Milliardenprojekt

Riesiges Rechenzentrum wächst weiter: Stadt löst entscheidendes Problem

Nach Abschluss der Fundamentarbeiten hat der Hochbau für das neue Rechenzentrum von Cloud HQ in Offenbach begonnen.
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Nach Abschluss der Fundamentarbeiten hat der Hochbau für das neue Rechenzentrum von Cloud HQ in Offenbach begonnen.

Der US-amerikanische Konzern Cloud HQ will in Offenbach ein riesiges Rechenzentrum erbauen. Dabei trifft er nicht nur auf Zuspruch.

Offenbach - Es wird ein Koloss, dessen Erbauung sicherlich nicht nur auf Gegenliebe stoßen wird: Auf dem einstigen Manroland-Gelände in Offenbachs Osten, in unmittelbarer Nähe zum Neubaugebiet „An den Eichen“, entsteht eines der größten Rechenzentren Deutschlands. Die Fundamentarbeiten sind abgeschlossen, nun beginnt der Hochbau fürs erste von künftig zwei Gebäuden.

Das Projekt soll nun doch in der ursprünglich geplanten Größe realisiert werden, nachdem zunächst die verfügbaren Stromkapazitäten nicht ausreichten. Die EVO musste sicherstellen, den immensen Energiebedarf decken zu können. Das scheint mittlerweile gelungen. „Eine stabile Stromversorgung und die notwendigen Glasfaserverbindungen sind die Herausforderung, denen wir uns als Stadt stellen“, sagt Oberbürgermeister Felix Schwenke.

Rechenzentrum in Offenbach: „Ausbau des digitalen Flughafens Rhein-Main“

Dass sich diese Mühe lohnt, davon ist er überzeugt. „Daten sind das neue Gold“, sagt er. Hätten noch vor zehn Jahren die zehn wertvollsten Unternehmen der Welt allesamt mit Erdöl zu tun gehabt, handele es sich nun bei neun davon um Datenverarbeitungsunternehmen wie Google und Apple. „Die Welt hat sich verändert.“ Und da diese Daten nicht irgendwo „in den Wolken“ herumschwirrten (obwohl von „Clouds“ die Rede ist), sondern einen Ort brauchten, seien Rechenzentren ein zukunftsweisender Wirtschaftsfaktor.

Besuch auf der Baustelle (von links): Thilo Moser von der Baufirma Lupp, OB Felix Schwenke, Christian Mewes von Cloud HQ und Stadtrat Paul-Gerhard Weiß. In Offenbach wird vom US-amerikanische Konzern Cloud HQ ein riesiges Rechenzentrum erbaut.

Für den US-amerikanischen Datenverarbeitungs-Konzern Cloud HQ ist der „Campus Offenbach“ das erste Projekt dieser Art in Europa. An der Hanauer Landstraße in Frankfurt befindet sich ein wichtiger Internetknotenpunkt, was Offenbach zum reizvollen Standort macht. „Dieses Projekt trägt wesentlich zum Ausbau des digitalen Flughafens Rhein-Main bei“, sagt Christian Mewes, Direktor Infrastruktur bei Cloud HQ. Rund eine Milliarde Euro investiert sein Unternehmen in das Vorhaben.

Rechenzentrum in Offenbach: Wann wird es in Betrieb gehen?

Bis zu 800 Bauarbeiter sind dort beschäftigt. Im Rechenzentrum selbst werden rund 150 Mitarbeiter vornehmlich für Wartung und Sicherheit zuständig sein. Ende 2022 soll das erste Gebäude in Betrieb gehen. Die Fundamentarbeiten für das zweite Gebäude beginnen im vierten Quartal 2021. Für die umliegenden Anwohner bedeutet es erneut, das Pochen der hydraulischen Pfahlrammen ertragen zu müssen. „Leider ist aufgrund der Bodenbeschaffenheit keine andere Bauweise möglich“, so Mewes.

Ein unbequemes Thema in Bezug auf Rechenzentren ist die Umweltbilanz. „CO2-Neutralität in der Stromversorgung ist uns sehr wichtig“, betont der Infrastruktur-Direktor. Ein Umspannwerk auf dem Gelände wird die Datenhallen mit Strom versorgen, der ausschließlich aus „grünen“ Quellen stamme. Die Notstromversorgung wird jedoch mit Diesel-Aggregaten gewährleistet. Diese müssen einmal monatlich für eine Stunde getestet werden. Dies führt laut Mewes zu keiner Belastung der Anwohner.

Fakten und Daten zum Bau des Cloud HQ Rechenzentrums

Der US-amerikanische Konzern Cloud HQ errichtet auf einer Fläche von 15 Hektar zwei zweistöckige Gebäude mit insgesamt 18 Datenhallen. Jedes Gebäude verfügt über jeweils 54 000 Quadratmeter Nutzfläche sowie eine Datenleistung von jeweils 56 Megawatt. Für den Betrieb und die Wartung werden künftig pro Gebäude 50 bis 75 Arbeitskräfte benötigt. Das erste soll Ende 2022 in Betrieb gehen. Insgesamt wird in das Vorhaben etwa eine Milliarde Euro investiert. 

Das aufwendige Kühlen der riesigen Server erzeugt Abwärme, die ungenutzt an die Umgebung abgegeben wird. „Wir haben moderne Systeme und sprechen daher von einem Niedrigtemperaturbereich von rund 30 Grad Celsius.“ OB Schwenke bedauert, dass diese Wärmequelle nicht mehr für „An den Eichen“ genutzt werden kann. „Die zeitliche Abfolge hätte umgekehrt sein müssen. Die Häuser stehen bereits und sind an die dortige Nahwärme angeschlossen. Wäre das Rechenzentrum vorher gebaut worden, hätten wir es sicher so gelöst.“ Anderweitige Pläne zur Nutzung der Abwärme verfolgt die Stadt bislang nicht. Der Einwurf „Schwimmbad“ hat da durchaus seinen Reiz... (Veronika Schade)

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