„Rassismus niemals relativieren“

Erste Offenbacher Black-Lives-Matter-Kundgebung vor dem Rathaus

Der gewaltsame Tod des Afroamerikaners George Floyd löste durch ein Handyvideo seines Todeskampfs eine Protestwelle aus, die nicht nur die USA erschüttert, sondern zu Anti-Rassismus  Demonstrationen rund um den Globus führt. 

Offenbach – Am Samstag hat dieser Widerstand auch Offenbach erreicht mit einer Kundgebung vor dem Rathaus unter dem Motto „Black Lives Matter - Rassismus tötet - Überall!“ Dahinter stand vor allem der Gedanke, Betroffenen eine Stimme zu geben und auch denjenigen, die in ihren persönlichen Erfahren keine Berührungspunkte mit dem Thema haben, zu vermitteln, was es bedeutet, Rassismus ausgesetzt zu sein.

Rassismus tötet: Erste Black-Lives-Matter-Kundgebung in Offenbach

Initiiert wurde die Kundgebung von der früheren Stadtschulsprecherin Hibba Kauser und ihrem Freund Samuel Luteke. Die Polizei spricht von etwa 160 Teilnehmern, Hibba Kauser schätzt die Zahl höher: Der Willy-Brandt-Platz ist bei heißem Sommertemperaturen tatsächlich gut gefüllt, so dass die Polizeibeamten das ein oder andere Mal auf die Einhaltung der coronabedingten Sicherheitsabstände hinweisen müssen. Seine Maske trägt aber gewissenhaft jeder - und so harren zahlreiche junge Menschen, aber auch Besucher aller anderen Generationen in der Hitze aus, um den Redebeiträgen zuzuhören.

„Gerade junge Leute sind gerade in Aufruhr, weil sie merken, was auf dieser Welt passiert“, erläutert Hibba Kauser ihre Motivation für die Kundgebung, „sie merken, da passieren ungerechte Dinge – nicht erst seit gestern. Deshalb geht es mir persönlich darum, dieses Potenzial abzufangen, durch diesen Aufschrei, gemeinsam etwas verändern zu können.“

Vor dem Rathaus fand am Samstag die erste Black-Lives-Matter-Kundgebung in Offenbach statt.

Der Fokus der Veranstaltung liegt auf Redebeiträgen von Menschen, die in ihrem Alltag immer wieder Rassismus begegnen. Betroffene berichten von ihren Erfahrungen „und wir müssen ihnen zuhören, ihnen Aufmerksamkeit und vor allem Glauben schenken“, erklärt Hibba Kauser. Das gelte besonders für die, „die nie erfahren haben, wie es ist, wenn man aufgrund der Hautfarbe diskriminiert wird.“ Hier richtet die Offenbacherin einen Appell an ihre Zuhörer: „Nehmt die Geschichten an anstatt Rassismus zu relativieren.“ Der Fall George Floyd sei der tragische Tropfen, der das Fass zum Überlaufen gebracht hat.

Anti-Rassismus-Demo in Offenbach: Persönliche Erfahrungen und Geschichten im Fokus

Eine dieser Geschichten erzählt Samuel Luteke, der die Kundgebung mit Hibba Kauser organisiert hat: „Wir sind heute hier, weil wir für Gleichheit und Einheit stehen und uns dafür einsetzen wollen, dass in dieser Welt alle gleich aufgehoben sind.“ Der junge Mann, dessen Wurzeln im Kongo liegen, hat schon im Kindesalter leidvolle Erfahrungen aufgrund seiner äußeren Merkmale gemacht, wurde rassistische beschimpft und geschlagen. Seine Eltern konnten ihm keine Erklärung geben, warum ihm derartiges widerfahren musste. Die multikulturelle Diversität in Offenbach habe ihm beim Aufwachsen immerhin etwas Erleichterung verschaffen können - aber wie müsse es Menschen an Orten mit weniger Vielfalt ergehen?

Offenbach: Erste Black-Lives-Matter Demonstration - Rassistische Polizeigewalt im Fokus der Debatte

Einen erheblichen Teil der aktuellen Debatte macht rassistisch motivierte Polizeigewalt aus: Diese finge „da an, wo Menschen wegen ihres Aussehens anders behandelt werden“, erklärt eine Rednerin der „Initiative Schwarze Menschen in Deutschland“ und listet Fällen von 1993 bis heute auf, in denen Polizeibeamte aus offenbar rassistischen Motiven besonders drastisch vorgehen.

Drei Stunden lang entladen sich Wut und Schmerz auf der Bühne - und eröffnen manch einem eine erschütternde neue Perspektive auf eine grausame Erfahrungswelt. Zwischendurch wird mit einer Schweigeminute allen Opfern von rassistisch motivierter Gewalt gedacht - aber dabei auch mit erhobener Faust der Stolz auf die eigene Identität demonstriert. Immer wieder wird skandiert „Enough is enough!“ - „Genug ist genug!“ „Das ist nicht die erste und nicht die letzte Kundgebung“, erklärt Hibba Kauser, „wir werden das Thema Rassismus weiterhin in den öffentlichen Diskurs bringen.“

VON JAN SCHUBA

Nachdem der Tod von George Floyd die Black-Lives-Matter-Bewegung belebt hatte, starb nun erneut ein Schwarzer in den USA durch die Polizei. Neben den Demonstranten in Offenbach beziehen auch Prominente beim Thema Black Lives Matter Stellung.

Rubriklistenbild: © Schuba

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