfreuden vom Grill und Käsebrett zu genussverstärkenden Weinen verfolgen darf. Unter anderem sind im Ellenbogen-Knick, wo Hessen- und Landgrafenring aufeinandertreffen, Liegestühle aufgestellt, aus denen man den Rennverlauf in bester Lage verfolgen kann. Zur Unterhaltung tragen Beate Müller und Peter Fassauer als Duo BassPaarTout bei, nachdem am Vorabend bereits das Berry Trio den Ton angab.

Im Anschluss an das 60-Kilometer-Rennen der Amateure und die zehn Kilometer kürzere Distanz für die Frauen erleben die Zuschauer die offene Offenbacher Stadtmeisterschaft. Sie wird nach langer Pause seit 2017 wieder ausgetragen und hat mit Alexander Morozov und Gunnar Sieg zwei verschiedene Sieger in ihrer Bestenliste. Diesmal entscheidet der nicht vereinsgebundene Marcel Müller die 40 Kilometer für sich und darf für ein Jahr die Ehrentafel behalten, in die sein Name eingetragen wird. Sie wird vom Leiter der Abteilung Sportmanagement der Stadt, Manfred Ginder, überreicht. „Zusätzlich bekommt der Stadtmeister eine Tageslizenz für unser Amateur-Rennen 2020“, verspricht Blümmel. Das 66-Kilometer-Rennen rundet das Event ab, und die letzten Flaschen Rebensaft werden entkorkt, mit denen Organisatoren wie Besucher auf den Abschluss eines gelungenen Fests anstoßen.

VON HARALD H. RICHTER

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