Schulweg in Neubaugebiet An den Eichen wird weiter als gefährlich erachtet

Raser in Offenbach sind kaum zu bremsen

Besser an der Hand: Die Brücke an der Ulmenstraße hat bereits von Anwohnern den Beinamen „Brücke der Raser“ verpasst bekommen. Kein Wunder, dass sie den Nachwuchs dort ungern allein laufen lassen. Der Vorwurf: An das vorgegebene Tempo 30 hält sich kaum einer... 
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Besser an der Hand: Die Brücke an der Ulmenstraße hat bereits von Anwohnern den Beinamen „Brücke der Raser“ verpasst bekommen. Kein Wunder, dass sie den Nachwuchs dort ungern allein laufen lassen. Der Vorwurf: An das vorgegebene Tempo 30 hält sich kaum einer... 

 „Ob mit dem Auto oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln – vom Wohngebiet An den Eichen erreichen Sie schnell ihr Ziel. “ So wirbt der Stadtkonzern für das Areal zwischen Bahnlinie und dem Lohwald. 

Offenbach – Vor allem das Adjektiv scheinen einige Autofahrer allzu wörtlich zu nehmen. Die Überführung der Ulmenstraße vom Wohngebiet zur Mühlheimer Straße trägt mittlerweile den Beinamen „Brücke der Raser“.

In einem Schreiben an die Stadt schimpft eine Anwohnerin: „Ich akzeptiere ein Weggucken und Ignorieren des Problems nicht mehr.“ Die Kommune lässt kräftig blitzen, sieht aber angesichts der baulichen Gegebenheiten keine Alternativen.

Jetzt mag man trefflich darüber streiten, wer an der Ulmenstraße zu schnell unterwegs ist: Anlieger? Oder Autofahrer, die eine Abkürzung nach Bieber beziehungsweise zur B 448 nehmen? Auf jeden Fall ist das Problem erst mit dem Zuzug in die ehemalige Lohwald-Siedlung in den Fokus gerückt. Anwohnerin Anna Köhler hatte vor gut 18 Monaten erstmals die Stadt bezüglich der „häufig auftretenden Geschwindigkeitsüberschreitungen und des rücksichtslosen Verhaltens vieler Autofahrer auf der Brücke“ kontaktiert. Sie moniert heute: „Das Problem ist trotz Kontrollen nicht gelöst.“

Es sei nach wie vor so, dass erhöhte Geschwindigkeit auf dem Schulweg der Grundschulkinder aus dem Wohngebiet „die Regel ist und nicht die Ausnahme“. In den vergangenen Monaten habe es „zahlreiche Vorfälle wie waghalsige Überholmanöver, Raserei, Rücksichtslosigkeit und Beschimpfungen“ gegeben. Sie selbst sei sowohl als Autofahrerin als auch auf dem Rad und zu Fuß auf der Brücke „regelmäßig bedrängt und beschimpft worden – oft auch in Anwesenheit von anderen Personen“. Dass es nicht allein Anna Köhler ergeht, bestätigt eine Kollegin, die gestern per Smartphone eine (nicht geeichte) Messung vorgenommen hat. Ihren „Spitzenreiter“ hat das Gerät mit Tempo 52 erwischt.

Anna Köhler beschreibt eine typische Situation: Worten: „Morgens war ein aufdringlicher hupender Fahrer hinter mir, und ein rasender, wirklich rasender Wagen kam mir gleichzeitig entgegen. Neben mir liefen zahlreiche Grundschulkinder auf dem Bürgersteig entlang. Ich finde, in einer ausgewiesenen Tempo-30-Zone, die gleichzeitig ein Schulweg ist, muss ich so etwas nicht mehr akzeptieren.“

Die Offenbacherin bittet nun den Magistrat (namentlich Bürgermeister Peter Freier, der neben Oberbürgermeister Felix Schwenke in dem Quartier am Stadtrand wohnt), eindringlich, „endlich etwas Grundlegendes zu unternehmen. Und zwar zeitnah“. Es grenze an ein Wunder, dass gerade Schulkindern und Radfahrern seit dem schweren Unfall an der Kreuzung vor einigen Jahren nichts passiert sei.

Was die Sache nicht einfacher macht, sind offenbar die baulichen Gegebenheit an der Brücke, die auch schon bei Ortsterminen mit Zuständigen erörtert wurden: Die Fahrradstreifen sind mangels Platz, so die Erläuterung der Stadt, lediglich einseitig jeweils beim Anstieg markiert. Leitplanken würden den ohnehin schmalen Gehweg noch stärker einschränken. „Die Straßenverkehrsbehörde prüft, ob sie noch zwei Bodenmarkierungen zu Tempo 30 aufbringen kann – wenn ausreichend Platz dafür da ist“, sagt Sprecherin Kerstin Holzheimer.

2019 wurden 32 Geschwindigkeitskontrollen (mobile Messungen) in der Ulmenstraße vorgenommen. Heißt: etwa drei bis vier Mal pro Monat, in den Schulferien weniger. Die bisher ausgewerteten Ergebnisse: Bei 23 Messungen überschritten 387 von 1823 Fahrzeugen die Geschwindigkeitsbegrenzung. Die maximale Geschwindigkeit lag bei 58 km/h am 14. August um 8.17 Uhr. Also zu einer Zeit, wenn Grundschüler unterwegs sind.

Die weiteren Überschreitungen: bis 10 Stundenkilometer: 163 Fahrzeuge, 11 bis 15 Stundenkilometer: 137 Fahrzeuge, 16 bis 20 Stundenkilometer: 59 Fahrzeuge, 21 bis 25 Stundenkilometer: 22 Fahrzeuge, 26 bis 30 Stundenkilometer: 6 Fahrzeuge.

VON MARTIN KUHN

t1p.de/of-eichen

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